Ohne Eiszeit gäbe es uns hier nicht!

Ohne die Eiszeiten keine kimbrische Halbinsel, kein Jütland, kein Schleswig-Holstein, kein Lentföhrden. 

Skandinavisches Eis hat mehrfach unvorstellbare Mengen Gestein und Erdreich zu uns gebracht. Dieses Geschiebe verhinderte, daß die Halbinsel vom nacheiszeitlichen Meeresspiegelanstieg überflutet wurde.
Während der Abschmelzzeiten sammelten sich das Material auf der zusammensinkenden Oberfläche an. Es entstand eine Moränenlandschaft. In den Stillstandszeiten der Gletscher bewegte sich die äußerste Eisgrenze kaum. Dadurch kam es an einigen Stellen zu enormen Ablagerungen von Steinmaterial und Kies.
Das Ende der zweiten Glazialzeit (Haupt- oder Saaleeiszeit) war ausschlaggebend für die Prägung der Bodenstruktur unserer Heimat.
Die dritte Vereisung, die sogenannte Weichseleiszeit, endete vor 15.000 Jahren und hat Lentföhrden nicht erreicht. Sie überdeckte Ostholstein und den östlichen Teil des Kreises Segeberg. Lediglich die durch den Abschmelzungsvorgang entstandenen Wassermassen erreichten unser Gebiet und formten die vorhandenen Ablagerungen.
Dieses zeigt ganz deutlich das Urstromtal zwischen dem Waldburggelände und dem Nützer Weg, sowie die Niederung in unmittelbarer Nähe zwischen Nützen und Kampen beim Lurup.
Man sieht es diesen Tälern an, daß seinerzeit riesige Wassermengen durchströmten. Noch ausgeprägter ist das Bramautal mit den Entstehungsflüssen. Die gesamte landschaftliche Gliederung, seine Fruchtbarkeit und seine Besiedelung hängen mit der letzten Vereisung zusammen.

Das Eiszeitalter

Von der ersten Vereisung haben wir in Schleswig-Holstein wenig sichere Anzeichen. Selbst geringe Ablagerungen sind fragwürdig.
Infolge des sich günstig veränderten Klimas vollzog sich der Schmelzvorgang der Gletscher schneller als üblich. Der damit einsetzende allmähliche Rückgang des Eises nach Norden bewirkte eine Wiederbesiedlung zunächst mit Pflanzen und Tieren dann auch mit Menschen.
Unsere Gegend prägte damals eine baumlose Tundra. Den Boden bedeckten Flechten, Moose, Gräser, Polarweiden und Zwergbirken. Es lebten hier Rentiere, Wildpferde, Schneehasen, Kraniche und Stockenten.
Die Besiedlung Schleswig-Holsteins erfolgte spät, erste menschliche Spuren sind etwa 15.000 Jahre alt. Zum Vergleich: Der Neandertaler ist etwa 75.000 Jahre alt, der Heidelberg-Mensch etwa 500.000 Jahre. *3)
Die Rentierjäger waren Nomaden, die ähnlich lebten wie noch heute die Samen im Norden Skandinaviens. Sie benötigten die Rentierfelle für die Herstellung von Kleidung und Zeltdecken.
Nach und nach konnten sich Baumarten wie Kiefer und Birke ausbreiten und veränderten die Tundra in eine Waldlandschaft. Durch die Erweiterung des Waldbestandes verschwanden das Ren aus unserer Gegend. Hirsche, Elche und Braunbären breiteten sich nun aus und wurden bevorzugte Beute der einzelnen Jagdgruppen, die mit Pfeil und Bogen ausgerüstet waren. Pfeil- und Speerspitzen wurden aus Feuerstein gefertigt.
Es folgte der Übergang zur Sesshaftigkeit, Ackerbau und Viehzucht mussten nun betrieben werden.
Hier erwies sich die Gegend um Lentföhrden als nahezu ideal.
Das ausgeprägte Wiesental mit der Au. Der angrenzende Geestrücken mit Wald- und Heidebeständen und dazu ein Moorgelände in unmittelbarer Nähe. Anhand der gemachten Funde ist ersichtlich, daß die Lage der einzelnen Siedlungsplätze auf dem Geestrücken recht unregelmäßig verteilt war.
Soweit möglich, wurden alle bekannten Fundgegenstände aus der vorgeschichtlichen Zeit beschrieben und der jeweilige Fundort in einem Verzeichnis festgehalten.

Funde und Spuren in der Lentföhrdener Gemarkung

Grabhügel

Fundstelle 1:
Der Standort des abgebildeten Hügelgrabes befindet sich im Fichtenwald des Staatsforstes Rantzau (Königstannen). Durchmesser 34 mtr, Höhe 2,60 mtr.
Auf der Kuppe befindet sich eine alte Eingrabung von 3 x 4 Metern.
Am Umfang des Hügels verläuft eine ca. 1,50 mtr breite Delle. Man kann davon ausgehen, daß ehemals eine Steinpackung den Hügel umgeben hat. Der Grabhügel steht seit 1990 unter Denkmalschutz und ist bis heute ungeöffnet.
Für Vermessungszwecke wurde auf dem Tumulus ein trigonometrischer Punkt errichtet.

Bild aus dem Jahr 2004, Koordinaten: 555544 5970148 ETRS89/UTM 32N

Fundstelle 2:
Zwei Grabhügel nordwestlich an der Straße nach Weddelbrook. Beide wurden um 1925 zerstört.

Fundstelle 3:
Ein abgetragenes Hügelgrab im Flurbereich Lohn. Um 1900 wurde zunächst ein Teil des Hügels abgetragen.

Fundstelle 4:
Die Abbildung zeigt Hermann Rickert auf dem Pferderechen vor dem Hügelgrab. Der Hügel lag mitten auf einem Ackergrundstück (Kreinbarg). Die Erdmassen wurden in den Jahren nach 1930 abgefahren.Fundstelle 5:
In der Nähe der Straße nach Schmalfeld ist der ehemalige Standort dieser drei Grabhügel durch Unebenheiten noch zu erkennen. Vor Jahren wurde eine Eichenbepflanzung auf dem Gelände vorgenommen.

Fundstellen 6, 7, 8:
Drei große abgetragene Gräber.
Lage: In geringen Abständen ehemals an der Bundesstraße gelegen.

Fundstelle 9:
Zwei große Hügelgräber auf dem Tiebarg. Beim Bau der alten Meierei (1900) und der Schule (1903) wurden die Rundhügel abgefahren.

Fundstelle 10:
Dieser Grabhügel befand sich in der Nähe des Mönkloher Weges. Unbekannt ist der Zeitpunkt der Einebnung.

Fundstellen 11, 12:
Auf dem Gelände zwischen Schulstraße und Up´n Ackern standen seinerzeit zwei große Grabhügel.

Fundstellen 13, 14, 15, 16:
Hier handelt es sich um vier Tumuli an der Schulstraße in Richtung Heidmoor. Ein Hügel wurde bereits um 1900 abgetragen. Die Einebnung von zwei weiteren Hügeln erfolgte um 1914. Der letzte im Bereich des heutigen Sportplatzes verschwand 1917.

Fundstelle 17:
Ein Tumulus ab am westlichen Ortsausgang von Lentföhrden an der Heidmoorstraße. Beim Bau eines Gebäudes 1920 wurde die Grabanlage zerstört.

Fundstelle 18:
Der Standort eines großen Grabhügels befand sich am südlichen Ortsausgang in der Nähe der Schaapsbrüg. Die Abtragung erfolgte nach 1935.

Urnenfunde und Brandstellen

Fundstelle 19:
Zwei Urnen in ca. 80 cm Tiefe an der Straße nach Weddelbrook.
Gustav Pohlmann fand sie um 1935 beim Kiesabfahren. Verbleib: Schule in Lentföhrden.

Fundstelle 20:
Vier Urnen wurden beim Abschieben von Mutterboden auf dem Gelände des Bauern Wilhelm Böge (Saaren) zerstört. Mitteilung durch Heinrich Lott im Jahre 1959.
Unmittelbar in der Nähe der Fundstelle befanden sich 6 – 7 Brandstellen.

Fundstelle 21:
Tonscherben und an einigen Stellen stark verbrannte Feldsteine. Wurden nordöstlich an der Schmalfelder Straße gefunden.

Fundstelle 22:
Eine aus Feldsteinen bestehende Brandstelle (3 x 4 mtr) und Tonscherben wurden 1965 in der Nähe der Krumbeksbrücke gefunden.

Fundstelle 23:
Einige Brandgruben wurden 1923 und 1938 an der Schulstraße entdeckt.  In ca. 1 mtr Tiefe dieser Gruben fand man Holzkohlereste.

Fundstelle 24:
Drei Feuerstellen von 1,20 mtr Durchmesser und 2,50 mtr Abstand östlich der Ohlau im sandigen Boden. Faustgroße Steine formten die Feuerstellen.

Fundstelle 25:
Zwei Herdgruben nördlich in Richtung Bissenmoor. Einige Flintabschläge lagen in unmittelbarer Nähe.

Fundstelle 26:
1960 wurden beim Abräumen von Mutterboden etwa 20 Feuerstellen von 1 Meter Durchmesser und 0,50 mtr Tiefe entdeckt. Bestandteile: Verbrannte Steine, Holzkohle und Asche. Lage: Kiesgrubengelände von Ernst Möckelmann.

Mittelsteinzeitfunde

Fundstelle 27:
Die Fundstelle einer 10 cm langen Flintspitze ist unbekannt.
Zeitraum des Fundes: Vor 1900.
Verbleib: Archäologisches Landesmuseum.
Die Flintsteinspitze könnte auch der Jungsteinzeit zugeordnet werden.

Fundstelle 28:
Ein Flintdolch von 11 cm Länge wurde 1972 von Rolf Schröder auf einer Koppel in der Nähe des Süderweges gefunden.
Verbleib: Familie Schröder.

Fundstelle 29:
Am Südhang des Wodansberges wurde 1965 eine Flintbeilhälfte gefunden.

Fundstelle 30:
Der Fundort, an dem zwei Findbeile lagen, befindet sich in der Nähe der Straße nach Heidmoor. Rudolf Böge entdeckte beide Teile 1940. Verbleib: Schule in Lentföhrden.

Fundstelle 31:
Nahe des Hauses Christoph Schröder wurden einige Flintabschläge und ein Rundschaber gefunden.

Jungsteinzeitfunde

Fundstelle 32:
Um 1920 fanden Landarbeiter beim Steineroden auf dem Grützberg (Kreuzbarg) ein Steinbeildepot. Sie lagen unter einer länglichen Steinanordnung an der Ackeroberfläche.
Verbleib: Unbekannt

Fundstelle 33:
1926 wurden beim Stubbenroden auf dem Waldburggelände ein Steinbeil und eine Steinaxt entdeckt.
Verbleib: Ludwig-Meyer-Schule in Uetersen.

Fundstelle 34:
Heinrich Reusch fand 1928 ein Steinbeil. Es war mit einer Bohrung versehen und an der einen Seite des Schaftes beschädigt. Fundort unbekannt. Verbleib: Archäologisches Landesmuseum.

Fundstelle 35:
Etwa 1955 fand Hugo Beckmann sen. eine doppelschneidige Steinaxt auf seinem Ackerland an der Weddelbrooker Straße. Die Axt ist mit einer Bohrung versehen.
Es könnte sich um ein Statussymbol oder einen Kultgegenstand gehandelt haben.
Verbleib: Unbekannt.
Bronzezeitfunde

Fundstelle 36:
Ein Absatzbeil aus Bronze (ca. 10 cm lang) wurde vor 1900 gefunden.
Der Fundort ist nicht bekannt.
Verbleib: Archäologisches Landesmuseum

Fundstelle 37:
Eine Lanzenspitze aus Bronze wurde 1911 bei Regulierungsarbeiten der Au gefunden.
Fundort: Nähe der Krumbeksbrücke.
Verbleib: Archäologisches Landesmuseum

Einen sehr interessanten bronzezeitlichen Depotfund machte 1900 der Steinschläger Girau in der Nähe des Feldweges nach Nützen. Es handelte sich hier um etwa 50 guterhaltene Schmuckstücke, die dem Museum Vorgeschichtlicher Altertümer in Kiel übergeben wurden.
Die Bestandteile der seinerzeit verwandten Bronze sind Kupfer und Zinn. Angemessen für die Herstellung von Werkzeug, Waffen und Schmuck ist ein Kupferanteil von 90% und ein Zinnanteil von 10%.
Kupfer wurde in alter Zeit auf deutschem Gebiet nur sehr wenig, Zinn gar nicht gewonnen. Ein natürliches Vorkommen gab es auf Helgoland. Ansonsten war man auf frühe Handelsbeziehungen zu den südlichen Ländern angewiesen. Einige Funde in den Grabanlagen Schleswig-Holsteins und den südlichen Ländern weisen auf einen regen Tauschhandel hin, der bis zur Ägäis reichte. Herstellungstechnik und besondere Formgebung bei einigen der Bronzegeräte sind eindeutig dem Mittelmeerraum zuzuordnen. Dort verwendete man häufig Bernsteinschmuck als Grabbeigaben.
Auf jeden Fall dürfen wir Bronzegegenstände als Luxusartikel betrachten.
Schröder und Biernatzki berichten in ihrer Topographie, daß 1901 in einem Grabhügel in Lentföhrden ein Spieß und ein Metallpfeil gefunden wurden. Standort des Hügels und Verbleib der Teile sind nicht überliefert. Unbekannt ist auch der Fundort des im Archäologischen Landesmuseum aufbewahrten Absatzbeiles (Fund Nr. 36). Vermutlich ist es beim Abtragen eines Hügelgrabes gefunden wurde.

Im Lentföhrdener Flurbereich standen ursprünglich einmal über 20 Hünengräber.
Von den nachgewiesenen Grabhügeln ist nur ein einziger erhalten geblieben (Fundstelle 1). Er befindet sich im südlichen Teil des Staatsforstes Rantzau.
Dessen ursprüngliche Form ist in dieser Schnittzeichnung dargestellt:
Die meisten Steinpackungen am Umfang der Hügel wurden 1832 beim Bau der Altona-Kieler-Chaussee entfernt. Beim Brückenbau und bei der Herstellung von Begrenzungen wurde viel Steinmaterial benötigt. Das hatte zur Folge, daß wichtige Bestandteile einiger Hügel zerstört wurden. Erst viel später begann man mit dem Abtransport der Erdmassen.
Ein großer Findling, der wahrscheinlich anfangs als Abdeckung einer Grabkammer benutzt wurde, trägt heute am Denkmal die Gedenktafel der Gefallenen der Weltkriege. Seine Fundstelle lag im Flurbereich Lohn.

Eisenzeitfunde

Lange bevor sich in Schleswig-Holstein die Eisenverhüttung durchsetzte, war die Technik bereits im süddeutschen Raum voll entwickelt. Man kann davon ausgehen, daß durch Zuwanderung die Kenntnisse des Herstellungs-prozesses in den norddeutschen Raum gelangte.
Kleine Schmelzöfen (Rennfeueröfen) wurden zur Verhüttung von Raseneisenerz eingesetzt. Es fand sich sehr oberflächennah als bräunlich schwarzes Material an einigen sumpfigen Stellen. Das waren Verbindungen der Eisenanteile im Wasser mit Sauerstoff, die sich über einen längeren Zeitraum dort abgelagert hatten. Die zur Verhüttung nötige Holzkohle wurde aus vorhandenen Holzbeständen gewonnen.
In Lentföhrden hat sich kaum Material angefunden, das einen Einblick in den Verhältnissen zur Eisenzeit geben könnte.
Es wurden lediglich an einigen Stellen Eisenschlackenreste (z.B. in Wierenkamp, ebenso auf einer Koppel nahe des Süderweges) und Holzkohle gefunden.
Einige Funde wurden auf den Koppeln von Wilhelm Böge und Arthur Dwinger gemacht. Weitere Hinweise auf die eisenzeitliche Epoche im Lentföhrdener Gebiet ergeben sich aus den zahlreichen Urnenfunden.
Bei Kultivierungsarbeiten wurden 1896 auf einem Gelände des damaligen Bürgermeisters Mäckelmann einige Urnen gefunden, ebenfalls beim Kiesabbau in östlicher Richtung. Leider sind die genauen Fundstellen nicht mehr bekannt.

Quellen:

*4) Chris Scarre: Weltatlas der Archäologie, Südwest Verlag 1990

  • Weiterhin verwendete Quelle:
    Johannes Paulsen: Schleswig-Holstein, ein Heimatbuch, Antäus-Verlag, 1949
  • Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern, Verlag Phillip von Zabern
  • Aufzeichnungen von Hans Mißfeldt
  • Aufzeichnungen von Uwe Looft
  • Aufzeichnungen von Norbert Kirstein
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