Großbrände

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Die Großbrände in und um Lentföhrden

 von Hans Mißfeldt

Den vorhandenen Quellen zur Geschichte der Großbrände und deren Brandursachen ist zu entnehmen, dass meistens von Fahrlässigkeit ausgegangen werden kann.
Es war im Juli 1893, als eine Artillerieeinheit aus Itzehoe in der Nähe von Lentföhrden ein Übungsschießen veranstaltete. Hierbei lagen das Moorgebiet und angrenzende Waldflächen im Übungsbereich.

Oft entstanden im Ziegebiet Flächenbrände, die dann von den anwesenden Soldaten schnell gelöscht werden konnten. Jedoch in der trockene Jahreszeit scheiterte manchmal der Löschvorgang und das Feuer geriet außer Kontrolle.
So war es auch im Sommer 1893, als ein Flächenbrand auf dem Lentföhrdener Moor ein Ausmaß erreichte, wie man es vorher noch nicht erlebt hatte. Das anwesende Militär war nicht in der Lage, das Feuer einzudämmen. Weitere Einheiten aus den Garnisonen in Rendsburg, Neumünster und Altona wurden nach Lentföhrden beordert. Insgesamt waren seinerzeit 2500 Soldaten über eine Woche mit der Bekämpfung des Feuers beschäftigt.
In den Tagen der Brandbekämpfung war die Bahnstation Wrist ein wichtiger Stützpunkt. Von hier aus wurden alle Einsätze der eintreffenden Pioniere und deren Versorgung koordiniert.

Eine Brandkatastrophe, die sich etwa 10 Jahre später in Lentföhrden ereignete, hat vom Unfang her soviel Spuren hinterlassen, dass immer noch darüber Gespräche geführt werden.
Das Feuer begann am 1. Juli 1903 gegen 13:00 Uhr beim Hufner Wartjenstedt. Vier Bauernhäuser mit Stallungen und einige Katenstellen, alle Gebäude strohgedeckt, standen im Bereich "In de Hörn" innerhalb kurzer Zeit in Flammen. Die eintreffenden Wehren hatten keine Chance, ein Feuer dieser Größenordnung zu bekämpfen, da die damalige Ausrüstung aus Handdruckspritzen bestand. Diese hatten maximal eine Leistung von 180 bis 200 Liter pro Minute.
Weil einige Hofbesitzer den Standort wechselten, veränderte sich das Ortsbild. Hinrich Wessel errichtete ein neues Wohn- und Wirtschaftsgebäude in der Nähe des Bahnhofs.
Wilhelm Böge baute dort wieder auf, wo vorher der Wesselhof stand. Auch Conrad Wartjenstedt zog es vor, den Standort zu wechseln. Der Wiederaufbau erfolgte etwas außerhalb des Dorfes (heute Süderweg).

Nicht aufgeklärt wurde die Entstehung des verheerenden Waldbrandes, der am 2. Juni 1911 begann. Eine Forstfläche von etwa 2500 ha Fichtenwald zwischen Lentföhrden und Lutzhorn fiel den Flammen zum Opfer. Die Wehren aus den umliegenden Ortschaften konnten nichts ausrichten.
Es wurden Pioniere aus Harburg angefordert, die die Löschmannschaften unterstützten. Nach Beendigung der Löscharbeiten begannen 20 Forstarbeiter mit der Durchforstung. Eine Firma aus Duisburg kaufte die verkohlten Stämme auf und verwendete sie zu Grubenholz. Der Abtransport von der Brandfläche erfolgte mit Hilfe eines dafür verlegten Feldbahngleises zum Lentföhrdener Bahnhof. Hier wurden die Stämme in brauchbare Längen zersägt und verladen. Das 1912 errichtete Feldbahngleis blieb erhalten und bildete die Voraussetzung für den Transport der Baustoffe, die für die Erstellung der Gebäude zu den Lagereinheiten I - III benötigt wurden.

Große Waldbestände des Forstbezirkes Hasselbusch sowie angrenzende Moor- und Heideflächen fielen 1917 einem Flächenbrand zum Opfer. Das Feuer entstand Ende Juni und breitete sich sehr schnell aus. Die Löscharbeiten dauerten etwa drei Wochen. Auch diesmal war die Firma. Paßmann aus Duisburg für die Durchforstungsarbeiten zuständig. Aus den umliegenden Lagern wurden Kriegsgefangene für die Arbeiten eingesetzt.

Durch Blitzschlag entstand 1924 wieder ein Feuer in Lentföhrden. In de Hörn war das Wirtschaftsgebäude des Bauern Wilhelm Böge betroffen, Die Dachkonstruktion fiel dem Feuer zum Opfer. Das Wohnhaus der Hofstelle blieb erhalten.
Der Wiederaufbau erfolgte umgehend. Es ist bekannt, dass die Firma Prien aus Hörnerkirchen den Auftrag erhielt, die Zimmererarbeiten durchzuführen. Weitere Schäden verursachte das Gewitter zwischen Nützen und Kampen. Das Wohnhaus und Wirtschaftsgebäude der Lurup- Gaststätte brannte vollständig nieder. Auch in Hitzhusen war die Hofstelle des Bauern Voß betroffen.

Den ersten Großeinsatz nach dem zweiten Weltkrieg führte die Lentföhrdener Feuerwehr am 22. Februar 1949 durch. Etwa um 8:30 Uhr kam es im Stall der Bäuerin Anne Mißfeld zum Ausbruch eines Feuers. Die hier lagernden Heu- und Strohvorräte bewirkten ein schnelles Ausbreiten des Feuers. Das gesamte Anwesen brannte bis auf die Grundmauern nieder. Der Wiederaufbau wurde überwiegend von Handwerkern aus Lentföhrden durchgeführt.

Am 20. März 1950 war das reetgedeckte Haus des Bauern Ernst Böge an der Kieler Straße betroffen. Ein defekter Schornstein hatte das Feuer ausgelöst. Die Feuerwehr war schnell am Brandort, konnte aber das alte Bauernhaus nicht mehr retten. Es wurde hier ein Gebäude vernichtet, in dem sich bis 1922 eine Landgaststätte befand. Danach erfolgte der Umbau zum Landwirtschaftlichen Betrieb.

Ein schweres Gewitter war am 9. Juli 1952 der Auslöser eines Brandes beim Landwirt Hermann Petersen. Innerhalb kurzer Zeit brannte das Wohn- und Wirtschaftsgebäude der ehemaligen Ratjen - Hofstelle (siehe Bild links) nieder. Vom Inventar konnte fast alles gerettet werden. Etliche Jahre war das Anwesen der Wohnsitz des bekannten Heilpraktikers Jakob Ratjen, der hier bis 1916 praktizierte.

Es war 1968 als die Fliegerbaracke am Mönkloher Weg eines Abends ein Opfer der Flammen wurde. Da seinerzeit beim Bau fast nur Holzbaustoffe Verwendung fanden, konnte sich das Feuer sehr schnell ausbreiten.
Etliche Familien fanden hier nach Kriegsende eine Unterkunft. Glücklicherweise war das Gebäude nicht mehr bewohnt. Eine ausführliche Beschreibung hierzu gibt es auch in dem bereits 2006 erschienenden Jahresheft zur Lentföhrdener Ortsgeschichte.

 

 

Explosionsartig begann das Feuer beim Bauern Walter Siems am 25.Juli 1968. Durch das Bersten der Eternitplatten wurden sehr viele Dorfbewohner aufgeschreckt. Im frisch gelagerten Heu hatte sich eine hohe Temperatur gebildet, die schließlich zur Selbstentzündung führte. Innerhalb kurzer Zeit wurde wieder ein altes Bauernhaus vernichtet. Etliche Jahre bewirtschaftete Hinrich Mäckelmann diesen Landwirtschaftsbetrieb. Von 1875 - 1911 war er Bauernvogt in Lentföhrden. Das Wohn - und Wirtschaftgebäude wurde am Mönkloher Weg wieder aufgebaut.

  

Die Brandruine des Hofes Walter Siems. (ehemals Fam. Mäckelmann u. Wulf). Der Hof wurde an dieser Stelle nicht wieder aufgebaut.