Schwere Jahre für die Bewohner des
Kirchspieles Kaltenkirchen im Nordischen Krieg
von Ernst Kröger (Kisdorf 1981)
Die Ereignisse in den
ersten Jahren des Krieges.
Im Frühjahr des Jahres l700
wollte der 1699 gekrönte König Friedrich IV, die Besitzungen des gottorpschen
Herzogs dem Königreich Dänemark einverleiben. Er begann mit der Belagerung der
Festung Tönning. Daraufhin überschritt der schwedische Graf und Staatsmann
Gyllenstierna mit l8000 Schweden und Lüneburger die Elbe und besetzte
Südholstein. Bei Segeberg und bei Hamdorf standen sich die feindlichen Heere
kampfbereit gegenüber. Der schwedische König Karl XII bedrohte bereits zu Lande
und zu Wasser die Hauptstadt Kopenhagen, so daß Friedrich IV am 18, August l7oo
zu Traventhal schnell Frieden schließen mußte. In den Vorhutgefechten fielen
Hans Stegermann aus Kattendorf, Hans Kröger aus Hüttblek, Diedrich Vagts und
Hans Dankers aus Wakendorf. Nach der Niederlage der Schweden durch die Russen
unter Peter dem Großen bei Poltawa im Juli des Jahres 1709 begann Friedrich CV.
mit neuen Feindseligkeiten, Er besetzte das den Schweden 1648 im Westfälischen
Frieden zugesprochene Erzbistum Bremen. Der schwedische General Steenbock zog
mit seinem Heer in Eilmärschen nach Holstein. Die Dänen hatten in Südholstein
starke Truppenverbände zusammengezogen. So wurden auch unser Kirchspiel und das
ganze Amt Segeberg 1711/12 von Einquartierungslasten bedrückt. Der Amtmann
Hanneken klagte 1713 über die Einquartierungen, daß im Amt Segeberg eigene
Truppen mit 9ooo Pferde gestanden hätten und der Pest der Vorräte von den
Schweden und den Russen ausfouragiert worden sei. Die Dänen versammelten ein
Heer von 30 000 Mann in der Grander Heide und zogen von hier aus gegen die
Schweden, General Steenbock besiegte aber die Dänen am 20.12.1712 bei Gadebusch
und fiel am 8. und 9. Januar 1713 in Holstein ein. Er zog über Schwartau,
Segeberg, Harksheide, Pinneberg, Altona und Itzehoe nach Dithmarschen und
Eiderstedt bis Flensburg, Die Schweden erpreßten überall hohe Contributionen und
legten viele Orte in Asche. Da kam Peter der Große mit einem
russisch-sächsischen Heer den Dänen zur Hilfe und General Steenbock mußte mit
seinen Truppen am 16. Mai 1713 zu Hayersworth kapitulieren.
Das Campement der
russischen Kavallerie-Division unter dem Fürsten Repnin in Lentföhrden, Nützen
und Campen.
Die russischen Truppen, die
zum großen Teil aus Kavallerie bestanden zogen sich im Juni 1713 aus Holstein
zurück. Dabei wurden verschiedene Abmarschwege benutzt. Die russische
Kavallerie-Division unter dem Fürsten Repnin mit 11000 Pferden sollte nach dem
Befehl des Königlichen Kriegskommissars Plate in Wakendorf und Sievershütten
kampieren. Das sagt nachstehender Befehl:
“Herrn beikommenden Beamten zu Wakendorf und Sievershütten wird hiermit
ernstlich anbefohlen, bei der russischen Armee dasigen Ankunft daselbst zugegen
zu sein und für deren Kavallerie pp. 11000 Pferde in so lange Zeit selbige
dorten verbleiben, die nötige Weide anzuweisen, wonach sich selbige zu richten
und diese ordre prompte zu geschehen.
Gegeben aus dem Königl. General Kriegs-Commissariat, d. 5, Juny 1713 Plate“
Dieser Befehl wurde dem Kirchspielvogt Peter Basuhn am 9. Juny um 8 Uhr
überbracht. Inzwischen hatte die Division ihr Lager bereits in Lentföhrden,
Nützen und Kampen aufgeschlagen. Eine andere Abteilung mit 2ooo Pferden
kampierte bei Wilstedt. Aus einem nicht ersichtlichen Grund sollte das Campement
jetzt in und bei Bramstedt stattfinden. Die Bramstedter hatten davon Kunde
bekommen und schnell geschaltet. Sie sammelten auf dem schnellsten Wege l00 Rth.
und boten das Geld den Russen an, wenn sie in das Kirchspiel Kaltenkirchen
weiter zögen. Sie hatten Erfolg. Der Kirchspielvogt und Kriegskommissar Averhoff
behauptete, daß er von dieser Aktion nichts gewußt habe, Es ist doch wohl
anzunehmen, daß er es nicht wissen wollte. Er schrieb laut Copia an l0. Juny
1713 an den Kirchspielvogt Peter Basuhn in Kaltenkirchen:
“Weil notwendig mit demselben mich bereden muß, welchergestalt der Schade, so an
den Wischers geschehen zu redreßieren und darüber eine Rechnung zu formieren
sein wird, als Bitte dienstlichßigt, falls es sonder Incommodität geschehen
kann, diesen Nachmittag auf ein Stündgen zu mir zu kommen, damit wir desfalls
völlige Abrede nehmen können.
Ich erwarte dessen Auskunft und verharre.“
Unterschrift
Der Kirchspielvogt Basuhn fuhr sogleich nach Bramstedt und besprach die
Angelegenheit mit dem Kirchspielvogt und Kriegskommissar Averhoff. Sie kamen
überein, daß der Schade von den übrigen Dörfern des Kirchspieles Kaltenkirchen
und dem Kirchspiel Bramstedt ersetzt werden müsse. Das entnehmen wir folgender
Aufzeichnung des Kirchspielvogten Basuhn.
NB
“Bei meiner Überkunft mußte von demselben erfahren, daß seine Kirchspielleute
wider sein Vorbewusst mit 100 Pth. die Russen diesem Kirchspiel zugekauft,
welcherhalber sich den Schaden sollte taxieren lassen, so von seinem Kirchspiel
und hiesigen übrigen Dörfern müßte ersetzet werden“ Basuhn schrieb noch dazu, daß
Brümmer in Bramstedt in Gegenwart von Marx Stockmann zum Bauer Voigt in
Lentföhrden, gesagt hatte, wenn er nur zu Gelde gelassen wurde, sollten die
Russen nicht durch Bramstedt kommen, es koste auch, was es Ihnen wolle. Brümmer
war Schwager von Basuhn.
Die Feststellung des Schadens in Lentföhrden, Nützen, Kampen und Wakendorf
Auf des Herrn Commissars
Averhoffs Verlangen ist folgende Taxation verrichtet worden:
Anno 1713, d. 19. Juny haben Wir untergeschriebenen diejenigen Wiesen, so beym
Campement der Russischen Division bestehend in 11000 Pferden unterm Commando des
Fürsten Repnin in Lentföhrden, Nützen und Campen abgehütet worden, besichtiget
und der Schade unparteyisch folgendermaßen taktiert, als Lentföhrden
1 Pflug Jasper Siemens
Große Wische auf 6 Fuder, Brock Wisch 2/8 F., Root Klint 3 F., Wisch-Hoff 3 F.,
Ahl-Mühl 3 F., Molmers Fort 2 F., Haar Wisch 3 F.,
zus. 20 2/8 F a´ 1000 Pfund
NB Dieses hat Johann Brömmor gekauft.
1 Pflug Hans Hasch
Aufm Bock und aufm Doohl 4 F., Altesfördts-Wisch 4 F.,
zus. 8 F.
NB Dieses hat Johann Brömmer gekauft.
1 Pflug Jochim Hilttmanns Wittibe
Wischhoff 1 1/2 P.s Broocken 1 F., Lang Wisch 2 F., Abschiedts Wisch 2 F,
zus. 6 1/2 F.
NB Dieses hatte die Wittibe mir geschenket, deren Bruder Marx Biehl hat es auch
an Johann Brummer verkauft,
1 Pflug Man Biehl
Wöbcken-Wisch 2 F., Abschiedts Wisch aufm Doohl und Bock 2 F.., aufm Mühlen 4 F.
Molmers Vohrt 2 F.,
zus, 13 F.
1 Pflug Hinrich Siemens
langen Krog 2 F., Hogenstegens Blick 2 7., Mörike- Wisch aufs Bock und Wischhoff
lo F.
zus. 14 F.
1 Pflug Jochim Griep
Wischhoff und MUhr 4 7,, Ohrten Abscheidts Wisch 4 F., 2 Haar Wischen 7.
zus. 11 F.
NB Dieses hat Johann Brummer gekauft.
1 Pflug Jasper Gülck
Wiechhoff und Back krog 2 F., Alcken Wisch 5 F., Haar und Söhr Wisch 5 F., Bock
und Söhr Wisch 3 F., Lang Wisch 3 F.,.
zus 18 F.
1 Pflug Daniel Götzsche
Bock und Brüg-Wisch 11 F., Kl. Haaren Söhren und Lang Wisch 14 F
zus. 25 F.
NE Dieses hat Johann Brummer gekauft.
1 Pflug J. Hinrich Ohrt
Bartens Camp 1/8 F. Wisch Hoff 1 F. Abscheidts Wische 3 F.
zus. 4 1/8 F.
NE Dieses hat Johann Brummer gekauft.
1 Pflug Kl. Hinrich Ohrt
Bartens Camps Bliek 1/8 F., Born Wisch 2 F., Wischhoff und Bock 3 F.,
Stutz-Wisch und Bock 6 F.,
zus. 11 1/8 F.
NE Dieses hat Johann Brümmer gekauft.
1/4 Pflug Tieß Langmack
Aufm Doohl und Brock 4 F., Haar Wisch 3 F.
zus. 7 F.
(Nützen u. Kampen
sind hier nicht aufgeführt)
Der erste Antrag auf
Erstattung des Schadens an den Amtmann Hanneken in Bramstedt.
Die Hufner der drei Dörfer
hatten in ihrer Not den Kirchspielvogt Basuhn um Hilfe gebeten. Sie hatten dem
Kirchspielvogt alle ein Fuder Heu und mehr versprochen, wenn ihr Schade an ihren
Wiesen ersetzt würde, Basuhn verfaßte umgehend folgenden Antrag an den Amtmann
Hanneken in Bramstedt:
Copia Schreiben
“An den Herrn Etatsrath und Amtmann Hanneken in Bramstedt von den 3 Dorfschaften
Lentföhrden, Nützen und Campen.
Euer Exellenz ist vorhin zur Genüge bekannt, was Gestalt die Moscowitische
Division unterm. Kommando des Fürsten Repnin, welche nach der erstere ordre bei
Wakendorf stehen sollte, nachgehends aber, wir wissen nicht aus was Begebenheit
bey Bramstedt, allein von da sie uns zugekauft worden, welches das Kirchspiel
Bramstedt nicht in Abrede sein kann, indem sie das Geld dazu bei Herrn
Ober-Borg-Hauptmann. zusammen gebracht und von diesem hinwieder ausgezahlet
worden. Wann nun durch solches uns zugebrachtes Campement unser allein, unser
der Dorfschaft Lentföhrden Häuser, Zäune und Knicken sehr mitgenommen worden,
besonders unsere 3 Dorfschaften Wiesen durch den vielen dabei gewesenen Pferden,
welche Euer Exellenz beim Durch-Marsch in Bramstedt selber gesehn, teils ganz
abgehütet, teils durchgefressen und vertreten worden. Wogegen uns zwar Hoffnung
gemacht ist, daß aus dem Amte uns solcher Schade sollte ersetzet werden,
welcherhalbe auch eine Berichtigung und Taxation. Von unparteiischen Leuten
vorgenommen worden, wie solche untertänigst hierbeigehends ausweiset, allein es
ist bis dato nichts darauf erfolget, da wir aber nun gleich das Amt mit der
Einquartierung beleget und alle onera abhalten müssen. So nehmen wir unsere
Zuflucht zu Euer Exellenz untertänigst Bittende. Sie wollen gnädig geruhen, die
Orde zu stellen, daß solcher Schade uns möge ersetzet werden, damit wir unsere
schwere Einquartierung halten, auch unser Vieh durch den Winter bringen mögen.
Wir getrösten uns gnädiger Erhörung und sind mit untertänigster Devation.“
Neue Einguartierungslasten für die Bewohner des Kirchspieles.
Weder der Amtmann Hanneken
noch der Kriegskommissar und Kirchspielvogt Averhoff veranlaßten eine Ersetzung
des Schadens im gleichen Jahr. Ab Mitte Oktober des Jahres 1713 wurde das
Kirchspiel von den Soldaten der Generäle Levetzau und Leeqardt mit Quartier
belegt bis zum 16. Juni 1715. So mußten die Hufner des Kirchspieles neben der
Quartierhaltung auch noch Fouragegelder zahlen. Sie bezahlten monatlich 36,
später 24 Schilling pro Pflug.
Erst im Mai des Jahres 1714 holte und kaufte man von Breitenburg 118 Fuder Heu
a´ 600 Pfund = 70 800 Pfund. Dieses Heu wurde nicht an die Hufner der Dörfer
Lentföhrden, Nutzen und Campen verteilt, sondern auf die Hufner des ganzen
Kirchspieles. Die Durchhaltung der Einquartierung machte diese Maßnahme wohl
nötig. Diese Menge wurde wie folgt verteilt:
Schmalfeldt auf 20 Portionen = 64o
Bund = 5760 Pfund
Kattendorf „ 23 „ = 736
„ = 6624 „
Hüttblek „ 8 „ = 256
„ = 23o4 „
Oerstorf „ 13 „ = 416
„ = 3744 „
Nützen „ 13 „ = 416
„ = 3744 „
Lentföhrden „ 2o „ = 64o
„ = 576o „
Kisdorf „ 44 „ =
14o8 „ = 12672 „
Olzburg „ 10 „ = 32o
„ = 288o „
Henstedt „ 36 „ = 1152
„ = 1o368 „
Götzberg „ 12 „ = 384
„ = 3436 „
Wakendorf „ 31 „ = 992 „
= 8928 „
Kaltenkirchen „
u. Campen „ 14 „ = 448
„ = 4o32 „
Für d. Pflug des
Kirchspielvogtes „ 2 1/2 „ = 58 2/3
„ = 528 „
246 1/2 Portionen = 7866 Bund
2/3 = 7o8oo Pfund
Auf Veranlassung von
Kommissar Averhoff erhielten die Dörfer des Kirchspieles Kaltenkirchen bald
darauf eine 2. Lieferung von 36045 Pfund Heu., die der Kirchspielvogt wie
nachstehend registriert,
Kaltenkirchen
und Campen 2o16 Pfund Heu
Nützen 1872 „
Lentföhrden 2880 „
Oersdorf 1872 „
Schmalfeld 2880 „
Kattendorf 3312 „
Hüttblek 1152 „
Kisdorf 6336 „
Ulzburg 1440 „
Henstedt 5184 „
Götzberg 1728 „
Wakendorf 4464 „
An Pflug
des Kirchspielvogtes 909 „
2. Lieferung zus. 36o45 Pfund Heu
Der 2. Antrag au den Amtmann Hanneken.
Aber der Schaden der
Lentföhrdener, Nützer und Kamper wurde nicht erstattet. Deshalb richteten die
betroffenen ein 2. Schreiben etwa Anfang Juni 1714 an den Amtmann Hanneken, Die
Copie lautet:
“Zweites Schreiben an den Herrn Etatsrath und Amtmann Hanneken, Euer Exellenz
werde aus der ohnlängst von uns eingesandten Specification gnädigst ersehen
haben, wie ein großer Schade durch die Moscowitischen Division unterm Commando
des Fürsten Repnin uns dreien Dorfschaften Lentföhrden, Nützen und Campen bei
Heraus-Marsch und Campierung bei Lentföhrden an unseren Wiesen geschehen, dem
aber ohngeachtet haben wir unserm Nachbaren gleich die Einquartierung halten
müssen, welches wir auch schuldig zusein erkannt, weil uns die Hoffnung gemacht
worden, daß uns unser Schade von den übrigen Dörfern dieses Kirchspiele und dem
Kirchspiel. Bramstedt wieder sollte ersetzet werden, mit weicher Hoffnung wir
aber bis die Stunde zu unserm größten Schaden vergeblich sind hingehalten
worden, worüber wir uns gemüßiget befunden. Um der Einquartierung das ihrige
geben zu können, als auch unser Vieh nicht krepieren zu lassen, von anderen
Orten her das Heu teuer anzukaufen, wodurch wir dann dergestalt geschwächt
worden, daß wir auch nicht vermögens sind, die Contribution zu bezahlen. Wann
aber Euer Exellenz, wir doch unseren Nachbarn gleich, werden bezahlen müssen, so
wäre ja unbillig, daß uns unser Schade, so uns doch von dem Kirchspiel Bramstedt
zugekauft worden, nicht sollte nach Pflugzahl sollte wieder gut getan werden;
Und da es denn nun in der Heuernte ist, so nehmen zu deroseiben als ein Recht
habender Herr wir unsere Zuflucht untertänigst Bittende, die gnädige Verfügung
zu machen, daß, da wir 3 Dörfer und 2 Wakendorfer doch 247 Fuder
Heu a´ 1000 Pfund gerechnet, nach der Taxation Schaden erlitten,
nun von den übrigen Dörfern dieses Kirchspiels und dem Kirchspiel Bramstedt a´
Pflug wenigstens ein Fuder a´1000 Pfund und etwas mehrs möge mit dem
fordersahmsten erstattet werden. Gott im Himmel wird es Euer Exellenz
tausendfältig wieder vergelten in dessen Obhut.“
Die Stellungnahme des Amtsverwalters Shellen.
Dieses Schreiben und auch die
Bemühungen des Kirchspielvogts Peter Basuhn blieben ohne Erfolg. Der
Amtsverwalter Shellen besprach den Antrag mit dem Amtmann. Das Ergebnis teilte
er dem Kirchspielvogt Basuhn am 2. September 1715 mit.
“Copia oder Extrakt aus des Herrn Amtsverwalters Shellen Schreiben, sut dato
Segeberg, d. 2. Sept. 1715.“
“Wegen der Lentföhrder, Nützener ect. ihr Heu kann mit dem Herrn Etatsrath noch
nicht recht übereinkommen. Wenn der Herr Kirchspielvoigt könnte es durch
Verhandlung mit den anderer Dörfer Bauernvoigten und mit H. Wulffen die
Liquidation in der Güte befördern wolle, gerne dazu allen Zuschuß tun und
garnicht entgegen sein, zumalens die höchste Billigkeit und expost facto wurde
der Herr Etatsrath auch nicht zuwider leben, wenn nur die Ausschreibung der 2.
Fuder Heu a´ Pflug in Bereitschaft bleibet. Ich sollte nicht meinen, daß im
Kirchspiel Bramstedt solches nicht sowohl als bei ihm und nun sollte
bewerckstelligt sein, wenigst, will mich bei H. Wulf darum erkundigen.
Wulf war der Nachfolger de inzwischen verstorbenen Kirchspielvogts Averhoff in
Bramstedt geworden.
Der
Kirchspielvogt Basuhn berichtet über die Angelegenheit und über seine
Entschädigung
“Hierauf habe die
übrigen Dorfschaften Bauervoigte nebst ein paar Nachbaren von mir gefordert,
auch einige von denen Schaden gelitten, die um Erstattung bittlich angesprochen,
welche sich erklärten, vorerst & Pflug ein Fuder von 6oo Pfund herzugeben,
weiches dann au die notleidende hinwieder distribuirt worden, als wir es in der
Taxation mit NB bemerket. Ich vor meine Person habe an mir gekauft von Wilhelm
Schwering in Nützen 8 Fuder a´ l000 Pfund.
Christian Bartels auf der Camper Mühl 3 1/2 Fuder dazugerechnet, was ein jeder
wahrhaftig aus freien Willen nur versprochen vor meine Mühe-Waltung mir zu
verehren, wenn Sie Erstattung erlangten jeder ein Fuder Heu von l000 Pfund wäre
von die acht, so das ihrige erhalten:
8. = 19 1/2 Fuder a´ 1000 Pfund = 19500 Pfund.
Dagegen habe ich empfangen von Götzberg 4 Fuder 34 Bund
Schmalfeld 9 „ 46 „
Wakendorf 6 „ 25 „
Kattendorf 8 „
zus. 29 Fuder 5 Bund 5. 6oo Pfund
= 1746o Pfund
Bleiben mir noch zu gut 2040
Pfund
Die übrigen Dörfer im Kirchspiel Kaltenkirchen waren bereit, den 3 Dörfern &
Pflug 1000 Pfund zu geben. Auf Anordnung von Amtsverwalter Snellen wurde die
erste Rate der Lieferung auf 6oo Pfund pro Pflug herabgesetzt. So lieferten die
übrigen Dörfer des Kirchspieles Kaltenkirchen für Lentföhrden, Nützen und Campen
von der Heuernte 1715 folgende Mengen:
Kaltenkirchen 33oo Pfund Heu
Oersdorf 36oo „
Schmalfeld 6ooo „
Kattendorf 48oo „ (Das Soll war 54oo)
Hüttblek l8oo „
Ulzburg 3ooo „
Kisdorf 1o65o „
Henstedt lo8oo „
Götzberg 28oo „
Wakendorf 75oo „
Lieferung d. Kirchspiels 5425o Pfund Heu
Aus dem Magazin 6464 „
Es wurden verteilt 6o714 Pfund Heu
Hiervon beanspruchte der Kirchspielvogt 18 Fuder
Heu a´ 1000 Pfund = 18000 Pfund. Es blieben danach zur Verteilung 42714 Pfund,
das sind 71 Fuder a´ 600 Pfund. Von dieser Menge kaufte Basuhn 7ooo Pfund für 6
Rth., die übrigen 35714 Pfund kaufte Peter Basuhns Schwager Johann Brümmer in
Bramstedt für 36 1/2 Rth. Die betroffenen Hufner in Lentföhrden waren mit der
Zahlung der Contribution weit in Rückstand gekommen. Um der drohenden Execution
zu entgehen, waren sie gezwungen, das Heu sofort und dabei weit unterm
Marktpreis zu verkaufen. Der Kirchspielvogt Basuhn und sein Schwager Johann
Brummer aus Bramstedt hatten die Notlage der betroffenen Hufner weidlich für
sich ausgenutzt. Nach einer Überprüfung der Kirchspielvogtei wurde Basuhn wegen
Unstimmigkeiten vom Kirchspielvogtdienst suspendiert. Erst nach seiner
Wiedereinsetzung im Mai 1725 mußten er und sein Schwager Johann Brömmer aus
Bramstedt den Hufnern das Heu nach erfolgter Taxation entsprechend nachzahlen.
Der Antrag an König
Friedrich IV.
Da die Bramstedter sich standhaft weigerten, den Hufnern in Lentföhrden,
Nützen und Kampen trotz ihrer persönlichen Bitte zu helfen, wandten die
letzteren sich mit einem Memorial an Ihre Königl. Mayestät:
“Allerdurchlauchstiger“
“Eure Königl. Mayestät geruhen allergnädigst außer der Specification Litr. A zu
ersehen, wie ein großer Schade durch die Russische Division unterm Kommando des
Fürsten Repnin bestehend in 1000 Pferde-Potions nach der ordre vom hochlöblichen
Feld-General-Comissariat in Anno 1713 uns dreyen Dorfschaften Lentföhrden,
Nutzen und Campen des Kirchspieles Kaltenkirchen beim Herausmarsch und
Campierung bei Lentföhrden an unseren Wiesen, da das Gras vor der Lehe
gestanden, geschehen. Zu geschweigen was uns in und an den Häusern wie auch den
Knicks um den Wiesen vor Schade widerfahren, da die Niesen auch von so viele
Pferde dergestalt durchtreten gewesen, daß es noch kann gemerket werden; dem
aber ohngeachtet, haben wir die darauf erfolgte schwere Einquartierung unsern
Dorfnachbaren, so davon nebst dem Kirchspiel Bramstedt, welche letztere bei ihre
Wiesen so nathe bei die unsrigen belegen, Salve gnarders gehabt, nicht das
geringste empfunden, gleich halten müssen, welches wir auch schuldig zu sein
erkannte weil uns die Hoffnung von unserm Kirchspielvoigt gemacht worden, daß
uns unser Schade von den übrigen Dorfschaften dieses Kirchspieles und dem
Kirchepiel Bramstedt wieder nach Pflugzahl sollte ersetzet werden, wie die
Copie-Anlage Ltr. B alleruntertänigst zeiget. Welcherhalber durch 4 unparteische
Männer deß Schade des Grases ist taxiert worden mit welcher Hoffnung wir aber
bis diese Stunde ohne daß unsere Kirchspielnachbaren auf unser bittfliches
Vorstellen verwichen Herbst der Halbschiedt ihres Contigenta zu kommen lassen,
womit die notleidenste sind geholfen worden.. Zu unserm größten Schaden
vergeblich sind hingehalten worden, worüber wir uns gemüßiget befunden, uns der
in 2 Jahren gehabten schweren Einquartierung, das ihrige geben zu können, als
auch unser Vieh nicht krepieren zu lassen von anderen Orten Heu des 1713 Jahres
das Heu teuer anzukaufen, wodurch wir denn dergestalt geschwächet worden, daß
wir auch zum Teil nicht vermögend sind, Euer königl. Mayestät die schuldigen
Abgiften zu bezahlen. Wann aber allergnädigster König und Herr war doch unsern
Nachbaren gleich, solche bezahlen müssen, so wäre ja unbillig, daß uns unser
Schade, so uns doch des sehligen Herrn Commissaire Averhoffs Sage nach, von dem
Kirchspiel. Bramstedt mit loo Rth. zugekauft worden, nicht sollte nach Pflugzahl
wieder gut getan werden und des um desto füglicher anitzo, da Sie mit keiner
Einquartierung beschwert sind und die Heuernte geschehen, welches Heu wir sodann
zu Gelde machen und unsere Pestante damit abtragen könnten. So nehmen zu Eure
Königl. Mayestät wir unsere Zuflucht alleruntertänigst fußfälligst Bittende an
den Herrn Etatsrath und Amtmann Hanneken die allergnädigste ordre ergehen zu
lassen, daß, da wir 3 Dörfer und 2 Personen in Wakendorf doch 247 Fuder Heu looo
Pfund gerechnet nach der Taxation Schaden erbitten, nach Pflugzahl uns möge
erstattet werden. Gott im Himmel wird es Euer Königl. Mayestät tausendfältig
wieder vergolten.
Weitere Kriegslasten für
die Hufner.
Aus diesen Akten ist nicht ersichtlich, ob die Hufner des Kirchspieles
Bramstedt jemals dazu beigetragen haben, daß der angerichtete Schaden gemildert
wurde. Neben den zweijährigen Fouragegeldern mußten die Hufner des Kirchspiels
pro Pflug im. Jahre 1715 4 Rth. 36 ß Haferfuhrgelder bezahlen. Sie mußten im Mai
des Jahres l7l5 944 Tonnen Hafer von Lübeck nach Oldesloe fahren und 1376 Tonnen
Hafer von Lübeck nach Latendorf transportieren. Für jede Tonne Hafer gab es 14
Schillinge Fuhrgeld. Viele Hufner haben sich die Ihnen auferlegten Lasten durch
Ableistung der nötigen Fuhren selbst verdient. Der Kirchspielvogt forderte die
Hufner auf, selbst zu fahren und hatte 100 Wagen bestellt, Die Dörfer stellten
88 Wagen, davon kamen aus Kaltenkirchen 4, Oersdorf 4, Kattendorf 8, Campen 4,
Schmalfeld 8, Hüttblek 3, Nutzen 6, Lentföhrden 1o, Kisdorf 17, Götzberg 4,
Wakendorf 12 und Henstedt 8 Wagen.
Die Kriegsschäden eines
jeden Hufners in der Jahren 1711-1713
Eine Urkunde aus dem Jahre
1713 gibt Auskunft über die Schäden, die jeder Hufner des Kirchspieles nach dem
Schwedeneinfall erlitten hat. Es sollte festgestellt werden, ob die Hufner die
Contribution noch bezahlen konnten. “Nachricht, was ein jeder Unterthan im
Kirchspiel Kaltenkirchen seit des Schwedischen Einfalls für Schaden an seinem
Gute erlitten des annos 1713.“
“Spezifikation“,
„Was ein jeder Königl..
Unterthan des Kirchspieles Kaltenkirchen seither des Schwedischen Einfalls durch
den und hohen allierten Truppen Marschen, als auch 1711 das Pf erde und
Rindersterben nach ihrer an Eidesstatt ein gegebenen Designationes gebitten,
item, was auf jede Hofstedt sowohl an Menschen als Vieh kranken, und erstere
woran, item in was Zustand sich solchem nach ein jeder sich befindet,
pflichtmäßiger Entwurf,“
Die Schäden betrugen in den
Dörfern:
Kaltenkirchen…
…Lentföhrden
2 Pflug Jasper
Siemens 106 Rth. 10 Schilling
1 „ Hans Hasch 7o „
2 „
1 „ Jochim HüttmannWittibe 96 „ 2
„
1 „ Hinrich Siemens loo „
12 „
1 „ Marx Biehl 173
„ 32 „
1 „ Jochim Brieg 8o „
12 „
1 „ Jasper Bülck 133 „
2 „
1 „ Daniel Götzsche 113 „
24 „
1 „ Junger Hinrich Ohrt 145 „
26 „
1 „ Kl. Hinrich Ohrt 1o3 „
20 „
1 „ Thieß Langmaak 71 „
44 „
1/4 „ Marx Damman 68 „
— „
Gesamtschaden = 1262 Rth.
9 Schilling
3 Hufner konnten die
Contribution gut bezahlen, bei 5 Huffern war die wirtschaftliche Lage
mittelmäßig, bei 4 Hufnern war die wirtschaftliche Lage schlecht.
Die Gesamtverluste im
Kirchspiel betrugen 17 665 Rth. 25 1/2 Schilling In diese Schäden sind nicht
einbegriffen die frühere Kirchspielvogteihufe in Kisdorf, die Meyerhöfe in
Winsen und Struvenhütten mit den Dorfeinwohnern. Die Kirchspielvogteihufe in
Kisdorf hatte den Freiheitsbrief von 1665. Die Meyerhöfe hatten das Recht der
adeligen Selbstverwaltung,
Wenn man davon ausgeht, daß 1
Pferd damals etwa 10 - 12 Rth., eine Kuh 6 - 7 Rth., 1 Tonne Hafer (ca. 65 kg) 1
Rth., 1 Tonne Roggen (loo kg) 2 Rth., und 1 Tonne Weizen 4 Rth. kosteten, so
erlitten die Hufner des Kirchspieles doch erhebliche Verluste. Beim Autobahnbau
fand man auf der Gemarkung Kampen ca. 20 Steinhaufen, die als Feuer- oder
Herdstellen gedient haben. Diese Herdstellen waren gradlinig ausgerichtet und
setzten sich noch außerhalb der Autobahntrasse fort. Sie wurden seinerzeit von
Herrn Schäfer vom Amt für Früh- und Vorgeschichte untersucht. Man fand keine
Pfostenlöcher ehemaliger Häuser. Es stellt sich die Frage: Waren es die
Abkochstellen der russischen Kavalleriedivision? Wir können die Frage heute noch
nicht beantworten.
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