Aus der Geschichte des Dorfes Lentföhrden

                                                Von H. Hell, Lentföhrden

Urkundlich tritt der Name Lentföhrden zuerst in den Jahren 1538 und 1539 auf. Es bestehen aber keine Zweifel, dass der Ursprung Lentföhrdens bedeutend weiter zurückliegt. Sehen wir uns einmal die Hünengräber, die im Westen und Süden des Dorfes liegen, an. Sie sind Zeugen längst vergangener Tage. Erhalten sind noch der „Grevensbarg“ und der „Dellenbarg“ (teilweise abgetragen). In den letzten drei Jahrzehnten ist das Hünengrab auf dem „Kreinbarg“, das auf  „voer de Dreckdeel“ (Sportplatz) befindliche und das im „Achtern Dreck“ (im Vorgarten von Ernst Schröder) liegende Hünengrab abgetragen worden. Ferner befanden sich mehrere Hünengräber am Hockensee-Moor. Dort sind an einer Stelle, westlich von Springhirsch, noch heute

die Reste von 28 kleineren Hünengräbern, die einst durchwühlt wurden, zu sehen. Auch einige Flurnamen wie Tiberg, weddel und fort haben ihren Ursprung  in vorchristlicher Zeit. Eine im Jahre 1907 bei der Krummbeksbrücke gefundene Speerspitze aus Bronze, die dem Kieler Altertumsmuseum übergeben wurde, ist ein Beweis dafür, daß unsere Gegend schon vor 3-4000 Jahren bewohnt war. Gefundene Geräte aus Stein (Hammer, Beil, Schaber) sind Zeugen einer noch älteren Zeit. Wie mag in dieser Zeit unsere Heimat ausgesehen haben? Vielleicht geht man nicht fehl, wenn man annimmt, daß dort, wo heute die Rieselwiesen sind, einst ein breiter Strom war. Ist es doch erwiesen, daß sich unsere Vorfahren mit besonderer Vorliebe an Flussniederungen niederließen.

Was bedeutet nun der Name Lentföhrden? Will man an eine Wortdeutung herangehen, so muß man dazu die älteste Schreibweise benutzen. Diese finden wir in den anfangs genannten Urkunden. Dort ist die Schreibweise „Lenthford“ und „Lenthforth“ gebräuchlich. Die Silbe „ford“ bzw. „forth“ bedeutet soviel als Furt. Die Furt war dort, wo heute die Altona-Kieler Chaussee die Au kreuzt; denn die Wiesen heißen dort „Weddel“. Die Silbe „wedel“ oder „weddel“ bedeutet dasselbe wie „ford“. Das Land südlich der Au heißt „övern Weddel“ (nicht „wörl“, wie es heute irrtümlicher Weise genannt wird). Welche Bedeutung nun die Silbe „lenth“ hat, ist nicht ganz leicht zu sagen. Sollte „lenth“ mit dem althochdeutschen Wort „lede“, das soviel wie Wasserlauf bedeutet, zusammenhängen? Die Silbe „ford“ zeigt uns, daß

der Name Lentföhrden schon sehr alt sein muß. Aus den in der altholsteinischen Kolonie fehlenden Namen lässt sich erkennen welche holsteinischen Namenwörter zu dieser Zeit (12. Jahrhundert) bereits abgestorben waren. Unter diesen Wörtern befinden sich auch „ford“ und „borstel“. Der Name „ford“ beweist, dass hier seit ältester Zeit ein gewisser Verkehr gewesen ist. Der älteste Durchgangsweg führte wahrscheinlich von Nützen über „Ohlen Möhlen“ durch den „Weddel“ am „Borstel“ entlang durch den „Brook“ nach Bramstedt. Die alte Landstraße, die von Nützen über Hohenstegen nach Bramstedt geht, ist sehr wahrscheinlich erst im Mittelalter entstanden.  Von den Flurnamen, deren Ursprung in die vorgeschichtliche Zeit fällt, sollen „Borstel“ und „Tiberg“ hier Erwähnung finden.

Der Name „Borstel“, der an mehreren Stellen in der Provinz auftritt, bedeutet soviel als zu dem Dorf gehörig. In alten Belegen findet man den Namen „barstold“ (1202). Die Silbe „bar“ bedeutet dasselbe wie Bauernschaft und „stolde“ ist wohl von dem althochdeutschen Worte „stadal“ geleitet, das Stall oder Stelle bedeutet. Weil hier nun der Name „Borstel“ als Flurnamen auftritt, muß man annehmen, dass dort eingegangene Ausbauten gewesen sind. Um 1793 war der „Borstel“, wie aus den Landverteilungsakten und aus einer aus dieser Zeit stammenden Flurkarte hervorgeht, nicht bewohnt.

Der Name „Tiberg“ ist ebenfalls germanischen Ursprungs. Es ist die alte Thingstätte. Hier versammelten sich unsere Vorfahren, um nach germanischen, ungeschriebenen Gesetzen Gericht abzuhalten. Streitigkeiten innerhalb der Sippe wurden hier beigelegt. Ferner wurden nach altgermanischem Brauch die Ehe auf der Thingstätte geschlossen. Wenn der „Tiberg“ reden könnte, was könnte er alles aus dieser längst vergangenen Zeit berichten! Es ist eine bekannte Tatsache, daß Stätten, die eine besondere Bedeutung hatten, mit sagenhaften Erzählungen umgeben wurden, die dann von Mund zu Mund gingen und von denen einige bis in die Gegenwart erhalten sind. Hierzu gehört auch

die Sage von der goldenen Wiege. Sie lautet: „Seit alter Zeit geht die Sage, daß auf dem Tiberg eine goldene Wiege vergraben sei. Oft hat man versucht, den Schatz zu finden. Eines Tages nun grub abermals einer nach dem Schatz. Nachdem er ein größeres Loch gegraben hatte, entdeckte er plötzlich die goldene Wiege. Vor lauter Freude rief er „Ick hev de guln Weeg fun´n“. Er hatte aber diese Worte kaum ausgesprochen, da fiel das Loch vor seinen Augen zu. Man machte sich jetzt sofort daran, die goldene Wiege herauszugraben, aber leider vergebens. Die goldene Wiege war verschwunden, und die ist bis auf den heutigen Tag von keinem jemals wiedergesehen.“ Eine andere sagenhafte Erzählung ist die von der „Goldkuhl“.

Die „Goldkuhl“ befindet sich an dem schon genannten Weg zwischen Lentföhrden und Nützen und zwar dort, wo die Gemeindegrenze den Weg kreuzt. Sicherlich war es dort in alten Zeiten nicht geheuer, denn hier soll, wie die Sage erzählt, um Mitternacht eine alte Hexe sitzen und spinnen. Sie sitzt hinter einem goldenen Spinnrad und spinnt Därme. Der von ihr benutzte Haspel soll ebenfalls aus Gold sein. Von anderer Seite wird behauptet, daß dort um Mitternacht ein alter Mann sitzt und Geld zählt.

Da oft die Frage, welche Bedeutung unsere Flurnamen haben, aufgeworfen wird, erscheint es angebracht, hierüber, soweit es möglich ist, Erklärungen zu geben. Auch kann uns eine nähere Betrachtung der Flurnamen Aufschluß darüber geben, wie es einst in unserer Feldmark ausgesehen hat. Es ist natürlich nicht möglich für sämtliche Flurnamen eine Erklärung zu geben, denn einige Flurnamen sind im Laufe der Zeit derartig entstellt, daß eine Erklärung dieser Namen ein gewagtes Unternehmen wäre. Zunächst sollen diejenigen Namen erwähnt werden, die auf 

eine sumpfige Gegend hinweisen. Eine von Wasser durchzogene, mit Bäumen bewachsene Fläche wurde Brook genannt. Born bedeutet soviel wie Quelle. Die Silbe „sik“, die wir in „Sikhörn“ vorfinden, ist die Bezeichnung für eine Niederung mit einer Wasserrinne. Ein kleines Wasserloch nannte man in alter zeit „pütt“ oder „püt“ (Püthorn). In dem Namen „Horwisch“ ist die Silbe „horge“ enthalten, die soviel wie Schlamm bedeutet. Die Silbe „kat“ gleich Schmutz, haben wir in den Flurnamen „Katkuhl“ und „Kattenberg“. Heideflächen mit kleinen Holzungen nannte man „virt“ (groen Viert und Viert). Das Wort „knüll“ war die Bezeichnung für kleine Hügel (Püthorns Knüll und Brooks Knüll).

Aufschluß über die Bewirtschaftung des Bodens. geben uns die Namen „Acker“ und „Kamp“. Der Name „Acker“, der von beiden der ältere ist, führt uns in das 8. Jahrhundert zurück, denn in dieser Zeit begann man mit der planmäßigen Bewirtschaftung des Bodens. Es ist also anzunehmen, daß das Land „op´n Ackern“ zuerst beackert wurde. Nach und nach wurden dann auch der „lütten und groten Kamp“, der „Papenkamp“ und „Dohlkamp“ bebaut. Als Deelwiesen wurden diejenigen Wiesen bezeichnet, die man sich teilte (plattdeutsch deeln). Die Deelwiesen sind die Wiesen von der Waldburg bis nach der Schafsbrücke. Wir finden dort die Namen „achtern Deel“ (heute „Argenwisch“ genannt), Deel (nördlich von der Au), die Wiesen von H. Ratjen bis zur Brücke nannte man „Dreckdeel“, woraus zu entnehmen ist, daß es weniger gute Wiesen waren. Nach dem soeben Gesagten erübrigt es sich, den Namen „achtern Dreck“ (bei Ernst Schröder) zu erklären. Die Namen Tiberg, der schon erwähnt wurde, sowie Woansberg (auf der Karte Wahrensberg) führen uns in die älteste Zeit. Der Woansberg, der an dem Weg nach Schmalfeld liegt, war wohl der Berg, der dem Gotte Wodan geweiht war. Es seien noch zwei Flurnamen erwähnt, nämlich „horn“ und „krog“. Die Silbe „horn“, die in den Namen Böschhörn, Dierckshörn, Ehmkhörn, Püthörn, Sikhörn und Kronshörn vorkommt, bedeutet Winkel, abseits liegendes Land. Urkunden, in denen über geschichtliche Begebenheiten in älterer Zeit berichtet wird, sind mir bisher nicht zu Gesicht gekommen. Es sind aber in den Urkunden, die aus den Jahren 1538 und 1539 stammen,

die damaligen Hufenbesitzer

angegeben. Es sind dort aufgeführt: 1. Hinrik Dammann, 2. Marquarth Tanke, 3. Klawes Symens, 4. Hinrik Stamer Johann, 5. Tysses Gulleken, 6. Marquarth Gulleken, 7. Eller Boysen (1539 Boye), 8. Heyne Boysen (1539 Boye), 9. Tyteke Mor, 10. Arenth Mor, 11. Henneke Sybberth, 12. Beke Wolleses, 13. Tymmeke Boye, 14. Hans Wulffs, 15. Hans Gullecken. Von diesen Geschlechtern haben sich hier bis heute erhalten die Geschlechter Böge und Siems (Frieder Siems). Alle anderen sind heute hier nicht mehr ansässig. Auf einer Karte, die aus der Zeit

um 1770 stammt, sind folgende Namen aufgeführt: 1. Vollhufner Hans Hinrich Wessel, 2. Vollh. Jasper Siems, 3. Vollh. Jochim Grelck, 4. Vollh. Jochim Griep, 5. Vollh. Wittern Kühl, 6. Bauervogt Jasper Siems, 7. Vollh. Claus Gülk, später Jochim Holtorf, 8. Vollh. Timm Götsch (an anderer Stelle Götzke geschrieben), 9. Halbhufner Wittern Orth, 10. Viertelhufner Hans Fölster, 11. Viertelh. Carsten Biehl, 12. Vollh. Hinrich Boye, 13. Viertelh. Hinrich Hartmann, 14. Kätner Jasper Siems, 15. Kätner Dierks Boye, 16. Kätner Hans Gülk (1755 erbaut), 17. Hirtenkate, Schulkate, (Nr. 13, 14 und 15 wohnen in Wierenkamp.) Wie aus Nr. 17 hervorgeht, war die Schule bis zum Jahre 1777 in der Hirtenkate, die dort stand, wo heute Gustav Koopmann wohnt. Wer zu dieser Zeit hier Lehrer war, ist nicht bekannt. Es ist aber anzunehmen, daß der Dorfhirte während der Wintermonate den Unterricht erteilen mußte. Das alte Schulhaus, das 1777 erbaut wurde, stand dort, wo heute Tönjes Peters wohnt. Auf einer Karte, die nach der

im Jahre 1793 vorgenommenen Landverteilung gezeichnet ist, sind die Besitzer dieser Zeit eingetragen. Auf dem nebenstehenden Dorfplan, der nach dieser Karte angefertigt ist, zeigen die eingetragenen Nummern, wo die einzelnen Hufen lagen. Die eingetragenen Nummern sind:1. Vollhufner Hans Hinrich Wessel, 2. Vollh. Jasper Siems, 3. Vollh. Marx Biehl, 4. Vollh. Christian Gripp, 5. Vollh. Claus Fölster (vorher Steffen Kühl), 6. Bauervogt Jasper Siems, 7. Vollh. Claus Gülk, 8. Vollh. Bartold Rickert, 9. Halbhufner Andreas Orth, 10. Viertelhufner Paul Grelk, 11. Viertelh. Carsten Biehl, 12. Vollh. Hinrich Boye, 13. Kätner Hinrich Fölster, 14. Kätner Jasper Siems, 15. Kätner Diercks Boye, 16. Kätner Ratje Storjohann, 17a. Hirtenkate, 17b. Schulkate, 17c. Kätner Hans Bestmann. (Nr. 13, 14 und 15 wohnen in Wierenkamp.)

Bei einem Vergleich der drei aufgeführten Besitzregister muß es auffallen, daß 

die Hufenzahl seit dem Jahre 1538 dieselbe geblieben ist, nämlich 15. Die Katenstelle Nr.16 (heute Gustav Pohlmann) wurde 1755 durch Hans Gülk erbaut. Die Ursache, dass sich die Hufenzahl nicht vermehrt hat, liegt zur Hauptsache in der Erbfolge. Seit Jahrhunderten herrscht hier der Brauch, daß der jüngste Sohn die Hufe übernahm. War kein männlicher Erbe vorhanden, so trat an dessen Stelle die jüngste Tochter. Die anderen Geschwister wurden nach dem Wert der Inventarien abgefunden. Eine Hufenteilung konnte nicht vorgenommen werden, 

weil die Ländereien Gemeinbesitz waren. Zu eigentlichen Hufe gehörte nur der Garten und eine kleine bei der Hufe liegende Wiese. Eine Belastung der Hufe wurde bei der Uebergabe vermieden. Es ist also die hier üblich gewesene Erbfolge der Grund, daß einige Hufen jahrhundertelang in derselben Familie waren. Wie aus dem obigen Dorfplan hervorgeht, lag das ganze Dorf bis zu dieser Zeit nördlich der Au. Die südlich der Au liegenden Häuser sind also erst nach dieser Zeit entstanden, wahrscheinlich erst nach Fertigstellung der Altona-Kieler Chaussee 1832. Das Haus von Christian Gripp (Nr. 4) mußte beim Chausseebau verschwinden. Es wurde dort, wo heute Fritz Dührkop wohnt, neu erbaut. Eine weitere Veränderung brachte das Jahr 1903 mit sich. Am 1. Juli dieses Jahres wurden neun östlich der Chaussee liegende Häuser, darunter vier stattliche Bauernhäuser, durch eine Feuersbrunst vernichtet. Wieder aufgebaut wurden die Häuser von Hans Böge (Gastwirtschaft) und Wilhelm Böge. Letzterer errichtete dort sein Haus, wo bisher H. Wessel gewohnt hatte. Das Wohnhaus von Wilhelm Böge (jetzt Heinrich Böge) steht auf der alten Dorfstraße. H. Wessel baute dort, wo heute Johannes Götsch wohnt, und Konrad Wartjenstedt kaufte am 22. März 1906 das alte Schulhaus.
Von besonderer Bedeutung für die Entwicklung Lentföhrdens ist das Jahr 1793. Es fand nämlich in diesem Jahre

die Landaufteilung statt. Am 17. Juli 1793 waren sämtliche Eingesessenen des Dorfes Lentföhrden nach Ulzburg geladen. In dem an diesem Tage verfaßten Protokoll heißt es: Geschehen zu Ulzburg, d, 17. July 1793 Bey der auf heute festgesetzte Vertheilung des Dorfes Lentföhrden waren gegenwärtig: Amtmann Freyherr von Pochlin Oberlandinspektor und Major Bruyn Landinspektor Otto Paulsen  Haus- und Kirchspielvogt Wichmann Kirchspielvogt und Branddirektor Horn Landmesser Stolley Die beiden Bonitierungsmänner Thießen und Böhrendsen und endlich die sämtlichen Eingesessenen des Dorfes Lentföhrden, wobey für Carsten Orts Wittwe als Curator erschienen.

1. Zuerst ward die Berichtigung der Pflugzahl und Namen der Besitzer im Erdbuch vorgenommen.

2. Auf die vorläufig schon gesehene Mittheilung des Bonitirungsinstrumentes, über die gemeinen Weiden und die wiederholte Bekanntmachung der festgesetzten Bonität erklären die Eingesessenen, daß sie mit derselben vollkommen zufrieden wären und keine Veränderung in dieser Absicht wünschten. In Ansehung der Bonitirung der gemeinschaftlichen Ackerländereyen ward man sich dahin einig, daß hierüber eine nähere Untersuchung an Ort und Stelle stattfindet und die etwa hin und wieder vorzunehmenden Veränderungen durch gütliche Vereinbarung zu Stande gebracht werden sollen.
In den folgenden Abschnitten wird dann über die Landverteilung berichtet. Es würde aber zu weit führen, näher darauf einzugehen. Es war in der obigen Verhandlungsschrift die Rede von

Pflugzahl Es ist ein heute unbekannter Begriff. Es gab ordinäre Pflüge und Contributionspflüge. Im Jahre 1827 kamen im Kirchspiel Kaltenkirchen auf jeden Pflug 97 Tonnen. Eine Vollhufe war 80 bis 100 Tonnen. Pflug und Hufe ist also ungefähr dasselbe. Aus der obigen Verhandlungsschrift geht weiter hervor, daß bis zum Jahre 1793 sämtliche Ackerländereien und Weiden Gemeinland waren. Dies bestätigt auch die schon erwähnte Karte aus der Zeit um 1770. Damit keiner bei der Verteilung des Gemeinlandes benachteiligt wurde, wurden die Ackerländereien in mehrere Lose geteilt und dann verlost. Wie aus der soeben genannten Karte hervorgeht, war z.B. der „Acker“, der ursprünglich bis an die Bahn ging, in 29 Lose eingeteilt, die „Heinstedt“ (hinter Wilhelm Schröder) in 22 Lose. Wann diese Loseinteilung stattgefunden hat, ist nicht bekannt. Gemeinland ist ein Stück germanischen Wirtschaftslebens. Unsere Vorfahren nannten es Allmende. Die ersten gemeinen Ackerländereien sind sehr wahrscheinlich „de Ackern“, „groten und lütten Kamp“, und „de Holmstedt“. Mit der planmäßigen Bewirtschaftung des Bodens begann man im 8. Jahrhundert. Um 1770 wurden außer den soeben genannten Ländereien noch Teile vom „grön Viert“, vom „Bartenkamp“, vom „övern Weddel“, vom „Otternbrok“ und vom „Langstück“beackert.
Die sehr umfangreiche Landverteilungsakte wurde mit folgendem Protokoll beschlossen:

„Actum Lentföhrden, den 28. July 1795.

Wann nunmehro nach Anleitung der errichteten Vertheilungsacten und den getroffenen
Vereinbahrungen der Vertheilungsgeschäfte des hiesigen Dorfes beendigt, auch einem jeden
Einwohner die erhaltenen Anschlüsse und Koppeln ausgelegt und die Scheiden derselben
angewiesen worden, so waren am heutigen Tage die sämtlichen Hufner, ausgenommen der Bauernvogt Jasper Siems, die Hufner Hinrich Böye, Andreas Orth und Marx Biehl, welche abwesend, nebst den beyden Kätnern von Wierenkamp versammelt, um befragt zu werden, ob ihnen die angezeigten Scheiden hinlänglich bekannt und ob sie überhaupt über die durch die Landmesser Stolley und Rissen bewerkstelligten Ein- und Vertheilung so wohl des Ackerlandes als der Gemeinheit etwas in Anerinnerung zu bringen oder wider selbige und der geschehenen Auslegung der Wege und Fußsteige nichts einzuwenden hätten. Zugleich wurde ihnen eingeschärft, ihre gegenwärtigen erhaltenen und ihnen hinlänglich bekannten Landscheiben sorgfältigst zu bewahren, auch die ausgelegten Wege nicht zu beengen, sondern so liegen zu lassen, wie selbige abgepfählt sind. Hierauf erklärten die Anwesenden, dass sie nichts gegen die Vertheilung einzuwenden und ihre Landscheiben ihnen hinlänglich bekannt wären.
Urkundlich haben sämtliche Anwesenden dieses eigenhändig unterschrieben.
Hans Hinrich Wessel, Christian Gripp, Claus Gülk, Carsten Biehl, Jasper Siems, Claus Fölster, Bartold Rickert, Paul Grelk, Hinrich Fölster, Hans Bestmann, Jasper + Siems eigenhändig gezogenes Kreuz. Dirck Böge, Ratje Storjohann.

Actum ut hupra in fidem H. Springer.

Nachdem dieses Protokoll soeben geschlossen, erschienen noch der Bauervogt Jasper Siems und der Hufner Hinrich Böye, welche dieses Protokoll ebenmäßig unterschrieben.

Jasper Siems, Hinrich + Böye  selbst gezogenes Kreuz.“

Am nächsten Tage wurde das Protokoll noch unterschrieben von Andreas Ohrt und Marx Biehl.
Am Schluß der Landaufteilungsakte heißt es dann:
„Vorstehende die Dorfschaft Lentföhrden in künftigen Fällen zur unabänderlichen Richtschnur dienende Landaufteilungs-Acte, wird in allen Punkten und Clauseln von mir als p. t. Amtmann confirmirt.
Segeberger Amthaus, den 29. Nov. 1798
M. J. von Pechlin
Die soeben angeführte Erklärung des Segeberger Amtmannes sowie verschiedene Punkte der Aufteilungsakte fanden

hundert Jahre später in einer Streitsache zwischen den Gemeinden Lentföhrden und Schmalfeld oft Erwähnung. In einer Verfügung vom 10. März 187x, welche auf Grund der Landgemeindeordnung vom 22. September 1867 (Bildung der Gemeindebezirke) erlassen wurde, wurde erklärt, daß die Enklave Wierenkamp zu der Gemeinde Schmalfeld gehöre. Hiergegen erhob die Gemeinde Lentföhrden, indem sie auf die Landverteilungsakte von 1793 hinwies, aus der hervorgeht, daß der Viertelhufner Hinrich Fölster und die beiden Kätner Jasper Siems und Dierk Böge, Wierenkamp, zu der Gemeinde Lentföhrden gehören, Einspruch. Dieser aber wurde abgelehnt.

Im Jahre 1899 entbrannte der Streit von neuem. Abermals forderte der damalige Gemeindevorsteher H. Mäckelmann im Auftrage der Gemeinde, daß die Enklave Wierenkamp wieder dem Gemeindeverband Lentföhrden zugeteilt werden möge. In mehreren Schriften wurde hingewiesen auf die Landverteilungsakte von 1793 und auf die am Schlusse stehende Erklärung des Segeberger Amtmannes, in der gesagt wird, daß die Landverteilungsakte „in künftigen Fällen zur unabänderlichen Richtschnur“ dienen solle. Der Kreisausschuß aber war anderer Meinung. Er verwies auf die Verordnungen vom 19. November 1771 und vom 4. August 1784 (Chronol. Sammlung 1771 u. 1784) und kam zu dem Schluß, daß Wierenkamp vor 1771 und seitdem ohne Unterbrechung zur Gemeinde Schmalfeld gehöre. Aus der anfangs erwähnten Karte aus der Zeit um 1770 ersieht man, daß Wierenkamp zu Lentföhrden gehört. An anderer Stelle sagt der Kreisausschuß, daß bei der Landverteilung die Ländereien durchweg bei denjenigen Dorfschaften geblieben seien, denen sie schon früher angehörten und dieses gelte auch von der Enklave Wierenkamp. Das Ende des ganzen Streites war, daß der Einspruch Lentföhrdens zurückgewiesen wurde und Wierenkamp bei Schmalfeld blieb. Ob diese Entscheidung richtig war, kann ich nicht beurteilen. Jedenfalls ist nicht zu verkennen, daß Lentföhrden auf Grund des vorliegenden Aktenmaterials einen Anspruch auf Wierenkamp hatte.

Über geschichtliche Ereignisse habe ich bisher nur Urkunden aus der Zeit der Napoleonischen Kriege vorgefunden. Im Jahre 1808 zogen verbündete Truppen von Elmshorn kommend durch unser Kirchspiel und mußten auch zum Teil einquartiert werden. Ob Lentföhrden damals auch Einquartierung gehabt hat, weiß ich nicht. Daß die Orte südlich von Kaltenkirchen große Einquartierungen (Franzosen) hatten, steht fest. Das nächste Ziel dieser Truppen war Oldesloe. Klagen aus dieser Zeit liegen nicht vor. Schlimmer lauteten die berichte aus der Zeit 1813-14. Aus der Zwischenzeit sind keine Urkunden aufzutreiben. Eine Schreckenszeit begann mit dem Durchzug der russischen Truppen. Wie aus verschiedenen Berichten unseres Kirchspiels hervorgeht, waren Plünderungen zu dieser Zeit etwas alltägliches. Alles konnten sie gebrauchen. Während von anderen Orten Belege vorliegen, was alles geraubt wurde, fehlen solche im allgemeinen für Lentföhrden. Ein Beleg ist freilich vorhanden und in diesem wird gesagt, daß dem Claus Siems im Dezember 1813 ein Pferd im Werte zu 82 Reichsbanktaler (Rbth.), ein Wagen mit Körben und Stühlen (40 Taler) und ein Reitsattel (4 Taler) von den fremden Truppen genommen sei. Aus mehreren Berichten dieser Zeit geht hervor, daß Plünderungen und Militärbedrückung auch nach Abschluß des Kieler Friedens (14. Januar 1814) fortdauerten.   Ein Bild aus jener Zeit gibt uns der damalige

Segeberger Kirchspielvogt in einem Schreiben an den                                        Kirchspielvogt Springer, Kaltenkirchen

In diesem Schreiben ist folgendes zu lesen: „Ueber 1000 Pferde, 700 bis 800 Mann Kosaken-Artillerie-Train waren schmutzig und garstig und einer complotten Räuberbande sehr ähnlich.“ Aeltere Leute können sich noch entsinnen, dass in ihrer Jugendzeit oft alte Leute aus dieser Notzeit erzählten. Groß war die Last, die der Bevölkerung durch die Einquartierung auferlegt wurden. Aus der Kriegszeit fehlt hierüber jegliches Material. Aus der Zeit nach dem 14. Januar 1814 sind Unterlagen vorhanden. In der Zeit vom 11. Juni 1814 bis zum 25. Dezember 1814 waren hier mit Ausnahme einiger Tage durchziehende russische Truppen in Quartier. Sehr oft waren es mehr als 200 Mann. Am 10. und 14. August 1814 lagen hier sogar 333 Mann und 9 Offiziere in Quartier. Wenn man bedenkt, daß die Einquartierten auch verpflegt werden mußten, ohne dafür zu zahlen, kann man sich vorstellen, wie die Leute sich gefreut haben, als die letzten Truppen am 25. Dezember 1814 aus Lentföhrden abzogen. Auf einer

Aufstellung der Verpflegungskosten, welche 1817 beim Kirchspielvogt eingereicht werden mußte,  betrugen die Kosten 6803 Mark 2 Schilling. Der Grobschmied Friedrich Zunka, der während dieser Zeit seine Schmiede den Russen überlassen mußte, forderte für 24 Tonnen Kohlen 21 Mark 4 Schilling, für 7 Paar Hufeisen 5 Mark 11 Schilling, für entstandenen Gerätschaden 10 Mark 12 Schilling, zusammen 37 Mark 11 Schilling. Von den während der Russenzeit entstandenen Kosten wurde der Gemeinde Lentföhrden im Jahre 1818 gut 1000 Taler vergütet.

Die Abgabe landwirtschaftlicher Erzeugnisse an die Magazine in Trittau, Ahrensburg und Bramstedt war eine weitere Belastung. Der Roggen mußte sehr oft erst zu Brot verarbeitet werden. So mußte, wie es in einer Aufforderung vom 20. Dezember 1813 heißt, von der Gemeinde Lentföhrden an das Bramstedter Magazin geliefert werden: 49 Tonnen Roggen, 16 T. 1½  Scheffel Hafer, 6454 Pfund Heu, 4473 Pfund Stroh, 11 T. Kartoffeln und 15 Kühe à 250 Pfund. Es heißt in diesem Schreiben, daß die benannten Sachen außer Roggen und Kühe innerhalb von drei Tagen dort abzuliefern seien. Der Roggen mußte bereit gehalten werden, so daß er innerhalb von 24 Stunden geliefert werden konnte. Die Kühe mußten innerhalb von 10 Stunden nach Anforderung geliefert sein. Die 15 Kühe wurden am 18. Januar 1814 in Bramstedt abgeliefert. Das Gewicht der Kühe ist mit 200 Pfund (zweihundert) angegeben. An diesem Tage mußte das Kirchspiel Kaltenkirchen 120 Kühe in Bramstedt abliefern. Es gehörten damals zur Kirchspielvogtei Kaltenkirchen folgende 15 Ortschaften: Lentföhrden, Nützen, Kampen, Schmalfeld, Kaltenkirchen, Oersdorf, Kattendorf, Struvenhütten, Kisdorf, Winsen, Hüttblek, Ulzburg, Henstedt, Götzberg, Wakendorf. Zu der Kirchengemeinde Kaltenkirchen gehörten außerdem noch die Dörfer Weddelbrook und Mönkloh, die zum adeligen Gut Stedingshof, Bramstedt, gehörten, und Hasenmoor. An dem benannten Tage wurden anstatt 120 Kühe nur 80 Kühe abgeliefert. Warum 40 Kühe nicht geliefert wurden, ist nicht festzustellen. Vielleicht spielte die große Entfernung eine Rolle, denken wir z. B. an Hüttblek. Ob die fehlenden Tiere nach Barmstedt, wohin sie geliefert werden sollten, gebracht sind, konnte ich nicht feststellen. Daß die Ablieferung an die Magazine nicht so erfolgte, wie man es wünschte, geht aus mehreren vorliegenden Schriftstücken hervor. Vielleicht lag es daran, daß die Bauern nicht mehr liefern konnten, oder versuchten, von der Lieferung freizukommen.

Wenn in dem letzten Artikel das Gewicht der Kühe mit 250, bzw. 200 Pfund angegeben ist, so klingt es wie ein Märchen. Das Durchschnittsgewicht der Kühe muß in jener Zeit aber nicht mehr gewesen sein. Gewichtsangaben habe ich in mehreren Belegen gefunden, aber keine Stelle ist zu finden, wo ein Gewicht von mehr als 250 Pfund angegeben oder gefordert ist. Daß die Militärbehörden nicht die minderwertigen Kühe anforderte, ist selbstverständlich. Es ist demnach doch wohl anzunehmen, daß das Durchschnittsgewicht der Kühe in jener Zeit 200 bis 250 Pfund betrug. Zu bedenken ist ja, daß die Bodenbewirtschaftung und die Viehzucht mit der heutigen nicht zu vergleichen ist. Weiden in unserem Sinne kannte man nicht, zum Gräsen benutzte man größtenteils die Oedländereien.

 Es ist überhaupt sehr interessant, an Hand von Zahlen

die wirtschaftliche Entwicklung im letzten Jahrhundert zu betrachten. Das Gesamtareal der Gemeinde Lentföhrden betrug im Jahre 1828  4806 Tonnen (2403 ha.) Hiervon waren urbar 1166 Tonnen, nämlich 751 T. Ackerland, 409 T. Wiesen und 6 T. Rekognitionsland, unbebaut war eine Fläche in Größe von 3640 Tonnen, nämlich 2353 T.
Gemeinheiten, 20 T. Sand und Lehmgruben, 1026 T. reservierte Moore und 241 T. königliches Gehege. In der Topographie von Schröder aus dem Jahre 1841 ist die Steuertonnenzahl für Lentföhrden mit 906 angegeben. Die Festsetzung der Steuertonnenzahl (Korn und Gras tragende Ländereien) erfolgte im Jahre 1802. Es waren also im Jahre 1802 nur 906 Tonnen urbar. Das heutige Gesamtareal beträgt 2223 ha (4446 Tonnen), davon urbar 1221 ha (1828: 583 ha, 1802: 453 ha), nämlich 660 ha Ackerland, 163 ha Wiesen, 390 ha Viehweiden, 8 ha Gartenland; die unbebaute Fläche beträgt heute 995 ha, nämlich 130 ha Forsten und Holzungen, 40 ha unkultivierte Moorflächen, 693 ha sonstiges Oedland, 132 ha Wegeland und 7 ha Hof und Hausräume. Aus der obigen Aufstellung ist ersichtlich, daß die bebaute Fläche während der letzten 100 Jahre sich mehr als verdoppelt hat. Und

wie waren die Erträge vor 100 Jahren?          Während man heute bei Roggen mit dem 8-10fachen Korn rechnet, war man 1828 mit dem dreifachen Korn zufrieden, bei Hafer rechnet man heute mit dem achten Korn, 1828 mit dem dritten; bei Buchweizen erntet man heute das 20 bis 25fache Korn, 1828 das dreifache. Nach einer amtlichen Schätzung im Jahre 1828 wurden in diesem Jahre folgende Mengen geerntet:   Roggen: 375 Tonnen (1847: 577 T.) Hafer: 276 Tonnen (601 T.)   Buchweizen: 157 Tonnen (400 T.) Erbsen: -(32½ T.)

(Eine Tonne gleich zwei Zentner) Und

wie groß ist die heutige Ernte? Da genaue Angaben darüber nicht vorhanden sind, läßt sich dieses nur schätzungsweise angeben. Im Jahre 1931 (1928 in Klammern) wurden bebaut mit Roggen 330 (64 ½ ha), mit Hafer 200 (46 ha), mit Buchweizen 8 (26 ha). Da heute im Durchschnitt auf einem Hektar 28 Ztr. Roggen bzw. 24 Ztr. Hafer oder 60 Ztr. Buchweizen geerntet werden, so würde der heutige Ernteertrag folgender sein: (die in Klammern stehenden Zahlen zeigen den Ernteertrag des Jahres 1828):   Roggen: 9240 Ztr. (750 Ztr.)   Hafer: 2800 Ztr. (553 Ztr.)   Buchweizen: 480 Ztr. (314 Ztr.)

Die Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse

 betrugen, wie aus den Preisbestimmungen der Rentenkammerpatente vom 9. April 1816 und vom 29. August 1827 zu entnehmen ist, für eine Tonne Roggen (200 Pfund) 6 Rbt. (Reichsbanktaler = 30 Schilling kurant), im Jahre 1827  5 Rbt; eine Tonne Hafer 2 ½ Rbt., im Jahre 1827 4 Rbt., ein Fuder heu zu 332 Pfund 4 ½ Rbt., im Jahre 1827  600 Pfund 5 Rbt., ein Fuder Stroh 376 Pfund  2 ½ Rbt., im Jahre 1828 ein Fuder 480 Pfund 3 Rbt.. Auch

der Viehbestand ist, wie folgende Aufstellung zeigt, bedeutend vermehrt worden. Daß die Kühe vor gut 100 Jahren im Durchschnitt nur 200 bis 250 Pfund wogen, wurde schon erwähnt.

                             Winter 1827/28  15. 4. 1847 1. 12. 1931
Milchkühe 147 126 489
Jungvieh  28 nicht Jungvieh u. Mastkälber                  
Mastkälber 25 angegeben  zusammen:  633
Pferde 61 54 144
Schafe 572 385 69
Schweine 19 36 1554
Bienenstöcke  137 6 (?)  64
Federvieh  3727

Bei den obigen Angaben aus dem Jahre 1828 wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß im Kirchspiel Kaltenkirchen auch eine Zählung der Mastkälber vorzunehmen sei. Meierhöfe gab es hier nämlich nicht. Die Milch benutzte man zum Mästen von Kälbern, die dann in Hamburg verkauft wurden, wo

die „Kaltenkirchener Kälber“ wegen ihrer Güte begehrt waren. Ja, sie waren sogar, wie es an einer Stelle heißt, am Hofe des Zaren in Petersburg bekannt, wohin geräucherte Brüste versandt wurden. Eine gute Verdienstmöglichkeit bestand in dem Verkauf von Holzkohle. Das Holz dazu lieferten die reichlich vorhandenen Holzungen. Das Absatzgebiet für Holzkohle war Hamburg. Was

die Einwohnerzahl Lentföhrdens anbelangt, hat auch diese in den letzten hundert Jahren sehr zugenommen. Die Einwohnerzahl betrug im Jahre 1828:  190; im Jahre 1835:  215; 1847: 207; 1867: 306 und bei der letzten Volkszählung 1925:  556. Von großer Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung Lentföhrdens ist das Jahr 1898. Im Jahre 1895 trat die Direktion der Altona-Kaltenkirchener Bahn wegen

Weiterführung der Bahnstrecke über Nützen und Lentföhrden

nach Bramstedt mit der Gemeinde in Unterhandlung. Nach dem ursprünglichen Plan sollte die Bahn über Schmalfeld nach Bramstedt führen. Schmalfeld aber lehnte diesen Plan aus nicht begreiflichen Gründen ab. Die damalige Gemeindevertretung und besonders der Dorfvorsteher H. Mäckelmann waren weitsichtig genug, die Bedeutung eines Bahnanschlusses für die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde zu erkennen. Freilich waren die durch den Bahnbau entstehenden Lasten nicht gering. 19200 Mk. mußten als Stammaktien von der Gemeinde gezeichnet werden, die durch eine Anleihe aufgebracht wurden. Der Grund und Boden für den Bahnkörper wurde von der Gemeinde kostenlos zur Verfügung gestellt und der durch die Wiesen führende 6 ½ Meter hohe Bahndamm ebenfalls von der Gemeinde gebaut. Wege mußten verlegt bzw. neu angelegt werden. Die Aufschüttung des Bahndammes, wozu 10900 cbm Erde benötigt wurden, wurde an Johann Delfs, Bad Bramstedt, vergeben. Die Kosten betrugen 2430 Mk. Die Betriebseröffnung der neuen Bahnstrecke erfolgte am 20. August 1898.

Mit diesem Tage begann für Lentföhrden eine neue Zeit. Der erste Fortschritt bestand in der Errichtung einer Postagentur, die mit dem Tage der Betriebseröffnung der neuen Bahnstrecke eröffnet wurde. Vorher war die Post durch das Postamt Kaltenkirchen bestellt worden. Die Postagentur wurde von dem damaligen Bahnhofswirt Krewitt übernommen. Als am 1. November Heinrich Vogt Besitzer der Bahnhofswirtschaft wurde, übernahm auch er die Postagentur. Bestellt wurde die Post durch den Postboten Wilhelm Lohse. Zum Bestellbezirk gehörten außer Lentföhrden Nützen und Kampen. Springhirsch und Lager 1, 2 und 3 waren noch nicht vorhanden. Bestellt wurde die Post in Nützen und Kampen zweimal, im Orte dreimal. Da der Dienst zu anstrengend war, wurde bald eine Hilfskraft angestellt. Lohse wurde 1908 nach Elmshorn versetzt. Sein Nachfolger wurde Grunert. Dieser wurde 1909 durch Artur Thies abgelöst, der hier noch heute tätig ist. Die wirtschaftliche Entwicklung brachte es mit sich, daß bald die Anstellung eines zweiten Beamten vorgenommen werden musste. Es war Johannes Thies, der später nach Bad Bramstedt versetzt wurde. Während des Krieges wurde die hiesige Agentur mit der Erledigung einer gewaltigen Arbeit bedacht: Gleich zu Anfang des Krieges entstanden im Lentföhrdener Moor und in Springhirsch Kriegsgefangenenlager, wo alsbald

Otto Götsch

5000 bis 6000 Kriegsgefangene untergebracht wurden. Brachte schon der Krieg durch die Feldpost eine Mehrarbeit mit sich, so wurde die Agentur durch das Kriegsgefangenenlager besonders stark belastet. Der damalige Postagent Heinrich Vogt entsinnt sich, dass des öftern mehr als hundert Anweisungen an einem Tage durch seine Hand gegangen sind; eine Unmenge Briefpost mußte sortiert werden. Die Pakete kamen, als das Lager voll besetzt war, waggonweise an. Ja, in einer Woche waren es sogar zwei Waggons. Da der Postagent diese Arbeit nicht allein erledigen konnte, mußte Artur Thies Innendienst machen. 1917 wurde dann Otto Götsch, der als Kriegsbeschädigter aus dem Heeresdienst entlassen wurde, als Postschaffner angestellt.

  Am 1. Januar 1919 übernahm Max Jipp die Bahnhofswirtschaft und damit auch die Postagentur. Seit dem 5. August 1920 ist Hinrich Theege Postagent. Von jetzt an war die Post im Hause von Johannes Pohlmann untergebracht. Hier verblieb sie solange bis Theege sich an der Chaussee ein Haus baute. Durch die Verkraftung am 1. März 1932 trat insofern eine Aenderung ein, als Nützen eine eigene Agentur bekam und der Postschaffner Otto Götsch nach Bad Bramstedt versetzt wurde. Die Bestellung der Post erfolgt seitdem durch den Postschaffner Artur Thies und eine Hilfskraft. 

  Wie schon erwähnt wurde, entstanden im Lentföhrdener Moor während des ersten Kriegsjahres große Kriegsgefangenenlager. Am 14. April trafen die ersten Kriegsgefangenen (500 Russen) hier ein. Die dort befindlichen

1600 Hektar Oedländereien sollten kultiviert werden. Es entstand die staatliche Mooradministration mit ihren drei Lagern. Als der Krieg beendet war und die Kriegsgefangenen wieder in ihre Heimat zurückkehrten, mussten Strafgefangene die begonnenen Kultivierungsarbeiten fortsetzen. Zeitweise waren in jedem Lager mehr als 40 Strafgefangene untergebracht, und noch heute werden auf Lager 2 etwa 20 Strafgefangene beschäftigt. Die Kultivierungsarbeiten sind seit etwa zwei Jahren beendet. Dort, wo einst große Moor- und Heideflächen sich dehnten, sind heute Ackerländereien und prächtige Weiden.

Aus der Geschichte der Lentföhrdener Schule läßt sich folgendes berichten. Vor 1777 befand sich die Schule, wie aus alten Belegen zu entnehmen ist, in der Hirtenkate. Die Hirtenkate stand dort, wo heute Gustav Koopmann wohnt. Wer zu dieser Zeit Lehrer war, konnte ich nicht feststellen. Es ist anzunehmen, daß der Dorfhirte dieses Amt übernommen hat. Eine allgemeine Schulpflicht bestand damals noch nicht. Es war zu dieser Zeit so, daß jemand aus dem Dorfe, der hierfür Interesse hatte, den Unterricht erteilte. Die Unterrichtszeit fiel zur Hauptsache in die Wintermonate, denn im Sommer hatten die Kinder keine Zeit. Der Unterricht bestand darin, daß den Kindern die Anfangsgründe im Lesen, Schreiben und Rechnen beigebracht wurden, Bibelsprüche und Gesangverse mußten gelernt werden. Ein weitergehender Unterricht konnte in einer Dorfschule nicht erteilt werden, da es dem Lehrer an der nötigen Vorbildung fehlte. Im Jahre 1777 wurde am Tiberg, dort wo heute Tönjes Peters wohnt, eine Schulkate errichtet. Sehr groß war sie nicht. Sie war zirka 9 Meter lang und 9 Meter breit. Die Zahl der Schüler betrug um 1813 herum 24 bis 30. da sich die Schule bald als zu klein erwies, wurde im Jahre 1829 die Schulkate vergrößert. Der Anbau war 6 Meter lang und 10 Meter breit. Als die Schülerzahl 1849 auf 78 angewachsen war, erwies sich das Schulzimmer, das 380 Quadratfuß groß war, abermals als zu klein. Das Schulhaus wurde deshalb im Jahre 18xx um 7 Meter verlängert. Am 1. November 1889 erhielt die Schule einen Blitzableiter. Am 10. April 1902 beschloß man, da das alte Schulhaus nicht mehr zeitgemäß war, auf dem Tiberg ein neues Schulhaus zu bauen. Am 8. April 1903 wurde der Zimmermeister Bornholt, Kaltenkirchen, mit dem Bau des Schulhauses beauftragt. Fertig wurde das Gebäude am 1. November, doch sollte es wegen der darin herrschenden Feuchtigkeit noch nicht bezogen werden. Eingeweiht wurde das neue Schulhaus am 7. Januar 1904 durch den Ortsschulinspektor Pastor Heske. Das alte Schulhaus wurde am 22. März 1906 an Konrad Wartjenstedt verkauft. Der Kaufpreis betrug 3060

M. Da die Schülerzahl 1909 auf 86 angewachsen war und das Klassenzimmer sich als zu klein erwies, beschloß man, ein zweites Klassenzimmer anzubauen. Mit dem Beginn des neuen Schuljahres, Ostern 1911, wurde die Schule zweiklassig. Als Lehrer an der hiesigen Schule war, wie aus dem „ursprünglichen Bauregister“ zu entnehmen ist, vor 1813 Johs. Rickert tätig. Sein Nachfolger war der Autodidakt Hans Pohlmann, der vorher in Brokstedt als Lehrer tätig gewesen war. Als dieser im Jahre 1830 starb, übernahm sein Sohn Hans, der ebenfalls kein Seminar besucht hatte, das Amt seines Vaters. Er starb im Jahre 1864 im 56. Lebensjahre an den Blattern. An seine Stelle trat sein Sohn Hinrich Pohlmann, der auch Autodidakt war. Am 1. Oktober trat er im Alter von 65 Jahren nach einer 36 ½ jährigen Tätigkeit in den Ruhestand. Er starb am 6. März 1914. Vom 1. Oktober 1900 bis zum 31. Dezember 1900 wurde die Schule von Pxxxx Hennings Thode verwaltet. Mit dem 3. Januar übernahm der von der Gemeinde gewählte Lehrer Herm. Reinhold die Schulstelle. Schon nach einem Jahre kehrte er jedoch wieder nach Nützen, woher er gekommen war, zurück und übernahm dort die erste Lehrerstelle. Die Schule war von jetzt an (x. Jan. 1902) ohne Lehrer. Man bat des öfteren die Regierung eine Lehrkraft mit der Verwaltung der Schule zu beauftragen. Die Regierung konnte aber infolge Lehrermangels keinen Ersatz stellen. Während dieser Zeit erteilten die Lehrer Jacobsen und Schümann aus Kaltenkirchen und Ehlers, Bad Bramstedt, (jetzt Kreisschulrat in Glückstadt) abwechselnd den Unterricht. Für den letzteren trat später Lehrer Knust, Kaltenkirchen, ein. Endlich am 1. Oktober 1902 wurde der Schulamtskandidat Johann Heinrich Witt von der Regierung mit der Verwaltung der Schulstelle beauftragt. Als dieser mit dem 1. April 1905 in den Hamburger Schuldienst übertrat, wurde der Schulamtskandidat M. Foderberg als Lehrer an die hiesige Schule berufen, wo er bis heute tätig ist. Nachdem Ostern 1911 die zweite Klasse eingerichtet war, wurde am 1. Mai der Lehrerin Anna Schierning der Unterricht in der zweiten Klasse übertragen. Als diese am 17. April 1914 nach Altona berufen wurde, übernahm der Schulamtskandidat Heinrich Bredenbeck den Unterricht in der zweiten Klasse. Am 6. Oktober desselben Jahres wurde er zum Militärdienst einberufen und ist dann später am 18. Mai 1916 bei Arras gefallen. Mit der Verwaltung der zweiten Klasse wurde am 1. November 1914 Fräulein Meckelnburg beauftragt. Nachdem am 24. Juli 1915 auch Lehrer Foderberg zum Heeresdienst einberufen war, mußte Frl. Meckelnburg den Unterricht in beiden Klassen übernehmen. Am 1. Mai 1917 übernahm Lehrer Foderberg, der inzwischen als Kriegsbeschädigter aus dem Heeresdienst entlassen war, wieder den Unterricht in der 1. Klasse. Vom 15. Juni an war die 2. Klasse wieder ohne Lehrkraft, denn Frl. Meckelnburg war nach Barmstedt versetzt. Die Stelle wurde erst nach dem Kriege wieder neu besetzt.

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