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DIE ENKLAVE WIERENKAMP - EINE INSEL SCHMALFELD IN LENTFÖHRDEN

von Ute Dwinger 1990

Der Name Wierenkamp bedeutet: Wieren = Weiher, nasses, sumpfiges Land, Kamp = eingezäuntes Feld

Wierenkamp war der Ansatz zu einer neuen Dorfgründung, kam aber infolge der ungünstigen Entwicklung nicht darüber hinaus.
Im Jahre 1629 siedelte sich Hans Hartmann aus dem im 3o-Jährigen Krieg zerstörten Schmalfeld, im Grenzgebiet zwischen Schmalfeld und Lentföhrden an. Es war die erste Familie da draußen im "Busch". Dieser Hof ist bis heute im Familienbesitz und trug bis 1925 den Namen Hartmann, bis der einzige Sohn Hinrich Hartmanns als Kind starb und seine Tochter Alma den Hof übernahm. Sie war verheiratet mit Walter Langmaack. Heute führt deren Sohn Dieter Langmaack den Hof. Die Hartmanns haben von Generation zu Generation die Wierenkamper Gegebenheiten weitererzählt, altes Ererbtes in Ehren aufgehoben. So auch alte Urkunden, die Rückschlüsse auf die vergangene Zeit geben. Aus ihrem Besitz kommt ein Teilungs-Vergleich aus dem Jahre 1784.
1784 war der Vierte - Hufner Hinrich Hartmann verstorben und hinterließ seine Witwe und sechs unmündige Kinder. Für die Kinder wurden gerichtlich Vormünder eingesetzt und der Hof taxiert.

Es wurde vereinbart: "Die Wittwe übernimmt die dem Erblasser zuständig gewesene Viertel-Hufe cum pert auf 21 Jahre vom Maytag 1784 angerechnet, bestthunlich jedoch haushalterich zu bewohnen, und nach abgelaufener Wohnjahre nach landüblicher Taxation an den jüngsten Sohn Hinrich und im Falle dieser mit dem Tod abgehen sollte an den Sohn Hans abzutreten. Alsdarin hat die Wittwe und deren künftiger Ehemann das bey dieser Viertel-Hufe gehörige Abschied zu gewärtigen....
Jeder der sechs Kinder erhält bey der Verheiratung zur Aussteuer."

             1 vollständiges Bett     oder 36 RM
            
1 Lade                          oder 12 RM
           
 1 Kühe                         oder 24 RM
           
 1 Ehrenkleid                oder 36 RM

              und einer erhebliche Summe Bargeld aus dem Besitz."

Verwunderlich ist, dass im Nachlass schon über den zukünftigen Mann der Witwe die Rede ist. Aber zu der Zeit war es für eine Frau unmöglich, einen Hof alleine weiterzuführen. Sie musste, um den Hof für die Kinder zu erhalten, wieder heiraten. Der neue Mann wurde dann als Setzwirt eingesetzt, bis der jüngste Sohn, (im Kirchspiel Kaltenkirchen gilt Jüngstenrecht) das Hoferbe antreten konnte.
1787 gedenkte die Witwe dann wieder zu heiraten und über diesen Tatbestand wurde eine neue Urkunde erstellt.
1787 : " Kund und zuwissen sey hiemet demnach der Hüfner Hinrich Hartinann zu Wierenkamp verstorben und dessen nachgelassene Wittwe Magdalena hie wiederuin zur anderen Ehe zu schreiten gesonnen, so ist dessen hinterlassenen 1/4tel Hufe cum pertinentus (Gebrauch) von den gewöhnlichen beeidigten Satzungs-Männern den Abschiedsmann Hans Fölster und den 1/4tel Hüfner Claus Mohr aus Kaltenkirchen mit Zuziehung des Käthners Jasper Siems und Hartwig Böge zu Wierenkamp am 5. July 1785 nach Kirchspielgebrauch taxiert worden, als

das Wohnhaus zu        400 RM
die Abschiedskathe          100 RM
4 Pferde a 24 RM      96 RM
zu 4 Pferden Zugzeug      4 RM
6 Kühe, welche den 6 Kindern zu Theil werden, entweder Kühe in Natura oder a Kuh 24 RM
1 Scheibenwagen    84 RM
1 Blockwagen         12 RM
1 Vorderstelle          3 RM
1 Grapem                8 RM
1 Bette                    18 RM
1 dito                      15 RM
..........“

und eine beträchtliche Summe Geld, die an verschiedene Leute ausgeliehen war. Genau festgelegt war auch das Altenteil:

„So das Wohnrecht in der Abschiedskathe
An Garten: 3 Bleeke im Großkohlgarten nebst kleinen Hoff an der Kathe,
An Feuerung und Streuung: muß Annehmer under jederzeitige Besitzer so viel Torf, Holtz und Busch wie auch Heide in und bey der Kathe belassen als Abtreter zum nötigen Gebrauch bedürftig sind.

... als auch den Abschiedsleuten Brodtkorn mithin und das Mehl von der Mühle zu nehmen, das Brodt in seinem Ofen mit zu backen und in Nothfalls den Prediger zu holen und wieder  wegzufahren, und zwar dieses alles ohnentgeltlich.“
Aus dem Arbeitsgerät wird ersichtlich, dass es sich um Heidebauern handelte, denn hinter ihrem Hof im „Busch“ erstreckte sich die weite Heide, der ideale Aufenthalt für Bienen und so war der Honig auch eine große Einnahmequelle. Buchweizen und Hafer gediehen gut und die Wildtiere waren eine Abwechslung auf dem Tisch. Noch bis in die 20er konnte man nachts bei Mondschein den Birkhühnern bei der Balz zu sehen.

Wer nun denkt, Wierenkamp liegt abgeschieden von der übrigen Welt, und Bewohner kriegten vom Zeitgeschehen nichts mit, der irrt. Außer Handelsleuten, die Honig und Eier, und auf dem Hof hergestellt Produkte kaufen wollten, kam um die Jahrhundertwende an den „Pannkoken“ Tagen die Stutenfrau aus Bramstedt und brachte alle Neuigkeiten hierher. Sie schnackte und vergaß Zeit und Stunde, und Hauptsache sie bekam Pfannkuchen ab. Einmal war sie schon zur Tür hinaus, da drehte sie noch mal um und sagte: “ Du, Greten, wat ick di noch seggen wull, min Hans hett sick ophungen“.
Ab 1706 lebte ein Claus Cladde auf dem Wierenkamp. Sein Haus soll auf der Kies- und Schweinekoppel von Erich Dwinger gestanden haben. Er war ein ausgezeichneter Schütze. Als während des Nordischen Krieges (1700-1713) sich drei umherirrende schwedische Soldaten hoch zu Pferd dem Wierenkamp näherten, lauerte er diesen auf und schoss einen ab. Die beiden flohen. Aus Rache kamen nachts mehrere Soldaten zurück und plünderten den Hartmann´schen Hof im Busch. Sie waren der Meinung, dass von diesem Hof aus geschossen wurde.
Diese Geschichte ist eine Überlieferung und im Protokoll über Kriegsschäden aus dem Jahre 1711-1713 aus dem Kirchspiel Kaltenkirchen steht zu lesen:

Schaden des Viertel-Hufners Hans Hartmann, Wierenkamp 55 Reichbanktheler, 36 Schillinge.

1750 verkaufte Claus Cladde den Hof an Johann Siems, dem Sohn des Bauernvogtes aus Lentföhrden. Timm Böge aus Sievershütten heiratete die Tochter von Siems und wurden dann Besitzer. Sie hatten vier Söhne. Einer von ihnen baute den Hof am Wierenkamper Weg auf  (jetzt Schlachter Thomsen). Ein Nachkomme von diesem Timm Böge baute sich ein herrliches Fachwerkhaus und ließ auf den Balken über der „Grootdeelendör“ einschnitzen: „Timm Böge- Anna Böge Aufgericht 14.Mai Anna 1850 - Wer Gott vertraut hat wohl gebaut, Im Himmel und auf Erden, Gottes Glück und Treu-alle moorgen neu.“
Doch seinem Sohn Hinrich, der den Hof 1881 übernahm, dem blieb das Glück nicht treu. Er hatte viel Pech. Er verlor seine Milchkühe durch eine Grasseuche und seine Frau war viel krank. Sie verkauften den Hof und zogen auf den Hof der Frau nach Hasenmoor.
1898 kauften Martin Dwinger und seine Frau aus Henstedt den Hof und vergrößerten ihn. 1934 wurde Arthur Dwinger Besitzer und seit 1965 ist Erwin Dwinger hier Bauer.

Um 1730 wollte ein Hartwig Boy (Böge) neu siedeln. Er war ein streitsüchtiger Mensch und die Lentföhrdener hatten ihn ausgewiesen und ihm Land an der Grenze zu Schmalfeld angeboten. Doch die Wierenkamper wollten ihn auch nicht bei sich wohnen haben. Als er mit dem Hausbau beginnen wollte, machten sie ihm Schwierigkeiten und bedrohten ihn, er hätte keine Erlaubnis zum Bauen. Er solle machen, dass er wieder wegkommt. Hartwig Boy schwang sich aufs Pferd, galoppierte los und kam nach etlichen Stunden  mit einem schäumenden Pferd und einem Stück Papier zurück und zeigte es ihnen, und er behauptete, das wäre die Erlaubnis zum Hausbau. Da waren die Wierenkamper baff, denn sie konnten ja nicht lesen.
Sein Sohn Dierk Boy baute sich eine Altenteilerkate genau auf die Grenze zwischen Schmalfeld und Lentföhrden (Akte: LAS 110.3. Nr.360 aus dem Jahre 1791). Als nun die Vorbereitungen zur Aufteilung der Feldgemeinschaft begannen, forderten die Lentföhrdener ihn auf, die Kate abzubrechen, weil sie auf zur Hälfte auf gemeinschaftlicher Lentföhrdener Gemarkung stand und ihm bei der Landaufteilung nicht berücksichtigen wollten. Dierk Boy stellte daraufhin bei der Königlichen Rentekammer in Kopenhagen den Antrag die Kate als „ Freykate“ zu erklären und wollte auch 2 Reichsbanktahler bezahlen. Daraufhin wurde der Kirchspielvogt Horn gebeten die Sache in Augenschein zu nehmen und wurde um eine Stellungnahme gebeten.: “Durch das Hinterlegen des doppelten Katengeldes ist es nicht unwahrscheinlich , daß der Käthner bei der Verdopplung auch doppelt so viel Land verlangen werde, zumal er bei der Abschiedskathe schon einige „Ruthen“ Land an der Gemeinschaft mit bebaut, welche an seine übrigen Ländereien grenzen. Das wäre gegenüber der Gemeinschaft ungerecht.“

Dierk Böge heiratete Wiebke Lamack. Am 23. Dezember 1797 wurde aus dieser Ehe Johann Hinrich Böge geboren. Die Kinder verkauften dann die Käthnerstelle an Thies Hartmann aus dem Busch, der viel Geld aus der Imkerei gemacht hatte. Sein Sohn Heinrich war schon sehr alt als er heiratete und seine junge Witwe führte lange Jahre alleine den Hof. Mariken Hartmann war eine resolute Frau, hatte sie etwas zu erledigen schwang sie sich aufs Pferd und ritt los. Der Sohn Hinrich war für die Schmalfelder als „Schwatt Hinerk“ ein Begriff. Brauchte einer Geld um sich eine Kuh zu kaufen, ging er zu ihm. Hatten sie ihr Anliegen vorgetragen, fragte er: “Weveel mußt denn hemm?“ Dann langte er aufs Schapp und holte eine Tüte, in der das Milchgeld war, runter.
Der Wohnplatz der Wierenkamper liegt in Lentföhrdener Gemarkung. Sie fühlten sich aber von je her mit Schmalfeld verbunden. Die Kinder gingen schon immer nach Schmalfeld zur Schule. Das geht aus der Abgabenliste an Roggen für den Schulmeister hervor. (LAS 110.3 Nr.406)
1744 lieferten der Halbhufner Hans Hartmann und der Käthner Claus Cladde je 2 2/29 Spint Roggen ab.
Nach der "Recapitulation" der Aufstellung der Eigentümer über Ländereien des Dorfes Schmalfeld aus dem Jahre 1795 beträgt die Summe der Ländereien in Schmalfeld 2437 Tonnen hinzu kommen "Ländereien so nach Lentföhrden gehörig" (Wierenkamp)

Hartwig Böy                   4 Tonnen 5 S
Hans Hartmann               5 Tonnen 2 S

Summa Schmalfeld insgesamt 2488 Tonnen

Jasper Gülck (mit Vermerk: letzter ist gemeine Wohnung zu Lentföhrden geführt.) 3 Tonnen 6 S

In 14 amtlichen Schriftstücken beginnend im Jahre 1851 bis 1879 geht es nun darum. Gehört die Enklave Wierenkamp zu Schmalfeld oder zu Lentföhrden. Nach Einführung der Landgemeindeordnung vom 22. September 1861 festgesetzt, dass Wierenkamp zu Schmalfeld gehört und die Gemeindeabgaben nach Schmalfeld zu zahlen sind. 1869 werden die Gemeindegrenzen festgesetzt. Einer Streitsache zwischen den Gemeinden Lentföhrden und Schmalfeld findet oft Erwähnung. In einer Verfügung vom 10. März 187x, welche auf Grund der Landgemeindeordnung vom 22. September 1867 (Bildung der Gemeindebezirke) erlassen wurde, wurde erklärt, daß die Enklave Wierenkamp zu der Gemeinde Schmalfeld gehöre. Hiergegen erhob die Gemeinde Lentföhrden, indem sie auf die Landverteilungsakte von 1793 hinwies, aus der hervorgeht, daß der Viertelhufner Hinrich Fölster und die beiden Käthner Jasper Siems und Dierk Böge, Wierenkamp, zu der Gemeinde Lentföhrden gehören, Einspruch. Dieser aber wurde abgelehnt. 

Am 26.Nov. 1899 richtet die Gemeinde Lentföhrden wieder eine Beschwerde an den Kreisausschuss des Kreises Segeberg in Sachen Umgehmeindung der Enklave Wierenkamp zu Lentföhrden. Mit Beschluss des Bezirksausschusses Schleswig von 27.Juli 1900 wird die Klage abgewiesen. Am 23. August 1901 klagt die Gemeinde Lentföhrden noch mal darum, dass die Wierenkamper Häusergruppe zu Lentföhrden und nicht zu Schmalfeld gehört. Auch diese Klage wird am 16. Mai 1902 vom Kreisausschuss abgewiesen. Im Laufe der Zeit wurden noch weitere Häuser auf dem Wierenkamp gebaut, andere auf Lentföhrdener. Einige stehen auf Schmalfelder andere auf Lentföhrdener Boden.

1970 wurde die Autobahn A 7 quer durch Wierenkamp gebaut. Immer wieder ging es in Gemeindevertreterversammlung in Schmalfeld und Lentföhrden, um Grenzbegradigungen und Umgemeindung.


Die Holzbrüchedingung                                                                                                                             Ute Dwinger

Dadurch, daß der dänische König den Hufnern und Käthnern immer mehr Rechte an den Kohlungen, dem Wald, nahm, kam es oft zu Auseinandersetzungen im 17.Jahrhundert. Die Eingesessenen pochten auf ihr altes Recht, daß das auf ihrer Feldmark gewachsene Holz - auch das Hartholz ihnen gehöre, während der König es für sich beanspruchte. Der König erließ deshalb am 1.September de anno 1680 eine Holz -Verordnung.
    Darin fordert der Artikel 34, daß Holzentwendungen der Holzbrüchedingung - einem Sondergericht - gemeldet werden sollten. (siehe LAS Abt.110 Nr 96 darin Nr.2)
Er setzte Forstbedienstete, nämlich Hegereiter, Oberförster und Holzvögte zur Beaufsichtung ein. Der Sitz des Holzvogtes in Schmalfeld war im Schmalfelder Wohld Bollweg Nr.4: (das herrliche Strohdachhaus in Elisenruh)
Auf dem Stein zur Hofeinfahrt kann man lesen: C7 Nr.16 = Christian VII Nr. 16.
    Trotzdem wurde weiter Holz entwendet, und die Frevler konnten nicht festgestellt werden, weil die Forstbediensteten selbst oft Bauernsöhne waren und ihre Verwandten nicht anzeigten. Außerdem war das Holz ja mit ihre Haupteinnahmequelle, und man brauchte das Holz dringend zum Hausbau, für Möbel und für die Aussteuer der Kinder. Oft überlisteten die Hufner und Käthner auch den Förster, so wie es von Wierenkamper z.B. erzählt wird.:
    Der Förster, der den Lentföhrdener Wohld zu beaufsichtigen hatte, wohnte in Winsen. Er hatte schreckliche Angst vor den Holzdieben und Wilderern. Deshalb schoß er, wenn er von Kaltenkirchen kommend in die Gemarkung Lentföhrden kam, mit dem Gewehr ein paar Mal in die Luft, um sie zu verscheuchen. Das war für die Wierenkamper das Signal, schnell ihre Äxte und Beile zu verstecken. Sie setzten sich dann in das Wohnhaus von Hartwig Böge (jetzt der Hof von Hans Hartmann, Wierenkamper Weg Nr. welches damals auch einen Schnapsausschank hatte, und droschen Karten. Die Buddeln mit Honigschnaps standen im Schnapsschapp. Dieses Schapp hatte in der oberen Hälfte in der Mitte ein Fenster, durch das man zur Diele einen Ausblick hatte. Kam der Förster nun und fragte: " Hebbt ji de Wilderer sehn?" War die Antwort: " Ne, hebbt wi nich!" "Gediegen, de mott vohl rüken, dat ik jüm sök." Die Wierenkamper schmunzelten sich eins und spielten weiter. Der Förster zog schnell wieder ab. War die Luft rein, setzten sie ihre Arbeit fort. Wurde ein Wilderer gefasst, musste er mit einer hohen Strafe rechnen. 1683 zahlte er dann für eine entwendete Buche 24 M, ein damals enorm hoher Betrag.
    Das  konnten vor allen Dingen die armen Käthner nicht bezahlen. Denn sie schlugen das Holz ja nicht aus Übermut, sonder sie gebrauchten es dringend für Haus und Hof.
    Eine große Buche oder Eiche zu fällen, war mit den Werkzeugen jene Zeit auch nicht an einem Tag erledigt. Mehrere Mann hat oft zwei, drei Tag damit zu tun, um den Baum zu fällen und abzutransportieren. So kam er schon vor, dass sie erwischt wurden, und dann mussten sie den Baum bezahlen oder dafür an einem oder mehreren Sonntagen an der Kirche in Kaltenkirchen am Pfahl stehen, an dem sie mit einem Halseisen angeschlossen waren. Zum Zeichen ihrer Vergehens hatten sie ein mäßiges Stück Holz in ihren Händen zu tragen. (LAS Abt. 110, AR 1702)

    Von den eingegangenen Strafgeldern bekamen der König und der Oberjägermeister je die Hälfte (LAS.110 Abt 110, 1691/1692) Konnte ein Holzfrevler nicht festgestellt werden, dann musste das ganze Dorf die Strafe aufbringen. Bei größeren Vergehen, bei Entwendung von z.B. drei Eichen, verhängte der Amtmann für die Armen die Strafe "an der Karre". Das bedeutete, dass für drei Monate an der Festung Rendsburg oder Glückstadt harte Arbeit leisten mussten, nämlich Karreschieben.


Das Ende einer kuriosen Insel                                                                                        VON ANNA MARIA PERSIEHL

Das Jahrhunderte altes Kuriosum wurde 1996 beendet: Die Enklave Wierenkamp wurde aus ihrer Insellage auf Lentföhrdener Gebiet befreit. Dazu müssten etwa 210 Hektar Lentföhrdener Grund und Boden umgemeindet werden. Bei diesem Vorhaben wurden aus fünfzehn Lentföhrdener Schmalfelder. Als Tauschobjekt boten die Schmalfelder ihren Nachbarn jenseits der Autobahn etwa 72 Hektar unbewohntes Land mit einem Autobahnrastplatz an.

Das Insulanerleben einiger Schmalfelder in der Enklave Wierenkamp, umgeben von Lentföhrdener Gebiet, geht auf die Folgen des 30jährigen Krieges zurück. Die Schmalfelder Chronistin Ute Dwinger berichtet von Hans Hartmann, der sich 1629 im Grenzgebiet zwischen Schmalfeld und Lentföhrden niedergelassen hatte, nachdem das eigentliche Dorf Schmalfeld in den Kriegswirren zerstört worden war. Wierenkamp sollte nach Angaben der Chronistin der Ansatz zu einer neuen Dorfgründung gewesen sein, sei aber aufgrund ungünstiger Entwicklung nicht darüber hinausgekommen.

Nach Frau Dwinger belegen Schriftstücke aus dem 19. Jahrhundert, daß es schon damals Irritationen um die Gemeindezugehörigkeit der "Insel" gegeben hatte. Seit 1869 liegen die derzeitigen Gemeindegrenzen fest. Schmalfeld hatte wiederholt - zuletzt um das Jahr l900 - Anspruch auf die Enklave angemeldet, doch ohne Erfolg. Es geht nicht nur um die eingeschlossenen Schmalfelder, sondern vor allem auch um Menschen, die um Wierenkamp herum leben und sich als Schmalfelder fühlen, aber per Gesetz zu Lentföhrden gehören. Deren Kinder besuchen die Schmalfelder Schule, sie selbst sind in Schmalfelder Vereinen organisiert.

Nach einem letzten Versuch, der 1983 unternommen wurde, wurde erst 1996 der verwirrende Zustand auf Antrag Schmalfelds beendet und die Autobahn A7 die eindeutige Grenze zwischen den beiden Gemeinden. Das Amt Kaltenkirchen - Land hatte die von einer eventuellen Grenzänderung betroffenen Lentföhrdener befragt. Bis auf einen Landwirt - die Grundsteuer in Lentföhrden war um 20 Prozent geringer als in der Nachbargemeinde - haben alle eine Umgemeindung befürwortet.

Als Ausgleich für die Gebietsänderung in Wierenkamp traten die Schmalfelder an die Lentföhrdener etwa 72 Hektar ab: zwei unbewohnte Areale westlich der Autobahn. Die Autobahntrasse wurde die natürliche Grenze der Nachbargemeinden Lentföhrden und Schmalfeld.

Quelle: SEGEBERGER ZEITUNG


Wald- und Gartenstadt Springhirsch                                                                    Gerhard Hoch ( aus: Zwölf wieder gefundene Jahre)

Ende 1937 begann der Amtsvorsteher ein bis Ende 1944 andauerndes, verdrussreiches Unternehmen: die amtliche Aufnahme aller Wochenendhäuser in der Wald- und Gartenstadt Springhirsch. Hierzu die Vorgeschichte: Dem Streben zahlreicher Hamburger Bürger nach einem Stückchen Land für ein Wochenendhaus, irgendwo in ruhiger Lage, kam während der zwanziger Jahre die damalige Besitzerin des Gutes Neu-Springhirsch, Alma Ebert, entgegen. Zu deren fangreichen Ländereien gehörten auch die Waldstücke südlich des Gutes an der Ostseite der Reichsstraße 4 und die auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegenden Jagen 158 und 159.

Das westliche Waldstück war um 1900 aus dem Grotmoor trockengelegt und um 1907 aufgeforstet worden. Die Aufforstung des östlichen Teiles war erst 1918 erfolgt.

Da das Land damals noch zur Gemeinde Kampen gehörte, mußte Frau Ebert zunächst die Zustimmung des dortigen Gemeinderates erwirken. Ein positiver Grundsatzbeschluß der Gemeinde erging 1926. Bis 1929 wurde das Land parzelliert. Der Parzellierungsplan weist 453 Grundstücke aus von etwa 800 bis 2000 qm Größe. Der umfangreiche Aufschließungsvertrag zwischen Frau Ebert und der Gemeinde Kampen datiert vom 14.10.1931. Er bestimmte auch im einzelnen die Verpflichtungen, die jeder Parzellenerwerber vertraglich zu übernehmen hatte. Die Ansiedlungsgenehmigung wurde jeweils vom Kreisausschuss erteilt. Die erste Baugenehmigung erhielt am 25.6.1930 Johann Korol. Ein zentrales Büro der Wald- und Gartenstadt Springhirsch befand sich in Hamburg, Glockengießerwall 6104.

So entstanden bescheidenste Wochenendhäuser neben ansehnlichen zweistöckigen Wohnhäusern. Bei weitem nicht alle Parzellen wurde bebaut. Aber schon nach wenigen Jahren schilderte die Kaltenkirchener Zeitung (22.5.1935) Eindrücke von dieser Kolonie:

„Gartenstadt Springhirsch ... Ein wundervoller Tannenwald, mit gepflegten Waldwegen, enthält eine Menge kleiner und größerer Wochenendhäuser. Im Dickicht der Tannen sind hierneben den Wochenendhäusern Gärten und Sportplätze angelegt. Neben dem Gesang der Vögel ertönt Radio- und Grammophonmusik. Liegestühle, Sonnenbäder, Kinderschaukeln mit lachenden Kindern, modern gekleidete Damen und Herren spazieren umher, und alle Bequemlichkeiten, die nur eine Gartenstadt zu bieten vermag, alles ist vorhanden, und Fahnen flattern über den Wipfeln der Tannen dahin. Wunderbarer Gedanke: Hier in diesem Idyll des Tannenwaldes Erholung zu suchen und die Stille zu erleben ..."

Gelegentlich gab es Konflikte mit den Behörden. Diese mußten einschreiten, wenn „wilde Siedler" sich niederzulassen versuchten oder wenn feste Wohnhäuser mit Schornsteinen entstanden, wo nur Wochenendhäuser genehmigt waren. Eine ganze Reihe von Siedlern wurde aufgefordert, ihre Häuschen abzureißen, weil sie nicht den baupolizeilichen Vorschriften entsprachen. Es war aber nicht leicht, die Bewohner auch tatsächlich zum Räumen ihrer Häuser zu zwingen. Ende 1937 wurde vom Amtsvorsteher mit der systematischen Aufnahme aller inzwischen errichteten Gebäude begonnen. Die Eigentümer wurden aufgefordert, die Baugenehmigung bzw. Genehmigung zur Errichtung einer Feuerstelle vorzulegen. Unterschiedslos alle Parzelleneigentümer wurden in recht scharfem Ton angeschrieben, auch solche, die nicht gebaut hatten und dies auch nicht beabsichtigten. So entstand unter den Siedlern große Verstimmung. Doch war die Behörde andererseits auch bereit, Baugenehmigungen nachträglich zu erteilen, wenn Anträge gestellt wurden.
 


Weddelbrook in früher Zeit                                                     aus der "Chronik von Weddelbrook" von Jürgen Schüchler

Die Gründung des Dorfes Weddelbrook liegt wie bei fast allen Orten im Dunkeln. Zeugnisse aus früheren Zeiten weisen darauf hin, dass schon vor über 2000 Jahren Menschen hier gesiedelt haben. Im Ortsteil Krücken wurden drei Steinbeile aus der Jungsteinzeit gefunden, die drei Grabhügel auf dem „Lohnkamp" stammen aus der Bronzezeit, und auf den Koppeln „Ob de Braak" und „Viehbüschen" entdeckte man Tonscherben aus der Eisenzeit.

Das Dorf liegt auf der Geest, die sich von Norden nach Süden durch ganz Schleswig­Holstein erstreckt. Dort, wo die Schmerzwasser der letzten Eiszeit die Geestlandschaft durchbrachen, bildeten sie am Rande Kliffs. Auf dem Sandboden nahe einer solchen Abbruchkante lagen die ersten Bauernhöfe. Das Kliff ist an dieser Stelle verhältnismäßig flach. Der Flitzenbek (heute. Mühlenbach) hatte hier formend mitgewirkt. Die Siedler fanden auf dem Sandboden einen guten Baugrund vor. Ihre Häuser lagen nördlich der heutigen Wrister Straße. Dort hatten sie auch ihre Kohlhöfe (Gärten) und zum Flitzenbek hin die Wischhöfe (Wiesen). Auf den höher gelegenen Grundmoränen der vorletzten Eiszeit befanden sich die Äcker. Diese Kämpe wurden gemeinsam angelegt und in Flurzwang bewirtschaftet.) Der Boden war nicht besonders fruchtbar, aber dafür verhältnismäßig leicht zu bearbeiten.

Die Lage des kleinen Dorfes am Rande der Niederung wird auch im Ortsnamen wiedergegeben. Er weist auf eine Besiedlung in altsächsischer Zeit hin. „Weddel" bedeutet waten und „Brook" bezeichnet einen Bruch, also ein sumpfiges Niederungsgebiet. Der Bruch war das heutige Wiesen- und Weideland nördlich des Ortes. Irgendwo konnte man früher diesen Bruch durchwaten, wahrscheinlich wird dieser Weg mit der jetzigen Straße nach Hitzhusen übereinstimmen.

Weddelbrook hat über die Jahrhunderte zum Kirchspiel Kaltenkirchen (Entfernung. 12 km) und nicht zum Kirchspiel Bramstedt (Entfernung: 4 km) gehört. Die Gründe hierfür sind unbekannt. Möglicherweise waren die Bramau-, Hudau- und Ohlauniederungen nur zu Fuß passierbar. Dafür spricht, daß das Flurstück zwischen der heutigen Südweststadt Bad Bramstedts und Bissenmoor seit Jahrhunderten „Im Weddelbrook" heißt. So konnte man früher auch hier die Bruchlandschaft nur durchwaten, um von Weddelbrook nach Bramstedt zu gelangen.

Der alte Heerweg von Norden nach Süden verlief zwischen Bramstedt und Kaltenkirchen zunächst östlich der Ohlau. Auch der alte Ochsenweg führte von Bramstedt aus nicht über Weddelbrook, sondern über Nützen, Barmstedt nach Wedel. Wenn aber die Verbindung von Weddelbrook nach Bramstedt über Lentföhrden und Nützen führen sollte, dann lag Kaltenkirchen näher". Ein Damm (Weddelbrooker Damm) hat erst später (1633) die kürzere Verbindung von Weddelbrook nach Bramstedt gebracht.

1322 wird das Dorf Weddelbrook das erste Mal in einer Urkunde erwähnt. Gerhard III., Graf von Holstein, konnte seine Schulden, die er beim Kloster Itzehoe hatte, nicht zurückzahlen. Dafür erhielt das Kloster seine Einnahmen u. a. aus dem Dorf Weddelbrook, sie betrugen jährlich 1 Mark. Das ist nicht viel. Wir können davon ausgehen, dass Weddelbrook ein recht kleines Dorf gewesen ist.

Die Urkunde ist - wie es damals üblich war - in Latein abgefasst worden. Am Ende der vierten und am Anfang der fünften Zeile finden wir den Ortsnamen: „... in villa nostra Weddebroke..." (... in unserem Dorfe Weddelbrook ... ). An der Urkunde hängt ein Siegel des Grafen von Holstein und zeigt das Nesselblatt.


Grenzstreitigkeiten zwischen Lentföhrden und Weddelbrook

aus der "Chronik von Weddelbrook" von Jürgen Schüchler

Bevor es zu einer endgültigen Grenzziehung 1776 kam, hatte es über mehr als fünfzig Jahre Streitigkeiten gegeben. Zu einer tätlichen Auseinandersetzung zwischen den Lentfohrdenern  und den Weddelbrookern kam es am 6. März 1760. Die Lentföhrdener beschwerten sich daraufhin beim Amtmann des Amtes Segeberg, Herrn von Arnold. Dieser wohnte in Bramstedt. Er fordert den Gutsherrn Holst auf, sich zu den Vorwürfen gegen seine Weddelbrooker Untertanen zu äußern. Der Gutsherr Holst erhielt von seinen Bauern aus Weddelbrook eine sehr ausführliche und lebendig verfasste Gegendarstellung zur Lentföhrdener Anklage). Hans Böye und Hans Krohn schrieben für sich und alle Weddelbrooker am 20. März 1760, hier eine Zusammenfassung:

Dort, wo die Grenzen von Mönkloh, Lentföhrden und Weddelbrook zusammenstießen, lag früher ein länglicher Scheidestein. Er trug auf der Weddelbrooker und Mönkloher Seite zwei Kreuze ++ und auf der Lentföhrdener Seite ein Kreuz +. 1724 entfernten die Lentföhrdener heimlich diesen Grenzstein. Sie gruben mehrere Löcher, damit niemand wusste, wo der Stein gelegen hatte. Mit Hilfe der Regierungskanzlei in Glückstadt gelang es, den Stein wieder an seine alte Stelle zurückzubringen.

1737 versetzten die Lentföhrdener den Scheidestein erneut. Sie versuchten, die ganze Heide bis an das Weddelbrooker Ackerland in Besitz zu nehmen. Die Weddelbrooker verhinderten dieses Vorhaben durch Gegenmaßnahmen.

1742 und in den folgenden Jahren kam es immer wieder zu Übergriffen der Lentföhrdener. Sie mähten die Heide am Lohnkamp und wurden stets wieder verjagt. Dabei pfändeten die Weddelbrooker den Lentföhrdenern Heidesensen und andere Geräte. Als die Lentföhrdener einmal in großer Anzahl erschienen, benachrichtigten die Weddelbrooker ihre Gutsherrschaft. Mit allen Guts-Untertanen kehrten sie zurück, nahmen zehn Fuder abgemähte Heide in Besitz und brachten diese zum Bramstedter Hof. Die beschlagnahmten Pferde und Gerätschaften wurden nach solchen Übergriffen manchmal gegen Geld wieder eingelöst, meistens aber wurden sie später vom Weddelbrooker Bauernvogt versteigert.

1760 kam es dann zur großen Auseinandersetzung. Es begann damit, dass zwei Kampener Bauern am Lohnkamp Heide mähten. Sie behaupteten, von Lentföhrdenern dazu die Erlaubnis bekommen zu haben. Gegen eine Summe von 5 Schilling durften sie die Heide mitnehmen, mußten aber geloben, nicht wiederzukommen.

Am 3. März 1760 stellte Hartwig Fehrs aus Weddelbrook Lentföhrdener und Kamper Bauern beim Heidemähen am Lohnkamp zur Rede. Sie beschimpften ihn und ließen sich in ihrer Arbeit nicht stören. Das wiederholte sich am nächsten Tag. Die Lentföhrdener mähten nun auch noch am Ramshorn. Da sie in so großer Anzahl erschienen waren, wandten sich die Weddelbrooker an ihren Gutsherrn und baten um Hilfe. Er wollte aber erst die Grenzdokumente im Archiv prüfen. Am folgenden Tag baten die Weddelbrooker den Gutsherrn erneut. Sie erhielten daraufhin die Zusage, dass die Hitzhusener sie unterstützen sollten. Der Gutsherr verlangte aber„,... dass sie keinem Menschen an seinem Leibe Schaden zufügeten."

Als am 6. März 1760 erneut Lentföhrdener Bauern am Lohnkamp Heide mähten, versammelten sich Weddelbrooker und Hitzhusener im Krug. Vier Weddelbrooker rit­ten zu Pferd in die Heide voraus und verhandelten mit den Lentföhrdenern. Diese ließen aber nicht ab von ihrem Treiben. Als nun die anderen Weddelbrooker und Hitzhusener herangekommen waren, nahmen sie den Lentföhrdenern 9 Sensen, 8 Harken und 5 Heugabeln ab. Die Weddelbrooker schickten ihre Frauen mit den gepfändeten Geräten nach Hause und warteten darauf, dass diese mit Wagen zurückkehrten, um die gemähte Heide abzutransportieren. Plötzlich sahen sie von weitem, wie ein Korporal und 7 oder 8 Reiter von Lentföhrden her in vollem Galopp auf sie zukamen. Einige vermuteten sofort, dass die Soldaten die Lentföhrdener unterstützen wollten und suchten das Weite. Die anderen konnten sich nicht vorstellen, dass sich die Reiter in eine Auseinandersetzung von Bauern einmischen würden. Die Reiter galoppierten freundlich grüßend an den Bauern vorbei, aber ehe sich diese versahen, kommandierte der Korporal: „Rechts schwenkt euch!" und kurz darauf: „Den Pallasch (schwerer Degen) aus!" Dann bildeten die Soldaten eine Linie und ritten auf die Bauern zu. Von der anderen Seite kamen jetzt die Lentföhrdener, mit Heuforken, Wagenrungen und großen Stöcken bewaffnet. Es kam zu einer wilden Prügelei, „außer dass die Hitzhusener, welche ohnehin bekanntlich unsere besten Freunde nicht sind, sich von ferne hielten und bei diesem Spectacul bloße Zuschauer abgaben". So blieben nur etwa 10 Weddelbrooker Bauern nach, die versuchten, sich der Übermacht zu erwehren. Aber selbst, wenn es ihnen gelang, einen Lentföhrdener unter sich zu bekommen, griffen die Reiter ein. Sie hieben mit ihren Degen dazwischen, „bis dem untenliegenden Lentföhrder völlig Luft verschafft war". Hans Boye wurde es zuviel. Er schrie den Korporal an, „was er und seine Reiter mit dieser Sache zu tun hätten? wer sie dahin commandirt, und ob der König ihnen dazu den Pallasch gegeben hätte, dass sie denen gemeinschaftlichen Unterthanen damit die Köpfe aufspalten solten? Worauf der Corporal ihm lächelnd die seltsame Antwort ertheilet: Broder dat is jo man Körzwiel!" Hans Boye riß der Geduldsfaden. Er hielt seine Heugabel dem nächsten Pferd vor die Brust und drohte, das Tier zu erstechen, wenn die Reiter nicht sofort mit dem Kampf aufhörten.

Der Streit endete. Die Soldaten ritten zurück, gefolgt von den Lentföhrdenern. Befriedigt, den Kampfplatz behauptet zu haben, kehrten die Weddelbrooker zum Dorfe zurück, „wiewohl theils mit blutigen Köpfen, theils aber mit sehr mürben Ribben."

Bei einer anschließenden Beratung war es ihnen zunächst ein Rätsel, wie es möglich gewesen wäre, dass Soldaten sich in diesen Streit eingemischt hätten. Doch sie erfuhren bald, dass die Lentföhrdener schon einige Tage zuvor geäußert hätten, mit Hilfe von Soldaten würden sie sich zu behaupten wissen. Gerüchten zufolge sollten die Reiter schon einige Tage beim Lentföhrdener Bauernvogt Jasper Siems untergebracht gewesen sein. Als Lohn hätten sie eine Tonne Bier erhalten.

Die Weddelbrooker hielten es für den Gipfel der Unverschämtheit, dass die Lentföhrdener nach diesem Zwischenfall bei ihrer Obrigkeit „so gar Satisfaction (Genugtuung) und Bestrafung gegen uns erflehen mögen". In ihrem Bericht an den Gutsherrn widerlegten sie alle Anklagepunkte der Lentföhrdener. Deren Klage fand auch bei der königlichen Regierung keinen Anklang. Diese wies darauf hin, dass nach den Grenzstreitigkeiten von 1737 und den damaligen Zeugenaussagen das betreffende Gebiet zu Weddelbrook gehören dürfte. Der Amtmann wurde aufgefordert, mit dem Besitzer des Bramstedter Gutes die Grenzsache gütlich zu regeln, „besonders in Ansehung der den Lentförder von einigen von der Militz strafbarerweise dabei geleisteten Beyhülfe..."

Die Weddelbrooker erhielten damit recht. Es dauerte noch weitere zwei Jahre bis der Grenzvergleich von der königlichen Regierung genehmigt wurde.


Die Landwirtschaftliche Betriebsgenossenschaft                    aus der "Chronik von Weddelbrook" von Jürgen Schüchler

Zu den langwierigsten Arbeiten in der Landwirtschaft gehörte früher das Dreschen. Der Bauer mit seinen Knechten und Tagelöhnern war damit im Winter beschäftigt. Auf der Diele wurden mit Dreschflegeln die Körner aus den Garben geschlagen. Lehrer Wilhelm Mohr, Sohn des Weddelbrooker Gemeindevorstehers Claus Mohr, schrieb 1934:„Erst ums Jahr 1880/90 kamen die ersten Dreschmaschinen auf, die anfangs mit Handbetrieb versehen waren, später durch einen „Göpel" getrieben wurden. Die erste Dampf­Dreschmaschine trat auf dem Besitze meines Vaters ums Jahr 1897 in Tätigkeit." An Handdreschmaschinen arbeiteten bis zu vier Mann; der Göpel als Antrieb für eine Dreschmaschine wurde von zwei Pferden gedreht.  Diese Art, in kürzester Zeit die Drescharbeit zu erledigen, war sicher Vorbild für andere Bauern im Dorfe.
    Am 12. Juli 1907 schlossen sich fünfzehn Bauern in der „Landwirtschaftlichen Betriebsgenossenschaft
e.G.m.u.H. Weddelbrook" zusammen. Dabei heißt die Abkürzung: eingetragene Genossenschaft mit unbeschränkter Haftung. Zu ihrem Vorsitzenden wählten sie den Inspektor Johannes Breckwoldt vom Gut Bissenmoor, als seinen Stellvertreter Claus Mohr und als Kassenverwalter Johannes Fock.         Weitere Mitglieder waren
aus Weddelbrook: Dietrich Mäckelmann, Heinrich Schmuck, Claudius Hargens, Hinrich Karstens, Adolf Dwenger, Claus Hargens, Adolph Viehmann
vom Weddelbrooker Damm: Christian Böge
aus Lentföhrden: Hans Wulf, Jacob Ratjen, Wilhelm Böge, Hinrich Schröder.
    Im § 2 der Satzung dieser Genossenschaft heißt es: „Der Gegenstand des Unternehmens ist die gemeinschaftliche Anschaffung und Benutzung landwirtschaftlicher Maschinen." Zuerst kauften die Bauern eine Dampflokomobile und eine Dreschmaschine. Dieser „Döschdamper" hatte seinen Platz im heute noch vorhandenen Maschinenschuppen in Weddelbrook.. Im Herbst wurde die fahrbare Dampfmaschine mit vier Pferden zu den einzelnen Genossen gezogen. Bis zu 15 Mann waren dann bei einem solchen Großeinsatz beschäftigt. Nach dem 1.Weltkrieg leitete Maschinenmeister Johannes Peschel (sen.) die Arbeit. Ihm zur Seite stand der Heizer Gustav Böhm, der die Dampfmaschine mit Steinkohle oder Holz befeuerte. Außerdem sorgte er dafür, daß immer wieder Wasser in den Kessel nachgefüllt wurde. Zu den weiteren Arbeiten wurden Männer gebraucht, die die Namen „Losschnieder", „Inlegger", „Sackdreger" und „Kaffdüvel" trugen. Es war eine staubige Schwerstarbeit. Die Garbenbänder wurden „durchgeschnitten", die losen Garben oben in den Dreschkasten „eingelegt", die Kornsäcke auf den Boden „getragen" und die ausgedroschenen Getreidehülsen in großen Tüchern fortgeschafft. Die letztgenannte Arbeit war besonders schmutzig und damit „teuflisch". Nach wenigen Jahren sorgte eine Strohpresse für Klappen, die weniger Platz auf den Böden einnahmen. Doch nicht nur die Männer waren beim Dreschen stark gefordert, sondern das gleiche galt für die Bäuerin. Sie mußte mit ihren Mägden die große Mannschaft mit Essen und Trinken versorgen.

    1927
ersetzte die Genossenschaft den „Döschdamper" durch einen Lanz-Bulldog mit Dreschsatz. Außerdem wurden eine Walze und ein Motorpflug angeschafft. Neben Johannes Peschel arbeitete nun Paul Rammelsberg als Fahrer des neuen Traktors. Einige Jahre später kam ein starker Elektromotor in einem Kastenwagen als Antriebsmaschine hinzu. Diesen Drehstrommotor setzte man gern auf den Bauernhöfen ein, während der Lanz-Bulldog beim Dreschen auf dem Felde seine Arbeit verrichtete.
    Von
1947 bis 1954 übernahm Helmuth Kasper den Einsatz der Maschinen. In dieser Zeit, nämlich 1951, löste sich die „Landwirtschaftliche Betriebsgenossenschaft" auf. Die vorhandenen Maschinen übernahm die „Spar- und Darlehnskasse Weddelbrook" und setzte die Arbeit mit Günter Kielmann als Betriebsleiter bis 1972 fort.


Das Amt Kaltenkirchen-Land                                                                                            Quelle SZ

Zur Geschichte des Amtes Kaltenkirchen-Land gehört bereits ein Kapitel vor seiner Gründung 1953. Schon nach der Kreisordnung von 1888 wurden im Kreis Segeberg 25 Amtsbezirke gebildet. Hierzu zählte auch der Amtsbezirk Kaltenkirchen, der wohl als Ursprung des Amtes Kaltenkirchen-Land zu sehen ist, obgleich nicht alle später dem Amt angehörenden Gemeinden dazu zählten.
    Nach dem Krieg entschied der Kreistag im Februar 1948 über die Bildung der Ämter. Mit Wirkung vom 1. Juli 1948 wurde das Amt Kaltenkirchen mit Amtssitz in der Gemeinde Kaltenkirchen gegründet. Damals zählten Kaltenkirchen, Lentföhrden, Nützen, Hasenmoor und Schmalfeld dazu. Als am 1. April 1953 die Gemeinde Kaltenkirchen amtsfrei wurde, bedeutete das zugleich die Geburtsstunde des Amtes Kaltenkirchen-Land mit den vier verbliebenen Orten. Der Amtsausschuss, das höchste Entscheidungsgremium, blieb in der Zusammensetzung - lediglich ohne die Kaltenkirchener Mitglieder - bestehen. Zu dieser Zeit setzte sich der Ausschuss aus sieben Mitgliedern zusammen, mittlerweile sind es 23.
    Am 13. April 1953 fand die konstituierende Sitzung des Amtsausschusses statt: Zum ersten Amtmann (heute Amtsvorsteher) wurde der Lentföhrdener Bürgermeister Hinrich Schröder gewählt. Bis Ende 1954 bildeten die Gemeinde Kaltenkirchen und das Amt Kaltenkirchen-Land, deren Verwaltungen zusammen in dem Kaltenkirchener Rathaus auf dem grünen Markt untergebracht waren, noch einen gemeinsamen Standesamtsbezirk.
    Ende 1956 beschloss das Amt Kaltenkirchen-Land, ein eigenes Verwaltungsgebäude zu errichten. Dazu wurde ein Grundstück von dem Kaltenkirchener Landwirt Thies an der Schmalfelder Straße gekauft. 1957 wurde der Neubau bezogen.
    Im Rahmen einer Neustrukturierung kamen 1968 die Gemeinde Hartenholm (zuvor Amtsbezirk Bark) sowie 1969 Alveslohe und Ellerau- (zuvor Amtsbezirk, Ulzburg-Land) zum Amt Kaltenkirchen-Land. Es war anschließend lange Jahre das einwohnerstärkste Amt des Kreises Segeberg: Wegen des starken Zuwachses wurde für immer mehr Verwaltungsarbeit mehr Personal erforderlich, so dass es im Gebäude an der Schmalfelder Straße Ende der achtziger Jahre zu eng wurde. Ein Anbau, im April 1990 eingeweiht, löste das Problem. Seit dem 1. April 1998 gehört Ellerau mit seinen rund 5000 Einwohnern nicht mehr zum Amt, da es amtsfrei wurde.
    Die Einwohnerzahl der verbliebenen sechs Gemeinden zeigt immer noch eine Tendenz nach oben. Zurzeit sind rund 10500 Einwohner gemeldet.
    Bisherige Amtsvorsteher waren Hinrich Schröder (1953-1970), Karl Mohr (1970­1974), Ernst Schmidt (1974­1978), Emil Schmelow (1978-1994) und Klaus Brakel (: 1994). Chefs des Amtes (offiziell Leitende Verwaltungsbeamte genannt) waren Fritz Kroll (1953-1977) und Hans­Joachim Langmaack (1977­1995). Seit 1995 ist Torsten Ridder verantwortlich.


Drei Nüsse im Nützen Wappen                                                                                          SZ 6/05 (zwl)

Als letzte der sechs Gemeinden im Amt Kaltenkirchen-Land hat nun auch Nützen ein eigenes Wappen und eine dazu passende Flagge. Zudem bekam Bürgermeister Klaus Brakel ein Dienstsiegel mit gleichem Motiv. Auf den Hoheitszeichen wird unter anderem die Herkunft des Ortsnamens symbolisiert. Anfang des 6. Jahrhundert wurde die damalige Siedlung „Nudzynge" und später „Nutzing“ genannt, die Namen sind von dem niederdeutschem „Nut‘ ( Nuss) abgleitet. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts war der Ortsname Nutzen gebräuchlich, später setzte sich Nützen durch. Die drei gelben Nüsse in dem von Heraldiker Erwin Meier (Hüttblek) gestalteten Wappen weisen auf die drei Ortsteile Nützen, Kampen und Springhirsch der rund 1200 Einwohner zählenden Gemeinde hin.
Aber auch ein Kapitel Wirtschaftsgeschichte wird angedeutet. Auf der unteren Hälfte des Wappens ist ein Mühlenstein dargestellt, allerdings nur halb. "Der gebrochene Mahlstein ist ein Hinweis auf die ehemalige Erbpachts - Wasser- und Windmühle der Blomeschen Familie im Ortsteil Kampen. Die Mühle hatte einst große Bedeutung für Landwirtschaft und Gewerbe in der Region", heißt es dazu in der Erläuterung des Heraldikers. Der weiße „Wellenbalken“ soll auf die Lage Nützen an dem Fluss Schirnau hindeuten.
Bei der Gestaltung eines Wappens ist nicht alles erlaubt, was originell aussieht. Die so genannten heraldischen Darstellungsregeln müssen beachtet werden. Dabei spielt die aus der Ritterzeit stammende "Fernwirkung“ eine große Rolle. Ob damals Freund oder Feind in einer Rüstung steckten, musste aus der Ferne auf den ersten Blick auf dessen Schildwappen zu erkennen sein. Auf Sehnickschnack wurde deshalb verzichtet, Unnötiger Zierrat ist auch heute nicht erlaubt, ebenso sind nur sechs Farben gestattet. Wichtig ist auch, dass Wappenmotive nicht allzu ähnlich sind. Wenn ein Entwurf allen Anforderungen genügt, fertigt das Landesarchiv in Schleswig ein Gutachten mit der offiziellen Beschreibung (Blasonierung), die ans Innenministerium geschickt wird.
In der Gemeindevertretung hatte es lange Zeit Vorbehalte gegen die Anschaffung eines Wappens mit Flagge gegeben. Die Kosten im vierstelligen Bereich schreckte eine Mehrheit der Kommunalpolitiker ab. Gegen ein Wappen ohne Belastung der Gemeindekasse hatte aber niemand etwas einzuwenden. Und genau dieses Angebot unterbreitete der einheimische Landwirt Kurt Timmermann der Gemeinde ‚Die Wurzeln meiner Familie reichen hier in Nützen bis ins 16. Jahrhundert zurück. Ich möchte mich mit einer besonderen Geste gegenüber dem Dorf erkenntlich zeigen", begründete Timmermann seine Großzügigkeit....