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Die
Altona-Kaltenkirchen-Neumünster (AKN) und ihr günstiger Einfluss auf
die Entwicklung der Landwirtschaft.
Text aus:
Chronik des Dorfes Lentföhrden,
Kreis Segeberg, als Semesterarbeit aufgeschrieben und zusammengestellt
von stud. paed. Erwin Voß am 15. Januar 1950
Im
letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts bis weit in das jetzige
hinein lag das Wohl und Wehe der Gemeinde in den Händen des
Bauernvogtes Hinrich Mäckelmann. 36 Jahre lang hat er diesen Posten
umsichtig und zum Vorteil der Gemeinde verwaltet. Obwohl Lentföhrden
an zwei Hauptverkehrswegen, und zwar einem des Mittelalters, dem
Ochsenweg, und der Altona-Kieler Chaussee liegt, war es doch ziemlich
abgelegen von den für das Dorf notwendigen Verkehrsmitteln.
Die
beiden nächsten Eisenbahnstationen waren Kaltenkirchen und Wrist.
Während man für persönliche Fahrten sich den jeweils günstigsten
Bahnhof aussuchte, waren für den Güterverkehr, und zwar für den
ankommenden, andere Punkte ausschlaggebend. Da die
Altona-Kaltenkirchener Bahn eine Schmalspurbahn war, mussten alle
Güter in Eidelstedt umgeladen werden. Dadurch entstanden Zeitverlust
und Verteuerung der Waren. Die Folge davon war, dass die Lentföhrdener
Bauern sich für den Güterverkehr den Bahnhof Wrist ausgesucht hatten.
Als Zu- und
Abfahrtsweg wurde der heute noch vorhandene Sandweg über Weddelbrook,
Krücken und Förden-Barl benutzt. Der gesamte Weg betrug 25 km. man
dazu berücksichtigt, dass der Zustand der Wege weitgehend von der
allgemeinen Wasserregulierung abhängig ist, dann kann man sich
denselben vielleicht vorstellen. Besonders bei länger anhaltendem
feuchten Wetter war er besonders tiefgründig.
Nicht selten
gingen die Räder der vollbeladenen Wagen bis an die Achsen weg. Eine
Fahrt nach Wrist war jedes Mal eine anstrengende Tagesleistung für
Mensch und Tier.
Nicht nur in
Lentföhrden, sondern auch in anderen Dörfern dieser Gegend und
besonders in der Stadt Bramstedt, machten sich diese verkehrsmäßigen
Schwierigkeiten immer mehr bemerkbar. Man hätte annehmen sollen, dass
auch die rückständigsten Geister nun einsehen mussten, dass der
einzige Ausweg die Weiterführung der Eisenbahn Altona-Kaltenirchen bis
Bramstedt war.
Auch die
Eisenbahngesellschaft hatte wohl gemerkt, dass der Zeitpunkt zum
Ausbau der Strecke gekommen sei und Genehmigung des Baues bis
Bramstedt angesucht.
"Am 10. Mai 1897
wurde der Eisenbahngesellschaft Altona-Kaltenkirchen durch
Allerhöchste Concession die Genehmigung zur Weiterführung der Strecke
bis Bad Bramstedt erheilt." Die neue Linienführung war geplant über
Schmalfeld, Hasenmoor, Bramstedt. Aus rückständigen Gründen lehnten
die Schmalfelder die Eisenbahn ab. Das war der gegebene Zeitpunkt für
den Lentföhrdener Bauernvogt H.Mäckelmann. Sowohl er als auch die
damalige Gemeindevertretung waren weitsichtig genug, um die sich
ergebenden Vorteile aus einer durch das Dorf führenden Eisenbahn mit
Haltepunkt zu erkennen. Die infolge des Bahnbaues entstandenen Kosten
waren zwar erheblich. 19 200 M mussten als Stammaktien für das Dorf
gezeichnet werden. Nach Aussagen eines alten Lentföhrdener Einwohners
trug sich die Eisenbahngesellschaft mit dem Plan, Lentföhrden und
Nützen einen gemeinsamen Bahnhof zu geben. Dieser sollte in der Gegend
der jetzigen Krummbeksbrücke liegen.
Mäckelmann ließ
sich darauf nicht ein. Als die Gemeinde sich verpflichtete, den durch
das Wiesental der Dreckau nötigen 6 1/2 m hohen Damm auf eigene Kosten
zu bauen und ebenfalls das Land für den Bahnkörper kostenlos zur
Verfügung zu stellen, ging die Eisenbahngesellschaft auf den Vorschlag
ein, dass der Bahnhof an den Ort herangelegt werden sollte. Dass diese
Verhandlungen keinen langwierigen Instanzenweg genommen haben, sondern
von Männern geführt worden sind, die wussten, was sie wollten, ersieht
man daraus, dass von der behördlichen Genehmigung des Bahnbaues bis zu
seiner Vollendung nur 1 Jahr und 4 Monate vergingen. Schon am 20.
August 1898 konnte die neue Strecke eröffnet werden. Lentföhrden und
Nützen erhielten zunächst den Charakter eines Haltepunktes.
Lentföhrden bekam
einen Güterschuppen und eine feste Rampe. Weil eine
Fernsprechverbindung noch fehlte, wurde ein Morseapparat für die
Nachrichtenübermittlung aufgestellt.

Mit
dem Tage der Inbetriebnahme der Bahn begann für Lentföhrden eine neue
Zeit. Am augenscheinlichsten wurde der Fortschritt dadurch bemerkbar,
dass mit dem gleichen Datum eine Postagentur in Lentföhrden eröffnet
wurde. Ein Vorteil auf weitere Sicht ergab sich für die
Landwirtschaft. Für diese bahnten sich Möglichkeiten an, wie man sie
wohl kaum vorausgesehen hat.
Was den Bauern
früher nicht möglich war, weil eben die Transportschwierigkeiten zu
groß waren, das konnte jetzt in Angriff genommen werden. Und was die
Bauern zu Beginn unseres Jahrhunderts geleistet haben, das ist im
wahrsten Sinne des Wortes Pionierarbeit gewesen. (Siehe vergleichende
Karten über die Bodenkultivierung.) Fast alle Ländereien südlich und
westlich des Dorfes waren Ödland. Auf dem tiefliegenden Moor links und
rechts der Chaussee nach Lager II wuchsen nur scharfe, saure Gräser,
die als Viehfutter völlig ungeeignet waren. Jetzt hatte man die
Möglichkeit, dem Boden nach Entwässerung den nötigen künstlichen
Dünger zu geben, um aus ihm hochwertige Weiden und Wiesen zu machen.
Jetzt geben diese ein Gras, dass die Bauern oftmals Nur von einer
Seite mähen können. Ebenso verhält es sich mit den Wiesen nach
Hogenstegen und Wierenkamp als auch mit denen im '"Dreck". Die "Dreckdeelen"
waren minderwertige Wiesen.
Nachdem aber der
"Schietsack" richtig daraufgekommen war, da gab auch der Boden her,
was er bis heute gehalten hat. Wie mit dem niedrigen Land, so sah es
auch mit dem hoch liegenden Heideland aus. Auf diesem sandigen Boden
wuchsen damals nur Heide und "Hunnhoar". Noch im ersten Jahrzehnt
dieses Jahrhunderts reichte die Heide bis fast an das Dorf heran. Der
Bauer Hermann Schröder erzählte mir, daß ihm auf eine zu seinem
Schwiegervater gemachte Äußerung hin über das so unnütz daliegende
Land von demselben 6 Tonnen am Dorf gelegenes Heideland gekauft
wurden. Der Preis für diese Fläche, 3 ha, betrug 2000 Mark.
Nachdem er sie urbar gemacht hatte, konnte er ein Stück von knapp 2
Tonnen für 1 750 Mark wieder verkaufen.
Solche Fälle kann
man viele hören. Bei der Versteigerung einer 10 Tonnen großen
Heidefläche gab der Bauer Heinrich Gripp, nur damit überhaupt ein
Erstangebot gegeben wurde, 150 Mark an. Keiner überbot ihn. Man
bedenke: 50 000 qm Land für 150 Mark in einer öffentlichen
Versteigerung. Keiner wollte diesen weit abgelegenen sandigen Boden
haben. Aber auch dieser Bauer hat sich, nachdem er das Land nun einmal
hatte, an die Kultivierung herangemacht. Heute ist auch diese Fläche
guter Ackerboden.
Nicht umsonst kann
die Eisenbahngesellschaft noch heute in ihren Akten feststellen, dass
besonders viel künstlicher Dünger nach Lentföhrden verfrachtet worden
ist.
Abgesandt wurden
von hier täglich große Milchmengen nach Altona. Ebenfalls
Viehtransporte gingen viel von hier nach dem Hamburger Viehmarkt fort.
Das Versuchsgut der staat. Mooradministration verschickte und empfing
ständig Proben und Erzeugnisse aus der Provinz.Als über den Rahmen des
üblichen hinausgehend kann man folgende Transportleistungen der Bahn
ansehen, wofür der Bahnhof Lentföhrden Zielstation war:
1925/26
Baumaterialtransporte für den Straßenneubau der Altona-Zieler
Chaussee.
1936/40 Flachstransporte zu der Flachsrösterei Lentföhrden, die am
Bahnhof drei große Schuppen besaß.
1939/40 Baustofftransporte für den Flugplatzbau in Moor- und
Heidkaten.
Der
83jährige Herr Vogt, dessen Tochter heute die "Agentin" (bahnamtliche
Dienstbezeichnung) , d.h., die Leiterin das hiesigen Bahnhofes ist,
erzählte mir , dass zum Bau des Flugplatzes allein neben dem sonst
notwendigeng Material als erstes 500 Waggon Mist aus der Marsch
ankamen. Der Bahnhof hätte in der Zeit dementsprechend ausgesehen. Für
den Bau der Altona-Kieler Chaussee seien allein aus Bordesholm 1 350
Waggon Splitt gekommen. Die Kleinpflastersteine kamen aus
Süddeutschland.
Als größter
außergewöhnlicher Transport von hieraus ist wohl die
Grubenholzlieferung nach dem Ruhrgebiet zu nennen. Diese Lieferung
wurde durch eine schwere Brandkatastrophe, die in den Jahren von 1911
bis 1917 große Moor- und Waldflächen vernichtete, verursacht. Die
stehengebliebenen Stämme wurden abgeschlagen und an Ort und Stell auf
die richtige Länge geschnitten und mit Loren an den Bahnhof gebracht.
Etwa 2 ha Boden waren den Bahnhof herum hoch aufgestapelt mit
Grubenholz.
Erst um das Jahr
1920 gingen die letzten Transporte von hier fort. Aus dem Haltepunkt
von 1898 wurde schon 1904 ein Bahnhof . Dieser wird seitdem von einem
Agenten und seit 1933 von einer Agentin verwaltet.
Da der Direktion
in Altona durch Kriegseinwirkung die ersten Fahrpläne verloren
gegangen sind 1 Iäßt sich erst ab 1913 sagen, wieviele Zugpaare
täglich in beiden Richtungen verkehrten.
1913 berührten
werktags in jeder Richtung 4 Personen und 2 Güterzüge Lentföhrden.
Sonntags waren die Personenzüge um 2 Zugpaare vermehrt. Im ersten
Weltkrieg verkehrten täglich 3 Personen- und werktags 2 Güterzugpaare.
Von damaligen Kriegsgefangenen wurde die Strecke bis nach Neumünster
ausgebaut, so dass man seit 1916 auch Anschluß an den größten
Bahnknotenpunkt Schleswig-Holsteins hat.
1926 waren es
täglich 6 Personenzugpaare, die die Strecke befuhren.
1930 bestanden 8 Verbindungen in jeder Richtung.
Nach anfänglich
großen Schwierigkeiten nach dem Zusammenbruch von 1945 - eine Pause
trat damals kaum ein - hat man heute schon wieder die Möglichkeit,
dreizehnmal in jeder Richtung zu fahren. Besonders hat sich die Bahn
dem stark angewachsenen Arbeiterverkehr nach Hamburg angepasst. Der
erste Zug in dieser Richtung fährt 4.11 Uhr und der letzte verlässt
Hamburg 23.21 Uhr. Es ist also auch Schichtarbeitern und
Theaterbesuchern möglicht bequem wieder nach Hause zu kommen.
Die
Fahrgeschwindigkeit der Personenzüge betrug anfangs 40 km/h, heute 50
km/h. Ab
1930 verkehren mehrere Triebwagen auf der Strecke
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das Foto zeigt einen
"Esslinger Triebwagen", die ab 1951 eingesetzt wurden |
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