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Die
Post
bis 1950 von Erwin Voß
In früheren Zeiten wurden Nachrichten durch
Boten überbracht. Diese waren zu Fuss oder, wenn ein Brief schnell befördert
werden sollte, zu Pferd unterwegs. Solche Booten konnten sich nur vermögende
Leute leisten. Später im 17. Jahrhundert kam zu der Beförderung von Briefen und
von Wertpäckchen auch der Personentransport hinzu. So errichtete man nach dem
Bau der Chaussee von Altona nach Kiel (1832) in Bramstedt ein Postamt. Hier wie
in Neumünster und Quickborn wurden die Pferde vor den Postkutschen gewechselt.
Da der Briefverkehr inzwischen auch für jedermann möglich geworden war, Briefe
aber nur beim Postamt aufgegeben werden konnten, ließ die Einrichtung von
Briefmarken und von Briefkästen nicht lange auf sich warten. Aber auch die
ankommende Post mußte verteilt werden.
Auch zwischen Kaltenkirchen und Bramstedt bestand zeitweise eine Postverbindung
mittels eines Hundefuhrwerkes. Nach Fertigstellung der Straße von Lentföhrden
über Kaltenkirchen nach Ochsenzoll (1856) lief täglich ein Omnibus, aus
Kaltenkirchen kommend, hier vorbei.
Mit dem Bau der Bahn (AKN) 1898 kam auch eine
Poststelle nach Lentföhrden, denn der Bau der Eisenbahn - Strecke über
Kaltenkirchen hinaus, brachte nicht nur für den Flecken Bramstedt den Anschluß
an das moderne Leben. Die
Postagentur wurde von dem damaligen Bahnhofswirt Heinrich Krewitt übernommen.
Die Reichspost, nutzte die Bahnverbindung für die Beförderung von Post- und
Paketsendungen. Vorher
war die Post durch das Postamt Kaltenkirchen zugestellt worden. Das
private Postfuhrunternehmen, das zwischen Kaltenkirchen und Bramstedt verkehrte,
wurde eingestellt. Lentföhrden erhielt ein eigene Postagentur, in deren
Zuständigkeit nun auch die Orte Nützen, Kampen und später Springhirsch fielen. Bestellt
wurde die Post durch den Postboten Wilhelm Lohse. Da der Dienst zu anstrengend
war, wurde bald eine Hilfskraft angestellt. Lohse wurde 1908 nach Elmshorn
versetzt. Sein Nachfolger wurde Grunert.
Als am 1. November 1900 Heinrich Vogt Besitzer der Bahnhofswirtschaft
wurde, übernahm er auch die Postagentur. Die Postdienststelle wurde
damals im Lentföhrdener Bahnhof untergebracht, in dem es auch eine
Bahnhofsgaststätte gab. Beides leitete bis 1919 Heinrich Vogt, der auch noch
die Güterabfertigung und den Fahrkartenverkauf abwickelte.
Post
wurde durch einen Briefträger zugestellt. Zum Bestellbezirk gehörten außer
Lentföhrden, Nützen und Kampen. Springhirsch, Lager I (Lentföhrden) , II (ehem.
Versuchsgut) und III (Heidmoor) kam später dazu.
Die
Post wurde täglich zweimal zugestellt. Da der Dienst für einen Boten zu
anstrengend war, wurde bald eine Hilfskraft eingestellt. Ein Briefträger, der
über 20 Jahre im Dorf war, war der Postschaffner Artur Thieß, der später
nach Bad Bramstedt versetzt wurde. Die
wirtschaftliche Entwicklung brachte es mit sich, dass bald die Anstellung eines
zweiten Beamten vorgenommen werden musste.
Wahrend
des ersten Weltkrieges wurde die hiesige Agentur der Erledigung einer gewaltigen
Arbeit bedacht.
Schon
im Anfang des Krieges entstanden im Lentföhrdener Moor in Springhirsch
Kriegsgefangenen-Lager. Die durchschnittliche Belegung dieser Lager belief sich
auf 5 000 bis 6 000 Mann. Brachte schon der Krieg durch die Feldpost eine
erhebliche Mehrarbeit mit sich, so wurde die Agentur durch das
Kriegsgefangenen-Lager besonders stark belastet.
Der damalige Postagent Heinrich Vogt entsinnt sich, dass des Öfteren mehr als
100 Anweisungen an einem Tage durch seine Hände gegangen sind. Eine Unmenge
Briefpost musste sortiert werden. Als die Lager voll besetzt waren, kamen die
Pakete
waggonweise an. Bei dieser erheblichen Mehrbelastung auch des Innendienst
tuenden Beamten musste demselben eine Hilfe zugewiesen werden. Der Postschaffner
A.Thieß wurde in dieser Zeit im Innendienst verwandt. Im Jahre 1917 wurde Otto
Götsch, der als Kriegsbeschädigter aus dem Heeresdienst entlassen wurde, als
Postschaffner angestellt. Am 1. Januar 1919 übernahm Max Jipp die
Bahnhofswirtschaft und damit auch die Postagentur. Durch den Tod Jipp´s im
Sommer 1920 wurde die Stelle frei. Der Postagent Hinrich Theege übernahm diesen
Posten am 5. August 1920. Bis zum Hausbau des Herrn Theege war die Post im Hause
von Johannes Pohlmann untergebracht. Die Bestellung der Post erfolgt seitdem durch den
Postschaffner Artur Thies und eine Hilfskraft.
Durch
die Verkraftung trat insofern eine Änderung
ein, dass am 1. März 1932 Nützen eine eigene Agentur bekam. Der Postschaffner
Götsch wurde nach Bad Bramstedt versetzt.
Durch
das ständige Anwachsen des Dorfes, besonders aber der Besiedlung von
Lager I,
II und III und von
Springhirsch, hat sich schon im Laufe der dreißiger Jahre
die, Zustellarbeit der Briefträger derart vermehrt, dass eine weitere
Hilfskraft eingestellt werden musste.
Nach dem Krieg führte die Postelle Hinrich
Theege, die 1959 von Ruth Kirstein
übernommen wurde. Die Post zog an den Bahnhof in die ehemalige Arztpraxisvilla von Dr.Wellach. Mit ihr zusammen waren
dort über lange Jahre hinweg die Zusteller Gertrud Theege (s. Bild)
und Hilda Mathe tätig.
1980 ging Ruth Kirstein in Pension, kurz darauf zog
die Post in das Haus von Kaufmann Kröger und wurde von Fr. Bernin übernommen.
Am 31.3.98 wurde die Postfiliale an der Kieler
Strasse 35 geschlossen. Es entstand im "EDEKA-Markt" von
Kaufmann Kröger eine Postagentur.
Nach einem Einbruch 2004 wurde die Postagentur geschlossen.
mehr in dem Buch:
von Postbüddeln und Räubern "Die Lentföhrdener Post"
von Uwe Looft und Hans Mißfeldt |