50 Jahre Heidmoor

Unser Dorf im Wandel der Zeit

Die Entwicklungsgeschichte der Gemeinde Heidmoor

Der Entstehung des Ortes Heidmoor geht eine lange, langsame Entwicklung voraus. Sie begann eigentlich mit dem großen Waldbrand, der 1911 in der Försterei Hasselbusch – Lutzhorn ausbrach und trotz des Einsatzes von etlichen Kompanien Soldaten und vielen Feuerwehren nicht gelöscht werden konnte. Was übrig geblieben war, war eine riesige Brandfläche. Der Wald und somit auch die Brandfläche von 1200 ha gehörten der Preußischen Forstverwaltung. Die Forstverwaltung ließ die Brandfläche aufräumen, denn ein großer Teil desangekohlten Holzes war noch zu benutzen, vor allen Dingen als Grubenholz. Eine Firma in Bad Bramstedt wurde mit der Räumung beauftragt. Menschen, Pferde und Maulesel wurden in Baracken provisorisch untergebracht. Bis zum 7 km entfernten Bahnhof Lentföhrden wurde ein Feldbahngleis gelegt und nun begann ein emsiges Leben und Treiben. Grubenholz in vorgeschriebener Länge türmte sich zu Bergen in Lentföhrden auf dem Bahnhofsvorplatz auf, denn von dort aus wurde es verladen und kam ins Ruhrgebiet. Der Transport bis zum Bahnhof erfolgte per Feldbahn. Die Feldbahn-Loren wurden von Pferden und Mauleseln gezogen. Der Verbrauch an Pferden war sehr groß, so daß man sich der zäheren und genügsameren Maulesel bediente.

1915, während des 1. Weltkrieges, trat eine Wandlung ein. Die Kriegsgefangenen mußten untergebracht und beschäftigt werden. Man trug sich mit dem Gedanken, teils der Not gehorchend, durch Kultivierung Land zu gewinnen. Die Brandfläche mit den angrenzenden Mooren (Grootmoor und Hockenseemoor zus. 500 ha) sollten in Ackerland und Weideflächen umgewandelt werden. Die zur Verfügung stehende Gesamtfläche betrug1700 ha. Die Domänenverwaltung des preußischen Landwirtschaftsministeriums nahm die Sache in Angriff. Es wurden drei große Kriegsgefangenenlager gebaut. Alles Holzbaracken in Serienbau. Eines am Ortsausgang von Lentföhrden in Richtung des späteren Heidmoor mit der Bezeichnung Lager I. Das zweite Lager 7 km landeinwärts, in westlicher Richtung, dort wo später das Versuchsgut entstand.

Das dritte Lager 3 km nördlich davon in Richtung Mönkloh. Auf den Brandflächen wurden die Aufräumungsarbeiten fortgesetzt und gleichzeitig wurde im Grootmoor mit der Entwässerungsarbeit begonnen. Die Struktur der beiden Moore war sehr unterschiedlich. Während das Grootmoor, ca. 90 % der gesamten Moorfläche, ein ausgesprochenes Hochmoor war, in der Mitte eine Mächtigkeit von 18 Metern besaß und an den Rändern bis auf drei Meter auslief, handelt es sich bei dem Hockenseemoor (die restlichen 10%) um ein Übergangs- und Niederungsmoor. Die Randparzellen wurden schon zur Zeit der Verkoppelung, um das Jahr 1800, den Bauern der umliegenden Dörfer zur Torfgewinnung überlassen. Die ersten Entwässerungsmaßnahmen hatten keinen Bestand. Ein breiter Kanal, welcher von West nach Ost durch das Moor gegraben wurde, schlämmte in kurzer Zeit wieder zu. Daß das ganze Projekt nicht nur eine Augenblicksangelegenheit sein sollte, nur um Kriegsgefangene zu beschäftigen, ging daraus hervor, daß man schon 1915 auf allen drei Betriebsstellen je drei massive Häuser im Niedersachsenstil erbaute.

Von Erschließungsarbeiten, welche man bei einem so großen Projekt wohl das Erste sein müßten, kannte man damals wohl noch nichts. Das Baumaterial wurde mit Pferdefuhrwerken bis Lentföhrden und von dort auch wieder mit der Feldbahn an die Baustellen gebracht. Sämtliche Steine kamen von der Ziegelei Hagen. Wieviel einfacher wäre ein Transport gewesen, wenn man damals schon feste Straßen gehabt hätte.

Der erste Weltkrieg ging zu Ende, und die Kriegsgefangenen wurden in ihre Heimat zurück transportiert, die Wachmannschaften wurden entlassen. Um das einmal begonnene Kultivierungsprojekt zu vollenden, mußte man notgedrungen auf Zivilgefangene zurückgreifen. Da außer dem oben genannten Projekt, so z. B. das Himmelmoor bei Quickborn, das Hohenfelder Königsmoor bei Dauenhof, das Dätgenermoor bei Nortorf, welche auch von der gleichen Administration verwaltet wurden und noch verschiedene Moore im Kreis Rendsburg, nördlich der Eider, für Kultivierungszwecke in Angriff genommen wurden, reichten natürlich die Gefangenen der Schleswig-holsteinischen Strafanstalten nicht aus, um alle Betriebe mit Arbeitskräften zu versorgen. Aus Luckau, Lichtenburg, Görlitz, Wohlan, Celle und den übrigen Anstalten wurden die Außen – arbeitssteilen beschickt. Es wurden ausnahmslos Zuchthausgefangene beschäftigt. Je eins der massiven Gebäude wurde ausbruchssicher hergestellt. Je 80 Mann und die entsprechende Anzahl Aufsichtspersonal wurden auf jeder der drei Betriebsstellen untergebracht. Verwaltungsmäßig unterstanden die Strafgefangenenlager der Strafanstalt Rendsburg. Was 1915 überstürzt in Angriff genommen wurde, sollte ab 1918 planmäßig vollendet werden. In Rußland war der Bolschewismus an die Macht gekommen. Der Krieg war zwar beendet, aber das Baltikum war in Gefahr, vom Kommunismus überflutet zu werden. Freiwillige wurden angeworben, um die kommunistische Gefahr abzuwenden. Den Freiwilligen wurde eine Existenz versprochen, den Landwirten darunter eine Siedlung. Es waren aber keine vorhanden, sondern sie mußten erst geschaffen werden. Auf diese Weise kamen dann 1920 die ersten Siedlungsanwärter nach dem heutigen Heidmoor. Es wurden zwei Siedlungsgenossenschaften gegründet, auf der Betriebsstelle Lager II die Siedlungsgenossenschaft „Kurland“ und auf der Betriebsstelle Lager III die Siedlungsgenossenschaft „Livland“. Federführende Genossenschaftsvorsteher waren ehemalige Offiziere. Sie hielten engen Kontakt mit der Domänen Verwaltung und hatten dafür zu sorgen, daß jeder eine Siedlung erhielt. Bis dahin waren alle, der größte Teil noch unverheiratet, in Baracken untergebracht. Sie mußten beim Aufbau der Siedlungen in Gemeinschaftsarbeit helfen.

1921 war die erste Siedlung bezugsfertig. Der einzelne Besitz war ca. 25 ha groß. Die volle Ernte wurde auf dem Halm übergeben. Lebendes und totes Inventar wurde zur Verfügung gestellt. Die Gebäude waren allerdings so klein wie heute eine kleine Nebenerwerbssiedlung. Die Erträge waren so gering, daß davon keine Familie leben konnte. Es gab im wahrsten Sinne des Wortes viel Steine und wenig Brot. Vieh konnte nur in ganz begrenzter Zahl gehalten werden und für das bißchen Getreide war keine Scheune vorhanden. Die ersten Häuser waren mit Spitzdach versehen. Um mehr Bodenraum zu gewinnen, baute man versuchsweise einige Häuser mit sogenannten Hallendächern. Heu für das Vieh mußte zugekauft werden, weil noch nicht genügend Weideland zur Verfügung stand. Die landwirtschaftlichen Erzeugnisse konnten nur unter schwierigsten Verhältnissen an den Markt gebracht werden, denn die Wege, sofern man diese überhaupt als solche bezeichnen konnte, waren grundlos. Jeder bahnte sich einen eigenen Weg durch die Heide. Wenn der Pastor aus Kaltenkirchen seine Seelen im Siedlungsgebiet aufsuchen wollte, mußte er das längste Stück des Weges zu Fuß gehen. Die Entfernung von der ersten bis zur letzten Siedlung betrug ca. 6 km. Die Kultivierungsarbeiten gingen indes nun planmäßig weiter. Von allen drei Betriebsstellen wurde jetzt systematisch die Entwässerung des Moores vorgenommen. Über offene Vorfluter, drainierte Sammler und Sauger wurde das Wasser abgeleitet. Sämtliche Gräben wurden von Menschenhand ausgehoben. Für den Feldbahnbetrieb wurden nun Benzollokomotiven angeschafft. Es begann der Wegebau im Moor, und sämtliche neu angelegten Wege wurden mit Kies besandet. Man hat heute kaum noch eine Vorstellung davon, wieviel cbm Kies dafür benötigt wurden. Während die ersten Weiden mit der Hand mittels Motorhacken saatfertig gemacht worden waren, kamen später Großmaschinen zum Einsatz. Landbaumotoren, Moorwalzen und später auch Dampfpflüge wurden für die Moorkultivierung verwendet. Sämtliche Maschinen hatten Verbreiterungen an den Rädern von ca. 1 Meter. Des öfteren kamen Kommissionen aus Berlin vom Ministerium und von der Regierung in Schleswig, um die Betriebe und die Kultivierungsarbeiten zu besichtigen. Nicht zu jeder Jahreszeit waren die Wege mit Kutschwagen passierbar; es wurde deshalb in Eigenbau eigens für diesen Zweck ein sogenannter Salonwagen gebaut. Er enthielt 8 Sitzplätze und einen offenen Peron und wurde von einer Lokomotive gezogen. Eine Weide nach der anderen wurde fertig und auch auf den Mineralflächen ging das Stubbenroden und Pflügen unentwegt weiter. Das viele im Boden verbliebene Wurzelwerk und die vielen Steine erschwerten das Pflügen sehr, deshalb wurden rumänische Zugochsen angeschafft. Was die Pferde nicht schafften, mußten die Ochsen besorgen. Für Menschen und Zugvieh gab es keine massiven Unterkünfte; alles war in Baracken untergebracht. Die Zugochsen wurden dann allmählich ersetzt durch Traktoren und es wurden Weidetiere angeschafft. Die Weidetiere wurden im Frühjahr angekauft und nach dem Abtrieb im Herbst wieder verkauft. Heu für die Siedler brauchte auch nicht mehr gekauft werden, weil jetzt jeder seine eigenen Wiesen hatte. Anfangs war das Moor noch so weich und die Grasnarbe noch nicht dicht genug, so daß man das geworbene Heu mit sogenannten Heutragen bis zum besandeten Moorweg tragen mußte. Erst viel später konnte man die Wiesen mit Pferdefuhrwerken befahren. Wagen mit breiten Gummireifen gab es anfangs noch nicht. Die eisenbereiften Wagenräder mußten mit Verbreiterungen versehen werden. Selbst die Pferde konnten das Moor nur mit sogenannten Moorschuhen betreten. Es waren einfache, dem Huf angepaßte Bretter, welche als Verbreiterung unter die Hufe geschnallt wurden. Weil die Siedler mitsamt ihren Familien auf ihren Höfen mit Arbeit voll ausgelastet waren, mußten von der Administration immer mehr Landarbeiter herangezogen werden. Eine Schule mußte erstellt werden und wurde wie vieles andere in einer Baracke auf der Betriebsstelle II untergebracht.

Im Jahre 1924 wurde in einem Waldstück, welches vom Brand verschont geblieben war, eine neue massive Schule mit Lehrerdienstwohnung erbaut. Zur Schule gehörten je 1 ha Acker- und Weideland als Dienstland für den jeweiligen Lehrer, um ihm eine eigene Viehhaltung zu ermöglichen. Die ersten Lehrer blieben jedoch nur kurze Zeit, weil ihnen die Naturverbundenheit fehlte. Der dritte Lehrer sah in seinem Beruf nicht nur eine dankbare Aufgabe, sondern war außerdem passierter Jäger und Heger, er hat die Schule über 40 Jahre bis zu seiner Pensionierung geleitet. Das Dienstland hat er allerdings nie selber genutzt, sondern immer in Pacht gegeben. Der Schule wurden außerdem noch 10 ha Wald zur Nutzung und eine Moorfläche zur Torfgewinnung beigegeben. Weil ursprünglich geplant war, die gesamten Flächen aufzusiedeln, wurde auch daran gedacht, einen eigenen Friedhof anzulegen. In der Nähe der Schule wurde dafür eine Fläche ausgewiesen. Diesen Plan ließ man wieder fallen. Später hat man beschlossen, ein Restgut in der Größe von reichlich 600 ha in eigener Bewirtschaftung der Preußischen Domänenverwaltung bestehen zu lassen. Nach und nach entstanden bis 1924 zwischen der Betriebstelle Lager II und der Kieler Straße 11 und bei der Betriebsstelle III 16 Rentengüter.

1921 kam noch eine weitere Siedlungsgenossenschaft dazu, und zwar „Die neue Heimat“. Aus ihr gingen allerdings nur zwei Betriebe hervor, die an dem Weg nach Lentföhrden liegen, aber noch unweit der Betriebsstelle Lager II. Die beiden Gebäude wurden im Eigenbau unter Leitung eines Baumeisters von der Administration erstellt. Für die Außenwände wurden aus Schlacke und Zement in besonderen Formen Winkelplatten hergestellt. Die Platten wurden so aufeinander gemauert, daß Hohlräume entstanden, welche mit Schlacke ausgefüllt wurden. Die ganze Bauweise ähnelt der heutigen Bauweise mit Hohlblockziegeln. Für die Zwischenwände wurden Zementsteine verwendet, welche auch im eigenen Betrieb hergestellt wurden. Eine Maschine mit 10 Formen, die man mit der Hand bedienen mußte, stand dafür zur Verfügung. Ebenso wurden auch die Dachziegel in einer Form mit der Hand gestrichen An demselben Weg wurden dann noch mit Unterstützung des Kulturamtes 5 Sogenannte Heimstättensiedlungen gebaut. Diese entsprechen den heutigen Nebenerwerbssiedlungen. Jeder Heimstättensiedlung wurde eine kleine Fläche Ackerland und ein sich anschließendes Stück unkultiviertes Moor beigelegt. Das Moor wurde den Siedlern zwecks Kultivierung später wieder enteignet mit der Einräumung des Rückkaufrechtes nach vollzogener Kultivierung. Einige Siedler haben von diesem Recht auch Gebrauch gemacht. Inzwischen hatte sich eine gewaltige Strukturwandlung sowohl was die Flora wie auch die Fauna betrifft, vollzogen. Was früher Wald war mit viel Hochwild, war Ackerland geworden, und das Niederwild breitete sich mehr und mehr aus. Regenpfeifer und sonstige Schnepfenarten, welche vorher in Scharen das Moor besiedelten, sind fast ausgestorben.

Bis 1927 hatte man noch nicht an einen Straßenbau gedacht. Es war oftmals so, daß sich die Bauern, wenn sie mit ihren Gespannen in der Dunkelheit nach Hause kamen, auf den Orientierungssinn ihrer Pferde verlassen mußten. 1927 wurde dann die erste Teilstrecke, ca. 500m, vom Ortsausgang Lentföhrden bis zum Lager I von der Administration als feste Straße ausgebaut. Die Beschaffung des Materials machte keine Schwierigkeiten, da alljährlich genügend Steine auf den Ackerflächen gesammelt wurden. 1928/29 wurde dann auch endlich aus Mitteln der produktiven Erwerbslosen- Fürsorge die Straße zur Betriebs stelle II in einer Länge von 6 km ausgebaut. Auch hierfür lieferte die Administration das Material. Die Arbeitskräfte waren ausschließlich Arbeitslose die zum größten Teil aus Neumünster kamen. Ein schwerer Stein fiel allen Betroffenen vom Herzen, war doch der Weg, der unmittelbar vor den beiden Höfen der neuen Heimat durch ein kleines Wäldchen verlief, inzwischen so grundlos geworden, daß man zu einer Notmaßnahme greifen mußte. In der Mitte des Weges wurde in einer Länge von etwa 200 Metern ein breiter Graben 2 Meter tief ausgehoben, dieser mit Fichtenstubben gefüllt und wieder mit Erde abgedeckt. Auf diese Weise hatte man eine Drainage geschaffen, die sich bis zum Bau einer festen Straße bestens bewährt hat.

1932 wurde der Rest des noch im Besitz der Administration befindlichen teils des Lagers III in drei Siedlungsstellen aufgeteilt. Diese Siedlungen waren 50 ha groß, und jeder Siedlung wurde eins der vorhandenen Gebäude im Niedersachsenstil zugeteilt. Die Kreis- und Gemarkungsgrenzen in dem Siedlungsgebiet waren so ineinander verzahnt, daß es schwer war, dazwischen durchzufinden. Die Gemarkungen von Lentföhrden, Nützen, Kaltenkirchen, Langeln, Heede, Lutzhorn, Mönkloh, Weddelbrook usw. reichten in dieses Gebiet hinein. Die Kreise Segeberg, Pinneberg und Breitenburg stießen im Siedlungsgebiet Lager III aneinander. Der Berührungspunkt der drei Kreise deckt sich ungefähr mit dem der Herrschaft Breitenburg, der Grafschaft Rantzau und des Amtes Segeberg um 1837. Ein Granitstein mit der Jahreszahl und eingehauenen Buchstaben kennzeichneten noch diese Stelle unmittelbar am Gutshof. Der Gutshof und eine in der Nähe liegende Siedlung hatten schon sehr früh den Charakter einer selbständigen Gemeinde und nannten sich Restgut Rantzau und gehörten zum Kreis Pinneberg. Es war ein Kuriosum, daß die Bewohner des Gutshofes täglich in den Kreis Segeberg mußten, um ihre Gärten zu bestellen und ihre Hühner zu füttern. Zwischen dem Hofgrundstück und den Gärten und den Stallungen der Bediensteten verlief die Grenze zwischen den Kreisen Pinneberg und Segeberg. 1933 wurde das Lager I aufgelöst. Zwei der im Niedersachsenstil erbauten Häuser mit je ca. 25 ha Weideland wurden an zwei Bauernsöhne aus Lentföhrden abgegeben. Zur Vervollständigung der Siedlungen mußten die Väter von ihren Höfen das Ackerland dazugeben. 1935 -36 baute der Reichsarbeitsdienst im Zuge der Wegebaumaßnahmen die Straße von der Betriebsstelle Lager II über Lager III bis nach Weddelbrook. Damit hat der Reichsarbeitsdienst sich ein Denkmal gesetzt. Zur Erinnerung an diese Maßnahme steht auf halbem Wege nach Weddelbrook ein Stein von einem Arbeitsdienstler behauen mit der Inschrift „Düs Stroot hebt wie mookt Reichsarbeitsdienst 1935-36“. Ein Jahr zuvor hat schon der freiwillige Arbeitsdienst einen Vorfluter südlich des Grootmoores in einer Länge von 3 km vertieft, verbreitert, und wo es nötig war die Ufer desselben befestigt. Auch aus Mitteln der produktiven Arbeitslosenfürsorge wurde als letzte Straßenbaumaßnahme nun auch noch die Straße von der Betriebsstelle Lager II bis nach Heidkaten – Langeln durchgeführt. Ungefähr alle Siedler wohnten jetzt im gesamten Siedlungsgebiet an einer festen Straße. Man hatte also im wahrsten Sinne des Wortes, was die Erschließungsmaßnahmen betrifft, das Pferd am Schwänze aufgezäumt.

Wenn auch die Kultivierungsarbeiten im großen und ganzen abgeschlossen und die Verkehrs Verhältnisse in Ordnung waren, so blieb doch noch viel zu tun übrig. Es befand sich im Mineralboden ein Ortsteinhorizont in schwankender Tiefe und unterschiedlicher Mächtigkeit, welche stellenweise über die Zwei- Meter-Grenze geht. Mit Dampfpflügen hat man versucht, den Ortstein zu brechen. Dieses gelang aber nur auf Flächen, deren Ortsteinschicht nicht über eine Tiefe von 70 cm hinausging, so daß heute noch Flächen von 0,25-3 ha vorhanden sind, deren Ortsteinhorizont nicht zerstört ist. Diese Flächen sind gegen Nässe, wie auch gegen Trockenheit sehr empfindlich, so daß Witterungsschwankungen die Ertragssicherheit ausschlaggebend beeinflussen. 1935 wurde die Mooradministration Lager II an die Bundesversuchs- und Forschungsanstalt für Milchwirtschaft in Kiel als Versuchsgut überlassen. Dem Institut für Milcherzeugung stand der gesamte Viehbestand für Versuchszwecke zur Verfügung. Es handelte sich um 80 Milchkühe, entsprechendes Jungvieh und ca. 400 Schweine. Es waren inzwischen auf der Administration massive Viehställe, ein Verwaltungsgebäude und mehrere Landarbeiterwohnungen erbaut worden. Dem Institut für Futterbau wurden für dauernde Versuchszwecke 15 ha Mineralfläche und 3 Ha Moorweiden zur Verfügung gestellt. Die übrigen Flächen wurden weiterhin intensiv bewirtschaftet.

Bis 1936 bildeten die Siedlungen und die staatliche Mooradministration den Gutsbezirk Rantzau. Da eine eigene Gemeinde nicht lebensfähig erschien, wurde durch Verfügung des Regierungspräsidenten der Gutsbezirk Rantzau aufgelöst und die Siedlung in drei Teile geteilt und diese den Gemeinden Weddelbrook, Nützen und Lentföhrden angegliedert. Es wurde ein neuer Schulverband gegründet. Der Gesamtschulverband kam durch Austausch mit der Mooradministration in den Besitz von 100 ha Ländereien (Wald, Ackerland, Moor und Heide). Das Ackerland entstammte einer abgebrannten und einer aufgegebenen Siedlung. Es wurde den anliegenden Siedlern verpachtet. Die Siedler erhielten vom Staat zinsverbilligte Kredite, um ihre Gebäude umzubauen und zu erweitern. Durch Fleiß und viel Mühe waren nun aus den Siedlungen gut fundierte Bauernhöfe geworden. Als eines der ersten Bundesländer verabschiedete der Schleswig-Holsteinische Landtag am 27.02.1951 die Gemeindeordnung für Schleswig-Holstein; sie ist – allerdings mit vielen in der Zwischenzeit erlassenen Änderungen – auch heute noch Grundlage unseres gemeindlichen Handelns.

Nach Gesetz der Landesregierung Schleswig-Holstein vom 10. Mai 1951, wird im Kreis Segeberg eine neue Gemeinde Heidmoor gebildet. Die Gemeinde umfaßt Flächen aus den Kreisen Segeberg und Pinneberg und zwar:
Den ehemaligen Restgutsbezirk Rantzau sowie Flächen der Gemeinden Heede und Lutzhorn im Kreise Pinneberg und Flächen der Gemeinden Weddelbrook, Lentföhrden, Nützen und Kaltenkirchen im Kreise Segeberg.

Aus Teilen der Gemeinde Weddelbrook gehörten nun 173 Einwohner, aus Nützen 117 Einwohner, aus Lentföhrden 73 Einwohner, sowie aus dem Kreis Pinneberg vom Gutsbezirk Rantzau 98 Einwohner zur Gemeinde Heidmoor.

Aus den drei Pinneberger Gemeinden Heede, Langeln und Lutzhorn wurden Heidmoor nur Flächen zugewiesen.In der Gemeindeordnung wird die kommunale Selbstverwaltung wie folgt definiert:

Die Gemeinden sind Gebietskörperschaften. Ihnen wird das Recht der freien Selbstverwaltung in den eigenen Angelegenheiten als eines der Grundrechte demokratischer Staatsgestaltung gewährleistet. Sie haben das Wohl ihrer Einwohnerinnen und Einwohner zu fordern. Sie sind berechtigt und im Rahmen ihrer Leistungsfähigkeit verpflichtet, in ihrem Gebiet alle öffentlichen Aufgaben in eigener Verantwortung zu erfüllen, soweit die Gesetze nicht ausdrücklich etwas anderes bestimmen. Entsprechend diesem Auftrag hat die Gemeinde im Zusammenwirken mit der Amtsverwaltung die anfallenden Aufgaben in den zurückliegenden 50 Jahren sehr zielstrebig und erfolgreich gelöst. Der neu gewählte Gemeinderat trat am Freitag, den 20. Juli 1951 um 17.15 Uhr zur ersten Gemeinderatssitzung der Gemeinde Heidmoor zusammen. Anwesend die Gemeindevertreter: Otto Arendt, August Vick, Max Timmermann, Max Decker, Edo Menken, Walter Seelbach, Karl Wittke, Karl Wurtz und Hans Hamann

Gäste: Landrat Dr. Alnor, Segeberg
Landrat Schinkel, Pinneberg
Oberinspektor Spancke, Pinneberg
Amtmann Steinweh, Weddelbrook

  1. Wahl des Vorsitzenden und seines Stellvertreters
  2. Verpflichtung des Vorsitzenden durch das älteste Mitglied
  3. Verpflichtung des Vertreters durch den Vorsitzenden
  4. Wahl des Ausschusses zur Vorprüfung der Einsprüche und des Wahlergebnisses von Amts wegen

5)Nach Eröffnung der Sitzung und Begrüßung des Gäste durch den Beauftragten der Gemeinde Heidmoor fand die Wahl des Vorsitzenden unter Leitung des ältesten Mitgliedes der Vertretung, dem Bauern Otto Arendt statt. Es wurde nur ein Vorschlag eingereicht und das Gemeinderatsmitglied Walter Seelbach einstimmig zum Vorsitzenden gewählt. Als sein Vertreter wurde ebenfalls einstimmig Otto Arendt gewählt.

Auf Anregung des Landrates Dr. Alnor wurde über die Amtszugehörigkeit der Gemeinde abgestimmt, diese ergab 7 Stimmen für das Amt Bad Bramstedt – Land bei zwei Stimmenthaltungen. Damit war der Anschluß vollzogen, da der Kreistag in seiner letzten Sitzung beschlossen hat, die Gemeinde Heidmoor dem Amt zuzuschlagen, welches bei der ersten Vertretersitzung die Stimmenmehrheit erhält. Ende der Sitzung: 19.00 Uhr

Dem offiziellen Teil schloß sich ein gemütlicher Teil an, welcher der Gemeindevertretung Gelegenheit gab, naheliegende Fragen mit dem Landrat zu besprechen. Es wurde beschlossen, auf der nächsten Gemeindevertetersitzung am Sonntag, den 22. 7. 1951 vormittags 10.00 Uhr auf den inzwischen vorhandenen Karten die Gemeindegrenzen festzuhalten und gegebenenfalls dem Kreistag Änderungen vorzuschlagen.

Unterschrift: Seelbach O. Arendt M. Decker

Hier nun stichwortartig einige wichtige Ereignisse in unserem Dorf:

1951 – wohnten in Heidmoor 461 Einwohner

– der Gesamtschulverband Hasseibusch hörte auf zu bestehen, die Schule ging an die Gemeinde Heidmoor über

– ein Kahlschlag an der Kreisstraße Lutzhorn-Weddelbrook wurde neu angepflanzt mit insgesamt 38000 Fichten, Kiefern u. Lärchen

– Lehrer Masanek erhält zweiten Wohnraum in der Schule

1953 – Die Freiwillige Feuerwehr wird gegründet, Gustav Geng zum Wehrfuhrer gewählt

– Tragkraftspritzenhänger wird angeschafft

1954 – 12 Uniformen mit zugehörigen Ausrüstungsgegenständen werden angeschafft

1956 – Vertrag mit der Schleswag

– Wirtschaftswege werden ausgebaut

– Ausbau des Gemeindeweges Kaulitzki bis Menken

– Feuerwehrhaus mit Wohnhaus wird gebaut

– gegen den geplanten Bau des Flugplatzes Holstenfeld wird Protest eingelegt, es wird befurchtet, daß die junge Gemeinde von der Landkarte verschwindet

– Umbauarbeiten am Schulgebäude

– Heidmoorer Schulkinder besuchen ab 1. Dezember die Volksschule in Hitzhusen, das Busuntemehmen Stoijohann aus Kellinghusen übernimmt den Schülertransport

– Straßennamen werden vergeben

– Schulverbände Weddelbrook/Mönkloh und Hitzhusen/Heidmoor werden vereinigt

– Neugliederung der Volksschule: die Schulkinder im 1- 4. Schuljahr besuchen die Grundschule in Hitzhusen und das 5 – 6. Schuljahr besucht die Hauptschule in Bad Bramstedt

– Satzung über die Müllabfuhr in der Gemeinde wird beschlossen

– Bau von 3 Löschwasserbrunnen

– Ausweisung von Bauplätzen auf Gemeindeland für Einwohner in Heidmoor, die an Bauplätzen interessiert sind

– 20- Jahr- Feier mit Busfahrt zum Flugplatz Hamburg

– Bau einer zentralen Wasser- und Abwasserversorgung

– Bebauungsplan Nr. 1 wird aufgestellt

– Verkauf von Bauplätzen im Baugebiet Nr. 1 für 5,- DM pro qm

– Wegebau im Rahmen der Flurbereinigung, die Moorwege und der Heideweg werden als Spurbahn ausgebaut, der Moorweg und der Birkenweg und der Weg nach Lutzhorn werden mit einer neuen Schwarzdecke verstärkt

– Buswartehäuser werden bei Sieck, am Birkenweg und am Wieseneck aufgestellt

– Moorteiche werden an den neu gegründeten Angelverein verpachtet

– Anschaffung eines Funkgerätes für die Feuerwehr

– Provisorische Herrichtung eines Fußball – Spielfeldes

– Ausbau der Kreisstraße 48 – die Dorfstraße erhält einen Gehweg, der auch als Radweg genutzt werden darf

– Kinderspielplatz im Wieseneck wird in Eigenleistung erstellt und wird mit einer kleinen Feier offiziell eingeweiht

– Gründung des Heidmoorer Sportverein

– Kinderfest wird zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder in Heidmoor gefeiert

– Erweiterung der Wasser- und Abwasserleitung in der Dorfstraße und im Moorweg

– Ausbau der GIK 139 (Waldchaussee) und des Moorweges

– Bau eines 2. Bohrbrunnen für die Wasserversorgung

– Bau eines Umkleidegebäudes am Sportplatz im Moorweg

– Rheumaklinik Bad Bramstedt erhält Genehmigung zum Torfabbau

1986 – Der Heidmoorer Schüler Tjard Kusche wird im Wettbewerb „Jugend forscht“ im Fachbereich Geo- und Raumwissenschaft erster Landessieger und 2. Bundessieger

1987 – Heidmoor beteiligt sich an der Fahrbücherei, einmal im Monat ist die Fahrbücherei vor Ort

– Neues Feuerwehrfahrzeug LF 8 wird gekauft

1989 – Beitritt zur Forstbetriebsgemeinschaft

1990 – Beteiligung an der Kreissporthalle

– Aufstellung einer Innenbereichssatzung

– Der Spielplatz im Wieseneck bekommt neue Spielgeräte

– Beteiligung an der Herausgabe eines Bildbandes Kreis Segeberg

1994 – Neubau des Buswartehauses an der Dorfstraße / Ecke Wieseneck

– GIK 139 (Waldchaussee) wird neu asphaltiert

– Straße von Heidmoor nach Mönkloh erhält neue Teerdecke

1995 – Ein Grünordnungsplan zum B – Plan Nr. 2 (Wieseneck) wird aufgestellt

1996 – Beschlußfassung zur Sanierung der Klärteiche

– Konzessionsvertrag mit Hein Gas (Hamburger Gaswerke) wird abgeschlossen

– Erweiterung des B-Planes Wieseneck (10 Bauplätze)

1997 – Beschaffung von digitalen Funkmeldem für die Feuerwehr

1998 – Bau des Dorfgemeinschaftshauses

– auf dem Spielplatz im Wieseneck werden neue Spielgeräte aufgestellt

– Bau des Radweges an der GIK 139 (Waldchaussee)

– Abschluß eines Vertrages mit der Spieliothek-mobil e. V. Barmstedt

1999- Errichtung eines Buswartehäuschen im Birkenweg bei Huwaert

– 3 Feuerlöschbrunnen werden gebohrt

– Einweihung des Dorfgemeinschaftshauses

2000 – Genehmigung des Landschaftsplanes

– Erweiterung B-Plan Wieseneck ( 7 Bauplätze)

– Ausbau des Heideweges mit einer Teerdecke

Diese Liste gibt einen kleinen Überblick über die Entwicklung in der Gemeinde. Die Aufgaben, mit denen der Gemeinderat sich in der Vergangenheit befassen mußte, waren sehr vielfältig. Viele wichtige Entscheidungen mußten getroffen werden, nicht immer waren alle Einwohner mit diesen Beschlüssen einverstanden. Doch die Gemeindevertreter, allen voran der Bürgermeister, haben sich ihre Aufgabe sicher nicht leicht gemacht und wollten dabei immer „ das Beste “ für die Gemeinde erreichen. Man kann sehen, daß in Heidmoor die Zeit nicht stehengeblieben ist. Im Gegenteil, selbst nachdem Heidmoor als Folge der Flughafenplanung um die Hälfte der Einwohner kleiner wurde, haben die Heidmoorer, allen voran der Bürgermeister Edo Menken, sich nicht unterkriegen lassen und die stetige Weiterentwicklung des Dorfes tatkräftig vorangetrieben.

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