|
|
DIE ENKLAVE WIERENKAMP - EINE INSEL SCHMALFELD IN LENTFÖHRDEN von Ute Dwinger 1990 Der Name Wierenkamp bedeutet: Wieren = Weiher, nasses, sumpfiges Land, Kamp = eingezäuntes Feld Wierenkamp
war der Ansatz zu einer neuen Dorfgründung, kam aber infolge der ungünstigen
Entwicklung nicht darüber hinaus. Es
wurde vereinbart: "Die Wittwe übernimmt die dem Erblasser zuständig gewesene Viertel-Hufe cum
pert auf 21 Jahre vom Maytag 1784 angerechnet, bestthunlich jedoch haushalterich
zu bewohnen, und nach abgelaufener Wohnjahre nach landüblicher Taxation an den
jüngsten Sohn Hinrich und im Falle dieser mit dem Tod abgehen sollte an den
Sohn Hans abzutreten.
1 vollständiges Bett
oder 36 RM
und einer erhebliche Summe Bargeld aus dem Besitz." Verwunderlich
ist, dass im Nachlass schon über den zukünftigen Mann der Witwe die Rede ist.
Aber zu der Zeit war es für eine Frau unmöglich, einen Hof alleine weiterzuführen.
Sie musste, um den Hof für die Kinder zu erhalten, wieder heiraten. Der neue
Mann wurde dann als Setzwirt eingesetzt, bis der jüngste Sohn, (im Kirchspiel
Kaltenkirchen gilt Jüngstenrecht) das Hoferbe antreten konnte.
das
Wohnhaus zu 400
RM und
eine beträchtliche Summe Geld, die an verschiedene Leute ausgeliehen war.
„So
das Wohnrecht in der Abschiedskathe ... als auch den Abschiedsleuten Brodtkorn
mithin und das Mehl von der Mühle zu nehmen, das Brodt in seinem Ofen mit zu
backen und in Nothfalls den Prediger zu holen und wieder
wegzufahren, und zwar dieses alles ohnentgeltlich.“ Schaden
des Viertel-Hufners Hans Hartmann, Wierenkamp 55 Reichbanktheler, 36 Schillinge. 1750
verkaufte Claus Cladde den Hof an Johann Siems, dem Sohn des Bauernvogtes aus
Lentföhrden. Timm Böge aus Sievershütten heiratete die Tochter von Siems und
wurden dann Besitzer. Sie hatten vier Söhne. Einer von ihnen baute den Hof am
Wierenkamper Weg auf (jetzt
Schlachter Thomsen). Ein Nachkomme von diesem Timm Böge baute sich ein
herrliches Fachwerkhaus und ließ auf den Balken über der „Grootdeelendör“
einschnitzen:
„Timm Böge- Anna Böge Aufgericht 14.Mai Anna 1850 - Wer Gott vertraut hat
wohl gebaut, Im Himmel und auf Erden, Gottes Glück und Treu-alle moorgen
neu.“ Dierk Böge heiratete Wiebke Lamack. Am 23.
Dezember 1797 wurde aus dieser Ehe Johann Hinrich Böge geboren. Die
Kinder verkauften dann die Käthnerstelle an Thies Hartmann aus dem Busch, der
viel Geld aus der Imkerei gemacht hatte. Sein Sohn Heinrich war schon sehr alt
als er heiratete und seine junge Witwe führte lange Jahre alleine den Hof.
Mariken Hartmann war eine resolute Frau, hatte sie etwas zu erledigen schwang
sie sich aufs Pferd und ritt los. Der Sohn Hinrich war für die Schmalfelder als
„Schwatt Hinerk“ ein Begriff. Brauchte einer Geld um sich eine Kuh zu
kaufen, ging er zu ihm. Hatten sie ihr Anliegen vorgetragen, fragte er:
“Weveel mußt denn hemm?“ Dann langte er aufs Schapp und holte eine Tüte,
in der das Milchgeld war, runter. Hartwig
Böy
4 Tonnen 5 S Summa
Schmalfeld insgesamt 2488 Tonnen Jasper
Gülck (mit Vermerk: letzter ist gemeine Wohnung zu Lentföhrden geführt.) 3
Tonnen 6 S In 14 amtlichen Schriftstücken beginnend im Jahre 1851 bis 1879 geht es nun darum. Gehört die Enklave Wierenkamp zu Schmalfeld oder zu Lentföhrden. Nach Einführung der Landgemeindeordnung vom 22. September 1861 festgesetzt, dass Wierenkamp zu Schmalfeld gehört und die Gemeindeabgaben nach Schmalfeld zu zahlen sind. 1869 werden die Gemeindegrenzen festgesetzt. Einer Streitsache zwischen den Gemeinden Lentföhrden und Schmalfeld findet oft Erwähnung. In einer Verfügung vom 10. März 187x, welche auf Grund der Landgemeindeordnung vom 22. September 1867 (Bildung der Gemeindebezirke) erlassen wurde, wurde erklärt, daß die Enklave Wierenkamp zu der Gemeinde Schmalfeld gehöre. Hiergegen erhob die Gemeinde Lentföhrden, indem sie auf die Landverteilungsakte von 1793 hinwies, aus der hervorgeht, daß der Viertelhufner Hinrich Fölster und die beiden Käthner Jasper Siems und Dierk Böge, Wierenkamp, zu der Gemeinde Lentföhrden gehören, Einspruch. Dieser aber wurde abgelehnt. Am 26.Nov. 1899
richtet die Gemeinde Lentföhrden wieder eine Beschwerde an den Kreisausschuss
des Kreises Segeberg in Sachen Umgehmeindung der Enklave Wierenkamp zu Lentföhrden.
Mit Beschluss des Bezirksausschusses Schleswig von 27.Juli 1900 wird die Klage
abgewiesen. Am 23. August 1901 klagt die Gemeinde Lentföhrden noch mal darum,
dass die Wierenkamper Häusergruppe zu Lentföhrden und nicht zu Schmalfeld gehört.
Auch diese Klage wird am 16. Mai 1902 vom Kreisausschuss abgewiesen. Im Laufe
der Zeit wurden noch weitere Häuser auf dem Wierenkamp gebaut, andere auf Lentföhrdener.
Einige stehen auf Schmalfelder andere auf Lentföhrdener Boden. 1970 wurde die Autobahn A 7 quer durch Wierenkamp gebaut. Immer wieder ging es in Gemeindevertreterversammlung in Schmalfeld und Lentföhrden, um Grenzbegradigungen und Umgemeindung. Die Holzbrüchedingung Ute Dwinger Dadurch,
daß der dänische König den Hufnern und Käthnern immer mehr Rechte an den
Kohlungen, dem Wald, nahm, kam es oft zu Auseinandersetzungen im 17.Jahrhundert.
Die Eingesessenen pochten auf ihr altes Recht, daß das auf ihrer Feldmark
gewachsene Holz - auch das Hartholz ihnen gehöre, während der König es für
sich beanspruchte. Der König erließ
deshalb am 1.September de anno 1680 eine Holz -Verordnung. Das Ende einer kuriosen Insel VON ANNA MARIA PERSIEHL Das Jahrhunderte altes Kuriosum wurde 1996
beendet: Die Enklave Wierenkamp wurde aus ihrer Insellage auf Lentföhrdener
Gebiet befreit. Dazu müssten etwa 210 Hektar Lentföhrdener Grund und Boden
umgemeindet werden. Bei diesem Vorhaben wurden aus fünfzehn Lentföhrdener
Schmalfelder.
Das Insulanerleben einiger Schmalfelder in der Enklave Wierenkamp, umgeben von Lentföhrdener Gebiet, geht auf die Folgen des 30jährigen Krieges zurück. Die Schmalfelder Chronistin Ute Dwinger berichtet von Hans Hartmann, der sich 1629 im Grenzgebiet zwischen Schmalfeld und Lentföhrden niedergelassen hatte, nachdem das eigentliche Dorf Schmalfeld in den Kriegswirren zerstört worden war. Wierenkamp sollte nach Angaben der Chronistin der Ansatz zu einer neuen Dorfgründung gewesen sein, sei aber aufgrund ungünstiger Entwicklung nicht darüber hinausgekommen. Nach Frau Dwinger belegen Schriftstücke aus dem 19. Jahrhundert, daß es schon damals Irritationen um die Gemeindezugehörigkeit der "Insel" gegeben hatte. Seit 1869 liegen die derzeitigen Gemeindegrenzen fest. Schmalfeld hatte wiederholt - zuletzt um das Jahr l900 - Anspruch auf die Enklave angemeldet, doch ohne Erfolg. Es geht nicht nur um die eingeschlossenen Schmalfelder, sondern vor allem auch um Menschen, die um Wierenkamp herum leben und sich als Schmalfelder fühlen, aber per Gesetz zu Lentföhrden gehören. Deren Kinder besuchen die Schmalfelder Schule, sie selbst sind in Schmalfelder Vereinen organisiert. Nach einem letzten Versuch, der 1983 unternommen wurde, wurde erst 1996 der verwirrende Zustand auf Antrag Schmalfelds beendet und die Autobahn A7 die eindeutige Grenze zwischen den beiden Gemeinden. Das Amt Kaltenkirchen - Land hatte die von einer eventuellen Grenzänderung betroffenen Lentföhrdener befragt. Bis auf einen Landwirt - die Grundsteuer in Lentföhrden war um 20 Prozent geringer als in der Nachbargemeinde - haben alle eine Umgemeindung befürwortet. Als Ausgleich für die Gebietsänderung in Wierenkamp traten die Schmalfelder an die Lentföhrdener etwa 72 Hektar ab: zwei unbewohnte Areale westlich der Autobahn. Die Autobahntrasse wurde die natürliche Grenze der Nachbargemeinden Lentföhrden und Schmalfeld. Quelle: SEGEBERGER ZEITUNG Wald- und Gartenstadt Springhirsch Gerhard Hoch ( aus: Zwölf wieder gefundene Jahre)Ende 1937 begann der Amtsvorsteher ein bis Ende
1944 andauerndes, verdrussreiches Unternehmen: die amtliche Aufnahme aller
Wochenendhäuser in der Wald- und Gartenstadt Springhirsch. Hierzu die
Vorgeschichte: Dem Streben zahlreicher Hamburger Bürger nach einem Stückchen
Land für ein Wochenendhaus, irgendwo in ruhiger Lage, kam während der zwanziger
Jahre die damalige Besitzerin des Gutes Neu-Springhirsch, Alma Ebert, entgegen.
Zu deren fangreichen Ländereien gehörten auch die Waldstücke südlich des Gutes
an der Ostseite der Reichsstraße 4 und die auf der gegenüberliegenden
Straßenseite liegenden Jagen 158 und 159. Weddelbrook in früher Zeit aus der "Chronik von Weddelbrook" von Jürgen SchüchlerDie Gründung des Dorfes Weddelbrook liegt wie bei fast allen Orten im Dunkeln. Zeugnisse aus früheren Zeiten weisen darauf hin, dass schon vor über 2000 Jahren Menschen hier gesiedelt haben. Im Ortsteil Krücken wurden drei Steinbeile aus der Jungsteinzeit gefunden, die drei Grabhügel auf dem „Lohnkamp" stammen aus der Bronzezeit, und auf den Koppeln „Ob de Braak" und „Viehbüschen" entdeckte man Tonscherben aus der Eisenzeit. Das Dorf liegt auf der Geest, die sich von Norden nach Süden durch ganz SchleswigHolstein erstreckt. Dort, wo die Schmerzwasser der letzten Eiszeit die Geestlandschaft durchbrachen, bildeten sie am Rande Kliffs. Auf dem Sandboden nahe einer solchen Abbruchkante lagen die ersten Bauernhöfe. Das Kliff ist an dieser Stelle verhältnismäßig flach. Der Flitzenbek (heute. Mühlenbach) hatte hier formend mitgewirkt. Die Siedler fanden auf dem Sandboden einen guten Baugrund vor. Ihre Häuser lagen nördlich der heutigen Wrister Straße. Dort hatten sie auch ihre Kohlhöfe (Gärten) und zum Flitzenbek hin die Wischhöfe (Wiesen). Auf den höher gelegenen Grundmoränen der vorletzten Eiszeit befanden sich die Äcker. Diese Kämpe wurden gemeinsam angelegt und in Flurzwang bewirtschaftet.) Der Boden war nicht besonders fruchtbar, aber dafür verhältnismäßig leicht zu bearbeiten. Die Lage des kleinen Dorfes am Rande der Niederung wird auch im Ortsnamen wiedergegeben. Er weist auf eine Besiedlung in altsächsischer Zeit hin. „Weddel" bedeutet waten und „Brook" bezeichnet einen Bruch, also ein sumpfiges Niederungsgebiet. Der Bruch war das heutige Wiesen- und Weideland nördlich des Ortes. Irgendwo konnte man früher diesen Bruch durchwaten, wahrscheinlich wird dieser Weg mit der jetzigen Straße nach Hitzhusen übereinstimmen. Weddelbrook hat über die Jahrhunderte zum Kirchspiel Kaltenkirchen (Entfernung. 12 km) und nicht zum Kirchspiel Bramstedt (Entfernung: 4 km) gehört. Die Gründe hierfür sind unbekannt. Möglicherweise waren die Bramau-, Hudau- und Ohlauniederungen nur zu Fuß passierbar. Dafür spricht, daß das Flurstück zwischen der heutigen Südweststadt Bad Bramstedts und Bissenmoor seit Jahrhunderten „Im Weddelbrook" heißt. So konnte man früher auch hier die Bruchlandschaft nur durchwaten, um von Weddelbrook nach Bramstedt zu gelangen. Der alte Heerweg von Norden nach Süden verlief zwischen Bramstedt und Kaltenkirchen zunächst östlich der Ohlau. Auch der alte Ochsenweg führte von Bramstedt aus nicht über Weddelbrook, sondern über Nützen, Barmstedt nach Wedel. Wenn aber die Verbindung von Weddelbrook nach Bramstedt über Lentföhrden und Nützen führen sollte, dann lag Kaltenkirchen näher". Ein Damm (Weddelbrooker Damm) hat erst später (1633) die kürzere Verbindung von Weddelbrook nach Bramstedt gebracht. 1322 wird das Dorf Weddelbrook das erste Mal in einer Urkunde erwähnt. Gerhard III., Graf von Holstein, konnte seine Schulden, die er beim Kloster Itzehoe hatte, nicht zurückzahlen. Dafür erhielt das Kloster seine Einnahmen u. a. aus dem Dorf Weddelbrook, sie betrugen jährlich 1 Mark. Das ist nicht viel. Wir können davon ausgehen, dass Weddelbrook ein recht kleines Dorf gewesen ist. Die Urkunde ist - wie es damals üblich war - in Latein abgefasst worden. Am Ende der vierten und am Anfang der fünften Zeile finden wir den Ortsnamen: „... in villa nostra Weddebroke..." (... in unserem Dorfe Weddelbrook ... ). An der Urkunde hängt ein Siegel des Grafen von Holstein und zeigt das Nesselblatt. Grenzstreitigkeiten zwischen Lentföhrden und Weddelbrookaus der "Chronik von Weddelbrook" von Jürgen SchüchlerBevor es zu einer endgültigen Grenzziehung 1776 kam, hatte es über mehr als fünfzig Jahre Streitigkeiten gegeben. Zu einer tätlichen Auseinandersetzung zwischen den Lentfohrdenern und den Weddelbrookern kam es am 6. März 1760. Die Lentföhrdener beschwerten sich daraufhin beim Amtmann des Amtes Segeberg, Herrn von Arnold. Dieser wohnte in Bramstedt. Er fordert den Gutsherrn Holst auf, sich zu den Vorwürfen gegen seine Weddelbrooker Untertanen zu äußern. Der Gutsherr Holst erhielt von seinen Bauern aus Weddelbrook eine sehr ausführliche und lebendig verfasste Gegendarstellung zur Lentföhrdener Anklage). Hans Böye und Hans Krohn schrieben für sich und alle Weddelbrooker am 20. März 1760, hier eine Zusammenfassung: Dort, wo die Grenzen von Mönkloh, Lentföhrden und Weddelbrook zusammenstießen, lag früher ein länglicher Scheidestein. Er trug auf der Weddelbrooker und Mönkloher Seite zwei Kreuze ++ und auf der Lentföhrdener Seite ein Kreuz +. 1724 entfernten die Lentföhrdener heimlich diesen Grenzstein. Sie gruben mehrere Löcher, damit niemand wusste, wo der Stein gelegen hatte. Mit Hilfe der Regierungskanzlei in Glückstadt gelang es, den Stein wieder an seine alte Stelle zurückzubringen. 1737 versetzten die Lentföhrdener den Scheidestein erneut. Sie versuchten, die ganze Heide bis an das Weddelbrooker Ackerland in Besitz zu nehmen. Die Weddelbrooker verhinderten dieses Vorhaben durch Gegenmaßnahmen. 1742 und in den folgenden Jahren kam es immer wieder zu Übergriffen der Lentföhrdener. Sie mähten die Heide am Lohnkamp und wurden stets wieder verjagt. Dabei pfändeten die Weddelbrooker den Lentföhrdenern Heidesensen und andere Geräte. Als die Lentföhrdener einmal in großer Anzahl erschienen, benachrichtigten die Weddelbrooker ihre Gutsherrschaft. Mit allen Guts-Untertanen kehrten sie zurück, nahmen zehn Fuder abgemähte Heide in Besitz und brachten diese zum Bramstedter Hof. Die beschlagnahmten Pferde und Gerätschaften wurden nach solchen Übergriffen manchmal gegen Geld wieder eingelöst, meistens aber wurden sie später vom Weddelbrooker Bauernvogt versteigert. 1760 kam es dann zur großen Auseinandersetzung. Es begann damit, dass zwei Kampener Bauern am Lohnkamp Heide mähten. Sie behaupteten, von Lentföhrdenern dazu die Erlaubnis bekommen zu haben. Gegen eine Summe von 5 Schilling durften sie die Heide mitnehmen, mußten aber geloben, nicht wiederzukommen. Am 3. März 1760 stellte Hartwig Fehrs aus Weddelbrook Lentföhrdener und Kamper Bauern beim Heidemähen am Lohnkamp zur Rede. Sie beschimpften ihn und ließen sich in ihrer Arbeit nicht stören. Das wiederholte sich am nächsten Tag. Die Lentföhrdener mähten nun auch noch am Ramshorn. Da sie in so großer Anzahl erschienen waren, wandten sich die Weddelbrooker an ihren Gutsherrn und baten um Hilfe. Er wollte aber erst die Grenzdokumente im Archiv prüfen. Am folgenden Tag baten die Weddelbrooker den Gutsherrn erneut. Sie erhielten daraufhin die Zusage, dass die Hitzhusener sie unterstützen sollten. Der Gutsherr verlangte aber„,... dass sie keinem Menschen an seinem Leibe Schaden zufügeten." Als am 6. März 1760 erneut Lentföhrdener Bauern am Lohnkamp Heide mähten, versammelten sich Weddelbrooker und Hitzhusener im Krug. Vier Weddelbrooker ritten zu Pferd in die Heide voraus und verhandelten mit den Lentföhrdenern. Diese ließen aber nicht ab von ihrem Treiben. Als nun die anderen Weddelbrooker und Hitzhusener herangekommen waren, nahmen sie den Lentföhrdenern 9 Sensen, 8 Harken und 5 Heugabeln ab. Die Weddelbrooker schickten ihre Frauen mit den gepfändeten Geräten nach Hause und warteten darauf, dass diese mit Wagen zurückkehrten, um die gemähte Heide abzutransportieren. Plötzlich sahen sie von weitem, wie ein Korporal und 7 oder 8 Reiter von Lentföhrden her in vollem Galopp auf sie zukamen. Einige vermuteten sofort, dass die Soldaten die Lentföhrdener unterstützen wollten und suchten das Weite. Die anderen konnten sich nicht vorstellen, dass sich die Reiter in eine Auseinandersetzung von Bauern einmischen würden. Die Reiter galoppierten freundlich grüßend an den Bauern vorbei, aber ehe sich diese versahen, kommandierte der Korporal: „Rechts schwenkt euch!" und kurz darauf: „Den Pallasch (schwerer Degen) aus!" Dann bildeten die Soldaten eine Linie und ritten auf die Bauern zu. Von der anderen Seite kamen jetzt die Lentföhrdener, mit Heuforken, Wagenrungen und großen Stöcken bewaffnet. Es kam zu einer wilden Prügelei, „außer dass die Hitzhusener, welche ohnehin bekanntlich unsere besten Freunde nicht sind, sich von ferne hielten und bei diesem Spectacul bloße Zuschauer abgaben". So blieben nur etwa 10 Weddelbrooker Bauern nach, die versuchten, sich der Übermacht zu erwehren. Aber selbst, wenn es ihnen gelang, einen Lentföhrdener unter sich zu bekommen, griffen die Reiter ein. Sie hieben mit ihren Degen dazwischen, „bis dem untenliegenden Lentföhrder völlig Luft verschafft war". Hans Boye wurde es zuviel. Er schrie den Korporal an, „was er und seine Reiter mit dieser Sache zu tun hätten? wer sie dahin commandirt, und ob der König ihnen dazu den Pallasch gegeben hätte, dass sie denen gemeinschaftlichen Unterthanen damit die Köpfe aufspalten solten? Worauf der Corporal ihm lächelnd die seltsame Antwort ertheilet: Broder dat is jo man Körzwiel!" Hans Boye riß der Geduldsfaden. Er hielt seine Heugabel dem nächsten Pferd vor die Brust und drohte, das Tier zu erstechen, wenn die Reiter nicht sofort mit dem Kampf aufhörten. Der Streit endete. Die Soldaten ritten zurück, gefolgt von den Lentföhrdenern. Befriedigt, den Kampfplatz behauptet zu haben, kehrten die Weddelbrooker zum Dorfe zurück, „wiewohl theils mit blutigen Köpfen, theils aber mit sehr mürben Ribben."
Die Weddelbrooker hielten es für den Gipfel der Unverschämtheit, dass die Lentföhrdener nach diesem Zwischenfall bei ihrer Obrigkeit „so gar Satisfaction (Genugtuung) und Bestrafung gegen uns erflehen mögen". In ihrem Bericht an den Gutsherrn widerlegten sie alle Anklagepunkte der Lentföhrdener. Deren Klage fand auch bei der königlichen Regierung keinen Anklang. Diese wies darauf hin, dass nach den Grenzstreitigkeiten von 1737 und den damaligen Zeugenaussagen das betreffende Gebiet zu Weddelbrook gehören dürfte. Der Amtmann wurde aufgefordert, mit dem Besitzer des Bramstedter Gutes die Grenzsache gütlich zu regeln, „besonders in Ansehung der den Lentförder von einigen von der Militz strafbarerweise dabei geleisteten Beyhülfe..." Die Weddelbrooker erhielten damit recht. Es dauerte noch weitere zwei Jahre bis der Grenzvergleich von der königlichen Regierung genehmigt wurde. Die Landwirtschaftliche Betriebsgenossenschaft aus der "Chronik von Weddelbrook" von Jürgen SchüchlerZu den langwierigsten Arbeiten in
der Landwirtschaft gehörte früher das Dreschen. Der Bauer mit seinen Knechten
und Tagelöhnern war damit im Winter beschäftigt. Auf der Diele wurden mit
Dreschflegeln die Körner aus den Garben geschlagen. Lehrer Wilhelm Mohr, Sohn
des Weddelbrooker Gemeindevorstehers Claus Mohr, schrieb 1934:„Erst ums Jahr
1880/90 kamen die ersten Dreschmaschinen auf, die anfangs mit Handbetrieb
versehen waren, später durch einen „Göpel" getrieben wurden. Die erste
DampfDreschmaschine trat auf dem Besitze meines Vaters ums Jahr 1897 in
Tätigkeit." An Handdreschmaschinen arbeiteten bis zu vier Mann; der Göpel als
Antrieb für eine Dreschmaschine wurde von zwei Pferden gedreht. Diese Art,
in kürzester Zeit die Drescharbeit zu erledigen, war sicher Vorbild für andere
Bauern im Dorfe. aus Weddelbrook: Dietrich Mäckelmann, Heinrich Schmuck, Claudius Hargens, Hinrich Karstens, Adolf Dwenger, Claus Hargens, Adolph Viehmann vom Weddelbrooker Damm: Christian Böge aus Lentföhrden: Hans Wulf, Jacob Ratjen, Wilhelm Böge, Hinrich Schröder. Im § 2 der Satzung dieser Genossenschaft heißt es: „Der Gegenstand des Unternehmens ist die gemeinschaftliche Anschaffung und Benutzung landwirtschaftlicher Maschinen." Zuerst kauften die Bauern eine Dampflokomobile und eine Dreschmaschine. Dieser „Döschdamper" hatte seinen Platz im heute noch vorhandenen Maschinenschuppen in Weddelbrook.. Im Herbst wurde die fahrbare Dampfmaschine mit vier Pferden zu den einzelnen Genossen gezogen. Bis zu 15 Mann waren dann bei einem solchen Großeinsatz beschäftigt. Nach dem 1.Weltkrieg leitete Maschinenmeister Johannes Peschel (sen.) die Arbeit. Ihm zur Seite stand der Heizer Gustav Böhm, der die Dampfmaschine mit Steinkohle oder Holz befeuerte. Außerdem sorgte er dafür, daß immer wieder Wasser in den Kessel nachgefüllt wurde. Zu den weiteren Arbeiten wurden Männer gebraucht, die die Namen „Losschnieder", „Inlegger", „Sackdreger" und „Kaffdüvel" trugen. Es war eine staubige Schwerstarbeit. Die Garbenbänder wurden „durchgeschnitten", die losen Garben oben in den Dreschkasten „eingelegt", die Kornsäcke auf den Boden „getragen" und die ausgedroschenen Getreidehülsen in großen Tüchern fortgeschafft. Die letztgenannte Arbeit war besonders schmutzig und damit „teuflisch". Nach wenigen Jahren sorgte eine Strohpresse für Klappen, die weniger Platz auf den Böden einnahmen. Doch nicht nur die Männer waren beim Dreschen stark gefordert, sondern das gleiche galt für die Bäuerin. Sie mußte mit ihren Mägden die große Mannschaft mit Essen und Trinken versorgen. 1927 ersetzte die Genossenschaft den „Döschdamper" durch einen Lanz-Bulldog mit Dreschsatz. Außerdem wurden eine Walze und ein Motorpflug angeschafft. Neben Johannes Peschel arbeitete nun Paul Rammelsberg als Fahrer des neuen Traktors. Einige Jahre später kam ein starker Elektromotor in einem Kastenwagen als Antriebsmaschine hinzu. Diesen Drehstrommotor setzte man gern auf den Bauernhöfen ein, während der Lanz-Bulldog beim Dreschen auf dem Felde seine Arbeit verrichtete. Von 1947 bis 1954 übernahm Helmuth Kasper den Einsatz der Maschinen. In dieser Zeit, nämlich 1951, löste sich die „Landwirtschaftliche Betriebsgenossenschaft" auf. Die vorhandenen Maschinen übernahm die „Spar- und Darlehnskasse Weddelbrook" und setzte die Arbeit mit Günter Kielmann als Betriebsleiter bis 1972 fort. Das Amt Kaltenkirchen-Land Quelle SZZur Geschichte des Amtes Kaltenkirchen-Land
gehört bereits ein Kapitel vor seiner Gründung 1953. Schon nach der Kreisordnung
von 1888 wurden im Kreis Segeberg 25 Amtsbezirke gebildet. Hierzu zählte auch
der Amtsbezirk Kaltenkirchen, der wohl als Ursprung des Amtes Kaltenkirchen-Land
zu sehen ist, obgleich nicht alle später dem Amt angehörenden Gemeinden dazu
zählten. Drei Nüsse im Nützen Wappen SZ 6/05 (zwl)Als letzte der sechs Gemeinden im Amt
Kaltenkirchen-Land hat nun auch Nützen ein eigenes Wappen und eine dazu passende
Flagge. Zudem bekam Bürgermeister Klaus Brakel ein Dienstsiegel mit gleichem
Motiv. Auf den Hoheitszeichen wird unter anderem die Herkunft des Ortsnamens
symbolisiert. Anfang des 6. Jahrhundert wurde die damalige Siedlung „Nudzynge"
und später „Nutzing“ genannt, die Namen sind von dem niederdeutschem „Nut‘ (
Nuss) abgleitet. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts war der Ortsname Nutzen
gebräuchlich, später setzte sich Nützen durch. Die drei gelben Nüsse in dem von
Heraldiker Erwin Meier (Hüttblek) gestalteten Wappen weisen auf die drei
Ortsteile Nützen, Kampen und Springhirsch der rund 1200 Einwohner zählenden
Gemeinde hin. |